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Zusammenfassung

Stimmt man der Auffassung zu, daß eine Vereinigung der beiden, als Folge des kalten Krieges im Jahre 1949 entstandenen deutschen Staaten1 spätestens seit Beginn der fünfziger Jahre2nicht mehr möglich gewesen ist, so scheint die KUD-Gründung im Jahre 1954 sowohl mit Blick auf die internationalen Konstellationen3 als auch im Hinblick auf die bundesdeutsche Außen- und Deutschlandpolitik4 eine wenig sinnvolle Aktion gewesen zu sein: Ein Anachronismus. Anachronistisch war die Gründung eines Kuratoriums mit dem Namen „Unteilbares Deutschland“ jedoch nicht, weil sie im Widerspruch mit den immer wieder formulierten Zielen der bundesdeutschen Politik nicht im Einklang gestanden hätte,5 sondern deswegen, weil die Wege, die die Bonner Politik beschritt, in ganz andere Richtung als auf die Wiedervereinigung hin führten. Oder, mit den Worten Bessons:

„...die offizielle Interpretation dessen, was geschah, stimmte immer weniger mit der politischen Praxis überein. Die Gewinnung der Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit wurde zu einem ins Nebelhafte entschwindenden Fernziel, während in Wahrheit die Selbstbehauptung und weitere Entwicklung der Bundesrepublik alle Kräfte beanspruchte.“6

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. Windsor, Deutschland gegen Deutschland…, a.a.O., S. 27ff.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Besson, a.a.O., S. 451 (S. 421); Erdmenger, Das folgenschwere…, a.a.0., S. 137ff ist der Meinung, daß auf jeden Fall bis 1949, vielleicht auch bis 1953/54 eine Wiedervereinigung, wenigstens unter Berücksichtigung der sowjetischen Politik, möglich gewesen wäre.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. hierzu: Curt Gasteyger, Die beiden deutschen Staaten in der Weltpolitik, München 1976, bes. S. 15ff.Google Scholar
  4. 4.
    Waldemar Besson, Prinzipienfragen der westdeutschen Außenpolitik, in: Gilbest Ziebura (Hrsg.), Grundfragen der deutschen Außenpolitik seit 1871, Darmstadt 1975, S. 417-441, meint:.. der Provisoriumsvorbehalt stand von vorneherein dem Willen zur Konsolidierung der Bundesrepublik entgegen, der sich als die starke Kraft erwies... Der westdeutsche Staat folgte… nur konsequent der ihm innewohnenden Räson, seinem,national interest (S. 422f).Google Scholar
  5. 5.
    So heißt es bei: Adenauer, Erinnerungen 1953-1955…, a.a.O., S. 17: „Wir wünschten und wünschen sehnlichst, mit unseren Landsleuten in der Sowjetzone wiedervereinigt zu werden. Es mußte und muß aber unbedingt die Gewähr dafür gegeben werden, daß das politische Leben eines wiedervereinigten Deutschland zur Entfaltung kommen und nicht von Anfang an durch Einstreuung undemokratischer Elemente korrumpiert werde. Die Politik der Bundesregierung ging und geht mit aller Kraft darauf aus, die Einheit Deutschlands wiederherzustellen.”Google Scholar
  6. 6.
    Besson, Prinzipienfragen…, a.a.O., S. 423.Google Scholar
  7. 7.
    Erdmenger, Das folgenschwere…, a.a.O., S. 163f.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. z.B.: Adenauer, Erinnerungen 1953-1955…, a.a.O., S. 55: „Wir wollten die Integration Europas. Nur durch sie konnte der Frieden auf die Dauer gerettet werden. Auf diesem Wege würden wir auch zur Wiederherstellung der Einheit Deutschlands kommen. Nur durch den festen Einbau der Bundesrepublik in das westliche Bündnissystem konnten wir eine tätige Unterstützung in der Wiedervereinigungspolitik erreichen… Der Frieden würde nicht gerettet werden durch Blindheit und Unentschlossenheit, sondern nur durch eine klare und entschlossene Politik. Wir durften uns in der Verfolgung unserer Politik durch Taktiken der Sowjetunion und der Zone nicht beirren lassen." Vgl. auch: Gasteyger, a.a.O., S. 45ff.Google Scholar
  9. 9.
    Vgl. Erdmenger, a.a.O., S. 164.Google Scholar
  10. 10.
    Selbst das einzige Mal, als eine solche Gruppierung, die NPD, kurzfristig aus dem politischen Abseits heraustrat und in einigen Landtagen vertreten war, war das keinesfalls etwa auf die ungelöste „Deutsche Frage" zurückzuführen, sondern die Wahlerfolge der NPD in den sechziger Jahren hatten ganz andere Gründe (vgl. Lutz Niethammer, Angepaßter Faschismus. Politische Praxis der NPD, Frankfurt/M. 1969 ).Google Scholar
  11. 11.
    Gasteyger, a.a.O., S. 15 spricht von „staats-und völkerrechtlichen Feinheiten".Google Scholar
  12. 12.
    Friedrich Schäfer, Der Bundestag…, a.a.O., S. 97 meint: „So versteht sich die Aufgabe des Ältestenrates: Er soll zur Unterstützung des Präsidenten die oft widerstreitenden Vorschläge der Fraktionen zur Bewältigung der sich dem Bundestag konkret stellenden Aufgaben lenken und koordinieren… Dabei kann er seinerseits nur Vorschläge machen und intern zu einer Einigung kommen. Es wäre seinem Wesen fremd, wenn er Sachentscheidungen präjudizieren wollte."Google Scholar
  13. 13.
    Vor allem Frankreich war an einer Wiedervereinigung nicht interessiert; vgl. z.B. Besson, a.a.O., S. 223ff (S. 208ff) und Ziebura, Die deutsch-französischen Beziehungen…, a.a.O., und vgl. auch: Windsor, a.a.O., S. 114ff.Google Scholar
  14. 14.
    Besson, Prinzipienfragen…, a.a.O., S. 423.Google Scholar

Copyright information

© Leske Verlag + Budrich GmbH, Opladen 1979

Authors and Affiliations

  • Leo Kreuz
    • 1
  1. 1.BonnDeutschland

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