Advertisement

Einleitung

  • Lutz-Rainer Reuter
  • Bernhard Muszynski
Chapter
Part of the Schriften zur Politischen Didaktik book series (POLDID)

Zusammenfassung

In entwickelten Industriegesellschaften kommen dem Erziehungs- und Bildungssystem zentrale Funktionen zu, die sich schlagwortartig mit Reproduktion, Integration und Innovation bezeichnen lassen1. Der in dieser Funktionstrias zum Ausdruck kommende Beitrag des Bildungssystems zur Entwicklung des sozio-politischen Gesamtsystems äußert sich nicht zuletzt durch das hohe Gewicht, welches diesem Komplex im politischen Problemhaushalt zugemessen wird. Dabei ist es insbesondere die Innovationsfunktion, die Bildungspolitik zu einem Kristallisationspunkt politischer Grundsatzkontroversen werden ließ und läßt, kommt in ihr doch die dynamische, den Statusquo verändernde Komponente institutionalisierter Erziehungs- und Ausbildungsprozesse zum Tragen. Dies macht einerseits die große Affinität zwischen Bildungspolitik und Ideologie verständlich, weist andererseit daraufhin, daß bildungspolitische Festlegungen und Grundsatzforderungen im Kernbereich des jeweiligen politisch-gesellschaftlichen Selbstverständnisses von Individuen, Gruppen, Verbänden und Parteien siedeln. Verstärkt wird die Konflikthaftigkeit von Bildungspolitik durch den breiten Kreis der Betroffenen quer durch alle Bevölkerungsschichten: Die Schulpflicht ist allgemein; die formalen Bildungsabschlüsse prägen entscheidend soziale Karrieren. Des weiteren bewirkt die in der Bundesrepublik Deutschland bestehende überaus komplizierte Struktur von Bildungswegen, -Institutionen und Trägern, daß ständig um Veränderungen gestritten wird, zumal selbst die Fundamente des bundesdeutschen Bildungssystems von der Länderkompetenz über die Regelschule bis zur Berufsbildung durchaus nicht einvernehmlich beurteilt werden.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. näher zu den Funktionen des Bildungssystems Lutz-Rainer Reuter: Bildungsund Beschäftigungssystem. In: Aus Politik und Zeitgeschichte B 2/1978; Bernhard Muszynski: Politische und ökonomische Sozialisation in der Berufsschule. Meisen-heim/Glan 1978, S. 51f.Google Scholar
  2. 2.
    Zur öffentlichen Dimension des Parteienhandelns vgl. ausführlich Bernhard Muszynski: Schwerpunkte zwischenparteilicher Konfrontation. In: Heino Kaack (Hrsg.): Handbuch des deutschen Parteiensystems. Leverkusen 1980, Bd. II.Google Scholar
  3. 3.
    Warnfried Dettling (Hrsg.): Macht der Verbände — Ohnmacht der Demokratie? München 1976.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. Otto Stammer: Interessenverbände und Parteien. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 1957, S. 787ff.; Max G. Lange: Politische Soziologie. Berlin 1968, S. 91; Peter Raschke: Vereine und Verbände — Zur Organisation von Interessen in der Bundesrepublik Deutschland. München 1978, S. 1 Iff.Google Scholar
  5. 5.
    Zur Funktion von Verbänden vgl. z.B. Jürgen Weber: Die Interessengruppen im politischen System der Bundesrepublik Deutschland. Stuttgart 1977, S. 343ff.Google Scholar
  6. 6.
    Zu Adressaten und Methoden der Einflußnahme vgl. u.a. Klaus von Beyme: Interessengruppen in der Demokratie. München 1969, S. 87ff.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. Otto Stammer/Peter Weingart: Politische Soziologie. München 1972, S. 187ff.Google Scholar
  8. 8.
    Einen guten Überblick bietet Jürgen Weber a.a.O.Google Scholar
  9. 9.
    So z.B. für die Gewerkschaften Eberhard Schmidt: Ordnungsfaktor oder Gegenmacht. Die politische Rolle der Gewerkschaften. Frankfurt a.M. 1971; für die Arbeitgeberverbände Walter Simon: Macht und Herrschaft der Unternehmerverbände — BDI, BDA und DIHT. Köln 1976: für die Kirchen Helmut Quaritsch/Hermann Weber (Hrsg.): Staat und Kirchen in der Bundesrepublik. Bad Homburg v.d.H. 1967.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. die allerdings in keinem Falle vollständigen Textsammlungen z.B. von Peter Pulte: Parteiprogramme. Neuwied 1979; Programme der deutschen Sozialdemokratie. Bonn/Braunschweig 1978; Die CDU ufid ihr Programm. Programme, Erklärungen, Entschließungen. Meile/Bonn 1979; SPD: Dokumentation: Programme und Entschließungen zur Bildungspolitik 1964–1975. Bonn o.J.; Günter Scharfen-berg (Hrsg.): Dokumente zur Bildungspolitik der Parteien in der Bundesrepublik Deutschland 1945–1975. Bd. 1: SPD. Bd. 2: CDU/CSU. Bd. 3: FDP, Sonstige, Bibliographie. Berlin 1976.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. Thomas Ellwein: Das Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland. 4. Aufl. Opladen 1977, S. 108f.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Günter Schmölders: Das Selbstbild der Verbände. Berlin 1965; Karl Otto Hondrich: Die Ideologien von Interessenverbänden. Berlin 1963.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. näher Hans Kremendahl: Parteiprogramme in der parlamentarischen Demokratie der Bundesrepublik Deutschland. In: Siegfried Hergt (Hrsg.): Parteiprogramme. 9. Aufl. Leverkusen 1976, S. 9ff.; Lutz-Rainer Reuter: Kommunalpolitik im Parteienvergleich. Essen 1978, S. 37ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1980

Authors and Affiliations

  • Lutz-Rainer Reuter
  • Bernhard Muszynski

There are no affiliations available

Personalised recommendations