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Zur Bedeutung der „Rassenfrage“ in der NS-Industrieforschung

  • Günter Warsewa
  • Michael Neumann
Chapter
Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 85)

Zusammenfassung

Zum Gegenstand der sozialwissenschaftlichen Industrie- und Betriebsforschung gehören im wesentlichen die sozialen, psychischen, ideologischen, technischen und ökonomischen Bedingungen, unter denen Arbeitskraft verausgabt und zur Steigerung der Produktivität gebracht werden kann. Ein zentrales Thema — seit Beginn der Industrie- und Betriebssoziologie — ist dabei die “Auslese und Anpassung” von Arbeitern an die vorgegebenen ökonomischen und betrieblich-technischen Strukturen.

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Anmerkungen

  1. 1.
    vgl. u.a.: K.H. Ludwig: Technik und Ingenieure im Dritten Reich. Königstein/Ts. 1979, S. 225Google Scholar
  2. 2.
    Deutschland-Berichte der Sozialdemokratischen Partei (SOPADE), VI, 1939, S. 35Google Scholar
  3. 3.
    vgl. die sehr instruktive Untersuchung von H. Studders: Die Facharbeiterfrage in der Kriegswirtschaft. Hamburg 1938Google Scholar
  4. 4.
    K. Bourges: Abstammung und Beruf. Ein Beitrag zur Menschen-und Betriebsführung sowie zur Berufslenkung im neuen Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Hüttenindustrie des Ruhrgebiets. Düsseldorf 1938, S. 1Google Scholar
  5. 5.
    K. Arnhold: Aufgaben der Führung in der Front der deutschen Arbeit. Düsseldorf 1935, zit. bei Bourges, a.a.O., S. 11Google Scholar
  6. 6.
    ebd., S. 18Google Scholar
  7. 7.
    Rassen im schlesischen Raum“, in: Raumforschung und Raumordnung, III. Jg., 1939, S. 435Google Scholar
  8. 8.
    vgl. F. L. Neumann: Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933–1944. Ffm. 1984, S. 204fGoogle Scholar
  9. 9.
    O. Jungels: Deutsche Bevölkerungspolitik seit dem Zeitalter des Merkantilismus. Der Wandel ihrer Zielsetzungen in geistesgeschichtlicher und sozialgeschichtlicher Analyse. Frankfurt/M. 1939, S. 80. Diese Arbeit erschien in der von der “Gesllschaft für Sozialwissenschaft” herausgegebenen Schriftenreihe. In dieser Gesellschaft, der Karl Arnhold als Leiter vorstand, versammelten sich eine Reihe bekannter Sozialwissenschaftler; vgl.: C. Klingemann: Vergangenheitsbewältigung oder Geschichtsschreibung? in: S. Papcke (Hg.): Ordnung und Theorie. Beiträge zur Geschichte der Soziologie in Deutschland. Darmstadt 1986, S. 223–279, hier S. 270fGoogle Scholar
  10. 10.
    Jungels, a.a.O., S. 79Google Scholar
  11. 11.
    B. Rauecker: Deutsche Arbeitskunde, in: Volk im Werden, 2. Jg. 1934, S. 400Google Scholar
  12. 12.
    K. H. Pfeffer: Die Soziologie in Deutschland, in: Archiv für Bevölkerungswissenschaft und Bevölkerungspolitik, 9. Jg. 1939, S. 427Google Scholar
  13. 13.
    H. Textor: Völkische Arbeitseignung und Wirtschaftsstruktur. Berlin 1939Google Scholar
  14. 14.
    Die Forschungsstelle für das Volkstum im Ruhrgebiet arbeitete eng mit dem Provinzialinstitut zusammen; vgl. J. Weyer: Die Forschungsstelle für das Volkstum im Ruhrgebiet (19351941), in: Soziale Welt, 1984, Heft 1/2, S. 130Google Scholar
  15. 15.
    H. Textor, a.a.O., S. 53Google Scholar
  16. 16.
    ebd., S. 27Google Scholar
  17. 17.
    ebd., S. 54Google Scholar
  18. 18.
    ebd., S. 99Google Scholar
  19. 19.
    ebd., S. 99Google Scholar
  20. 20.
    K. Bourges: Abstammung und Beruf a.a.O., S. 61; weitere Arbeiten des Instituts: W. Schulz: Strukturtypus und Begabung, in: Die Rheinprovinz, 12. Jg., 1939; W. Schulz: Erbgut und Beruf, in: Arbeitseinsatz und Arbeitslosenhilfe, 4. Jg., Heft 17, 1937; W. Schulz: Herkunft und Berufseignung, in: Die Rheinprovinz, 11. Jg., Heft 9, 1935; W. Schulz: Berufseignung und rassisch-stammliche Artung, in: Die Rheinprovinz, 12. Jg., heft 9, 1936; W. Schulz: Menschenauslese vor allem in der Eisenhüttenindustrie, in: Stahl und Eisen, 57, Heft 40, 1937; W. Schulz: Rassischer Raum - Leistung, in: Die Rheinprovinz, 11. Jg., Heft 1, 1935; W. Schulz: Über die Erbfestigkeit der strukturellen Artung der Persönlichkeit, Düsseldorf 1935; W. Schulz: Erbgut, Erziehung und berufliche Leistung, Düsseldorf 1936; R. Schmitz: Vergleiche der Strukturuntersuchungen in Thüringen und am Niederrhein, in: Die Rheinprovinz, 12. Jg., Heft 11–12, 1936; R. Schmitz: Rassisch-stammliche Artung und Eignung zum Straßenbauführerberuf, in: Die Rheinprovinz, 12. Jg., Heft 7, 1936; P. Kerschbaum: Über die Festigkeit der Persönlichkeitsstruktur im Jugendalter. Düsseldorf 1936Google Scholar
  21. 21.
    Bourges stellt auf diese Weise folgende arteigenen rassisch-bedingten Begabungen und Berufe fest: Friesen: Seemann, Fischer, Händler, Deichbauer, Tierzüchter; Niedersachsen: Staatsmänner, Militärs, Wirtschaftsführer, Dichter, Wissenschaftler, Kaufleute, Seefahrer, Bauern, Bienenzüchter, Techniker, allgemein: Tierzüchter, Zucker-, Gemüsekonserven-, Fleisch-und Wurstwaren-Fabrikanten, Weber; Franken: Soldaten, Binnenschiffer, Industrielle, Händler, Industriearbeiter, Bauern, Tierzüchter, Müller, Weinbauern (“rassische Bedingtheit gerade des Weinbaus”, S. 23), Bergleute; Bayern: “Der Bayer ist ein Bauer. Die Ebene und die Hochebene bearbeitet sein Pflug. Im Gebirge wird er zum Bergbauer und legt sich auf die Almwirtschaft. Im Hochgebirge treffen wir ihn als den kühnen Alpenjäger wieder.” S. 29Google Scholar
  22. 22.
    vgl. auch: C. Selzner: Der deutsche Rüstungsarbeiter. Berlin 1940. S. stellt die Arbeitsgestaltung als “Suche nach dem Verfahren, welches dem Rhytmus des Blutes nahekommt” dar; oder: W. Mitze: Die strukturtypologische Gliederung einer westdeutschen Großstadt. Marburg 1937; M. versucht, die rassischen Merkmale der Bewohner als Grundlage der regionalen Wirtschaftsstruktur zu bestimmen; weitere: Th. Bühler: Deutsche Sozialwissenschaft. Berlin 1940; H. Schack: Mensch und Arbeit. Vom Wesen deutscher Wirtschaft. Berlin 1941; B. Köhler: Deutsche Sozialisten am Werk. Berlin 1937Google Scholar
  23. 23.
    K. V. Müller: Der Aufstieg des Arbeiters durch Rasse und Meisterschaft. München 1935Google Scholar
  24. 24.
    ebd., S. 56Google Scholar
  25. 25.
    ebd., S. 154: “Diese Kernschicht des Arbeitertums ist für ein Volk wie das deutsche sogar von einem besonderen Wert angesichts der möglichen großen Belastungsprobe naher Zukunft: dort würde es Lebensnotwendigkeit für unser Volk bedeuten können, daß es nicht nur verhältnismäßig allseitig bewährungsfähige Bauernnaturen mustert, sondern auch einseitigere, aber in ihrer einseitigen Leistung in zweckvoller Zusammenarbeit fähigere, beweglichere, der Technik und ihren Anforderungen an Geist und Hand gewachsenere ‘Arbeiternaturen’.”Google Scholar
  26. 26.
    ebd., S. 129ffGoogle Scholar
  27. 27.
    ebd. S. 144fGoogle Scholar
  28. 28.
    vgl. W. Brepohl: Die Ruhrbevölkerung in der Forschung, in: Rhein und Ruhr 1937, S. 1152ffGoogle Scholar
  29. 29.
    vgl. Die Einsatzfähigkeit von Arbeitskräften für Fließbandarbeiten. Auszug aus einer gutachterlichen Stellungnahme, in: Jahrbuch 1939 Bd. I des AWI, S. 441ffGoogle Scholar
  30. 30.
    vgl. dazu: P. Hinrichs: Um die Seele des Arbeiters, Köln 1981Google Scholar
  31. 31.
    O. v. Zwiedineck-Südenhorst: Volkswirtschaftlicher Sinn und Grenzen der Gewerbehygiene, in: Beihefte zum Zentralblatt für Gewerbehygiene und Unfallverhütung, Beiheft 24, 1933, S. 1–25Google Scholar
  32. 32.
    AWI-Jahrbuch 1939 Bd. I: “Rasse und Leistung”, S. 275: “Die ungeheure Bedeutung, die der Erbbiologe und der Rassenkunde in der Gegenwart mit Recht zuerkannt wird, hat zu einer weitgehenden Ausbreitung erbbiologischen und rasse-psychologischen Denkens geführt, wobei leider sehr oft die Grenzen der wissenschaftlich gerichteten Erkenntnisse erheblich überschritten wurden, so daß unhaltbare Meinungen breitesten Zugang in die Öffentlichkeit fanden. Auch hat es an der Verbreitung sachlich falscher Anschauungen nicht gefehlt, so daß man sehr oft recht verschwommene Vorstellungen über Rasse (…) antrifft.” (257)Google Scholar
  33. 33.
    K. V. Müller: a.a.O., S. 48, 75/76, 68, 88;Google Scholar
  34. 34.
    vgl. dazu z.B. die gänzlich sachliche und induktive Vorgehensweise von A. Walther bei der Entwicklung einer effektiven Stadtplanung, dargestellt in dem Aufsatz von K. H. Roth in diesem Band.Google Scholar
  35. 35.
    vgl. vor allem Untersuchungen über Frauenerwerbsarbeit, die unter dem Druck des Arbeitskräftemangels in der Vorkriegsund Kriegsphase propagiert und durchgesetzt wurden: A. Meister: Die deutsche Industriearbeiterin. Ein Beitrag zum Problem der Frauenerwerbsarbeit. München 1938; E. Pflaume: Frauen im Industriebetrieb. Einsatz - Schulung - Leistung. Berlin/Wien/Leipzig 1941; ders: Die Umschulung in der Eisen und Metall verarbeitenden Industrie. Berlin/Wien/Leip- zig 1939; T. Sonnemann: Die Frauen in der Landesverteidigung. Ihr Einsatz in der Industrie. Oldenburg 1939Google Scholar
  36. 36.
    vgl. G. Pätzold (Hg.): Quellen und Dokumente zur betrieb-lichen Berufsbildung 1918–1945. Köln, Wien 1981, S. 39Google Scholar
  37. 37.
    zit. nach Pätzold, ebd. S. 152Google Scholar
  38. 38.
    ebd., S. 156Google Scholar
  39. 39.
    A. Bremhorst: Aufgaben und Aufbau des Amtes für Arbeits-führung und Berufserziehung, in: Arbeitsschulung 7. Jg., Heft 1, 1936, S. 2–8, hier S. 3; vgl. auch G. Neumann: Die Indoktrination des Nationalsozialismus in die Berufserziehung. Untersuchung zur Arbeits-und Erziehungsideologie während der Epoche zwischen 1933 und 1945. Hamburg 1969Google Scholar
  40. 40.
    vgl. G. Fürst: Statistiken der Erwerbstätigkeit und Beschäftigung. Göttingen 1972; Ch. Lorenz: Die Bedeutung der Statistik für die Lenkung des Berufsnachwuchses, in: Allgemeines statistisches Archiv, 31. Band, 1942/43; K. Hei-necken: Die Volkskartei, in: Allgemeines statistisches Archiv, 31. Band, 1942/43Google Scholar
  41. 41.
    F. Horsten: Die nationalsozialistische Leistungsauslese. Ihre Aufgaben im Bereich der nationalen Arbeit und praktische Vorschläge für ihre Durchführung. Würzburg 1938Google Scholar
  42. 42.
    vgl. dazu: Neue Gesellschaft für bildende Kunst (Hg.): Faschismus. Berlin (West) 1976, S. 98–100Google Scholar
  43. 43.
    K. Peppler (Hg.): Die deutsche Arbeitskunde. Leipzig 1940Google Scholar
  44. 44.
    H. Marr: Die Industriearbeit, in: Peppler a.a.O., S. 115–139Google Scholar
  45. 45.
    L. Anders: Die Wechselwirkungen zwischen Arbeitszeitgestaltung und Rationalisierung der Produktions-und Arbeitsprozesse. Hamburg 1940, S. 79Google Scholar
  46. 46.
    vgl. hierzu und im folgenden: J. Weyer: Die Forschungs-stelle für das Volkstum im Ruhrgebiet (1935–1941), a.a.0.Google Scholar
  47. 47.
    W. Brepohl: zit. nach: Weyer, a.a.0., S. 138Google Scholar
  48. 48.
    W. Brepohl: zit. nach: Weyer, a.a.0., S. 137Google Scholar
  49. 49.
    Neben der Integration von Ostarbeitern und Kriegsgefangenen wurde in diesem Themenkomplex noch an zahlreichen Stellen an den Fragen des Auslandsdeutschtums und der Sozialstruktur der eroberten bzw. der zu erobernden Länder gearbeitet, wo rassistische/soziologische Arbeiten durchaus massive Konsequenzen hatten, etwa bei der bewußten politischen Zersplitterung sozialer und kultureller Gruppen oder bei der sog. ‘Siebung und Sichtung’ der Jugend und der Einrichtung eines entsprechenden Schulsystems. Allerdings verläßt man hier den Kernbereich industrieller Interessen bzw. gesellschaftlicher Produktionsstrukturen und daher soll hier nicht weiter darauf eingegangen werden, vgl. dazu: Neue Gesellschaft… a.a.0., S. 115Google Scholar
  50. 50.
    vgl. dazu: D. Peukert: Volksgenossen und Gemeinschaftsfremde. Köln 1982, S. 151–171; vgl. jetzt auch: U. Herbert: Fremdarbeiter. Politik und Praxis des ‘Ausländer-Einsatzes’ in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches. Bonn 1985Google Scholar
  51. 51.
    Neue Gesellschaft… a.a.0., S. 163Google Scholar
  52. 52.
    vgl. dazu: A. Brengel: Die Bewertung der Arbeit, Berlin 1942; L. Anders: Die Wechselwirkungen, a.a.0.; H. Böhrs: Grundlagen der Arbeitsorganisation im Fabrikbetrieb. Berlin 1943; G. Garbotz: Arbeitsuntersuchungen als Mittel zum rationellen Einsatz von Mensch und Maschine. Berlin 1942; O. Karl: Das amerikanische Prämien-Gruppenakkordsystem und seine Kritik. Berlin 1939; W. Schepker: Die Verwirklichung der nationalsozialistischen Betriebsgemeinschaft. Leipzig 1939; H. Klautschke: Die pflegliche Behandlung der menschlichen Arbeitskraft im industriellen Großbetrieb. Greifswald 1935; A. Friedrich: Aktivierung der Betriebserfahrungen. Berlin 1941Google Scholar
  53. 53.
    vgl. dazu: Fr. v. Gottl-Ottlilienfeld: Wirtschaft als Wissen, Tat und Wehr. Berlin 1940 (Programmatische Aufsätze veröffentlicht aus Anlaß der Gründung des ‘Forschungsinstitut für Deutsche Volkswirtschaftslehre’ in Graz); ders.: “Soziale Ordnung der Vernunft und der Gerechtigkeit”, in: Neue internationale Rundschau der Arbeit, 4. Jg. 1944, H.1. S 1ff 54 vgl. etwa die Untersuchung von H. Studders: Die Facharbeiterfrage in der Kriegswirtschaft. Schriften zur kriegswirtschaftlichen Forschung und Schulung, Hamburg 1938. Generell lassen sich erhebliche Differenzen in der Argumentation und im Jargon zwischen Vertretern der DAF und Vertretern der Industrie feststellen.Google Scholar
  54. 55.
    vgl. L. H. Ad. Geck: Soziale Betriebsführung. München 1938, Bd. 2 der Reihe ‘Arbeit und Wissen’, S. 55 ff.Google Scholar
  55. 56.
    vgl. G. H. Daniels: Hauptfragen der amerikanischen Technikgeschichte in: Moderne Technikgeschichte. 1975, S. 53Google Scholar
  56. 57.
    SOPADE, Band V, S. 1072Google Scholar
  57. 58.
    vgl. J. Kuczynski: Geschichte der Lage der Arbeiter unter dem Kapitalismus. Band 6, Berlin 1964, S. 182Google Scholar
  58. 59.
    vgl. hier vor allem die in Anmerkung 52 genannten Arbeiten von Anders, Böhrs und Garbotz; auch M. Christoph: Die organische Betriebsgestaltung als Mittel der Leistungssteigerung. Berlin 1942; E. Bornemann: Die Wirkungen der zwangs-läufigen Arbeit mit übersteigertem Tempo. Aachen 1938Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1987

Authors and Affiliations

  • Günter Warsewa
  • Michael Neumann

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