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Zusammenfassung

Als im Sommer 1974 das Kuratorium Unteilbares Deutschland (KUD) den zwanzigsten Jahrestag seiner Gründung feierte, geschah dies, ohne in der breiten Öffentlichkeit Beachtung zu finden. Lediglich der aufmerksame Zeitungsleser konnte an wenig privilegierter Stelle eine Notiz hierzu finden; die Presse, die sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem KUD beschäftigt hatte, konnte sich zu einer Bilanz oder Würdigung nicht aufraffen. Dabei scheinen z.B. die Fragen nach dem innerorganisatorischen Aufbau, der personellen Ausstattung und dem Agieren des KUD im politischen Alltag der Bundesrepublik Deutschland nicht nur von politikwissenschaftlichem Interesse zu sein.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Zum Verhältnis von Innen-und Außenpolitik vgl. z.B.: Ernst-Otto Czempiel (Hrsg.), Die anachronistische Souveränität. Zum Verhältnis von Innen-und Außenpolitik, PVS-Sonderheft 1, 1969; Ekkehart Krippendorff, Ist Außenpolitik Außenpolitik? Ein Beitrag zur Theorie und der Versuch eine inhaltslose Unterscheidung aufzuheben, in: PVS 4, 1963, Heft 3, S. 234–266; Karl Dietrich Bracher, Kritische Betrachtungen über den Primat der Außenpolitik, in: Gerhard A. Ritter/Gilbert Ziebura (Hrsg.), Faktoren der politischen Entscheidung. Festgabe für Ernst Fraenkel zum 65. Geburtstag, Berlin 1963, S. 115–148; Hans-Adolf Jacobsen, Kontinuität und Neubeginn. Vergleichende Betrachtungen zur Außenpolitik des Deutschen Reiches und der Bundesrepublik Deutschland, in: Politik und Kultur, 5/1975, S. 21–38.Google Scholar
  2. Zum besonderen Verhältnis zwischen Bundesrepublik und DDR vgl. z.B.: Johannes Gascard, Zur Frage der besonderen innerdeutschen Beziehungen zwischen BRD und DDR, in: Ostverträge — Berlin-Status — Münchner Abkommen — Beziehungen zwischen der BRD und der DDR. Vorträge und Diskussionen eines Symposiums, veranstaltet vom Institut für Internationales Recht an der Universität Kiel, 27.-29. März 1971, Hamburg 1971,.S. 263–271. Aus der Sicht der DDR vgl.: Jens Hacker, Der Rechtsstatus Deutschlands aus der Sicht der DDR, Köln 1974, bes. S. 263–370.Google Scholar
  3. 2.
    Schon 1954, vor der KUD-Gründung, war man sich über folgendes im klaren: „Jeder deutsche Versuch, die Einheit wiederherzustellen, berührt… sofort die machtpolitische Einfluß-Sphäre großer Mächte. Die deutsche Einheit rein innenpolitisch zu fördern, ist aus diesen Gründen ein sinnloses Verfahren.“ (Manuskript, wahrscheinlich angefertigt von Schütz, aus dem Jahre 1953/54 mit dem Titel: „Bemerkungen zu den Verhandlungen über die Wiedervereinigung Deutschlands”, im Besitz des Verfassers).Google Scholar
  4. 3.
    Bis heute ist noch nicht versucht worden, Begriffe „gesamtdeutsch“, „innerdeutsch”, „Deutsche Frage“, etc. voneinander abzugrenzen. Während man unter „gesamtdeutsch” eher alle territorialen Probleme Nachkriegsdeutschlands subsumieren kann, scheint „innerdeutsch“ auf den Bereich zwischen den beiden deutschen Staaten hinzuweisen.Google Scholar
  5. Neben dem 1969 offiziell gewordenen Begriff „innerdeutsch“ (vgl. hierzu: Gisela Riiß, Anatomie einer politischen Verwaltung. Das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen — Innerdeutsche Beziehungen 1949–1970, München 1973, S. 69f) existiert im institutionellen Bereich nach wie vor der Begriff „gesamtdeutsch” (z.B. „Gesamtdeutsches Institut“).Google Scholar
  6. Selbst ein so prominenter Wissenschaftler wie Waldemar Besson, Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Erfahrungen und Maßstäbe, München 1970 (ungekürzte Neuausgabe als Ullstein-TB 2982, Frankfurt/M. usw. 1973 — auf die Seitenzahl der Taschenbuchausgabe wird in Klammern hingewiesen), verwendet den Begriff „innerdeutsch“ mißverständlich. So meint er mit „innerdeutscher Entspannung” (S. 100/TB-Ausgabe S. 92) und „innerdeutscher Diskussion“ (S. 174/TB-Ausg. S. 162) offensichtlich innerbundesrepublikanische Vorgänge. Hingegen bezieht er sich mit „innerdeutschen Vorgängen” (S. 402/TB-Ausg. S. 377) und „innerdeutschem Dialog“ (S. 369/TB-Ausg. S. 345) auf die Beziehungen der Bundesrepublik zur DDR.Google Scholar
  7. 4.
    So der KUD-Akteur Bernhard Leverenz in einem undatierten Schreiben vom April 1976 an den Verfasser.Google Scholar
  8. 5.
    Besson, a.a.O., S. 17f (S. 17).Google Scholar
  9. 6.
    Besson, a.a.O., S. 456 (S. 426).Google Scholar
  10. 7.
    Rede Kaisers in: O.V., Unteilbares Deutschland. Die Konstituierung der Volksbewegung für die Wiedervereinigung. Reden und Dokumente. Juni/Juli 1954, o.O. (Bonn) o.J. (1954), S. 14ff (im folgenden wird diese Broschüre mit „Reden und Dokumente“ zitiert).Google Scholar
  11. 8.
    Dies meint z.B. Frederick Hartmann, Germany Between East and West. The Reunification Problem, Englewood Cliffs 1965, S. 152f.Google Scholar
  12. 9.
    Klaus Erdmenger, Das folgenschwere Mißverständnis. Bonn und die sowjetische Deutschlandpolitik 1949–1955, Freiburg 1967, definiert „Deutsche Frage“ so (S. 13): „… unter,deutscher Frage wird das als Kriegsfolge der Zerschlagung und Teilung des Deutschen Reiches entstandene Problem der Wiederherstellung der so oder so definierten Einheit Deutschlands verstanden”.Google Scholar
  13. 10.
    Auf die Perzeption in der DDR wird nicht in einem besonderen Kapitel eingegangen, weil dazu die zur Verfügung stehende Materialbasis nicht ausreicht. Einzelne Reaktionen aus der DDR auf das KUD und seine Aktivitäten werden im jeweiligen Zusammenhang angeführt.Google Scholar
  14. 11.
    End, a.a.O., S. 56f tut dies, indem er das KUD mit Vertriebenenverbänden, Gewerkschaften, Kirchen und Wirtschaftsverbänden auf die gleiche Ebene setzt. Alle diese Verbände versuchten, so sein Kriterium für die Gleichsetzung, „in den deutschlandpolitischen Meinungs-und Willensbildungsprozeß durch Stellungnahmen einzugreifen“.Google Scholar
  15. 12.
    Verschiedentlich werden die Worte „Unteilbares Deutschland“ als Begriff für das KUD verwendet (so z.B. von Rudolf Sussmann, Probleme gesamtdeutscher Jugendarbeit, Magisterarbeit Erlangen 1973, oder von Wilhelm Wolfgang Schütz in: Widerstand gegen die Teilung, hrsg. vom Kuratorium Unteilbares Deutschland, Berlin-Bonn 1966, S. 77ff).Google Scholar
  16. Wenn in dieser Arbeit durchgehend der Begriff „Kuratorium Unteilbares Deutschland“ (KUD) verwendet wird, so einmal deswegen, weil man 1954 eben ein Kuratorium gründete. Zum anderen ist der Begriff KUD weitaus geläufiger als andere Bezeichnungen. Hinzu kommt, daß sich mit dem Wort „Kuratorium” die einzelnen Organisationsebenen kennzeichnen lassen (also Bundes-, Landes-, Kreis-und Ortskuratorium).Google Scholar
  17. Mit dem Begriff KUD ist hier allgemein, so es nicht ausdrücklich anders vermerkt wird, das auf Bundesebene organisierte Kuratorium Unteilbares Deutschland gemeint.Google Scholar
  18. 13.
    Dieser Begriff wird z.B. laufend von Heinrich End, Zweimal deutsche Außenpolitik, Internationale Dimension des innerdeutschen Konflikts 1949–1972, Köln 1973 verwendet (z.B. S. 27ff).Google Scholar
  19. 14.
    Vgl. Besson, a.a.O., S. 117 und S. 451 (S. 109 und S. 421).Google Scholar
  20. 15.
    Zum Wandel des Begriffs „Revisionspolitik“ und anderer Begriffe vgl. Hans-Adolf Jacobsen, Anmerkungen zum Problem der Kontinuität deutscher Außenpolitik, in: Hütter/Meyers/ Papenfuß, a.a.O., S. 1–21.Google Scholar
  21. 16.
    Vgl. Wilhelm Wolfgang Schütz, Zehn Jahre deutsche Teilung — Der Weg in die Zukunft, in: ders. (Hrsg.), Bewährung im Widerstand. Gedanken zum deutschen Schicksal, Stuttgart 1956, S. 108–122: „Ein geeintes und freies Deutschland ist eine politische und geschichtliche Notwendigkeit… das Nationalbewußtsein ist eine moralische Wirklichkeit, nicht mehr allein eine politische Notwendigkeit“ (S. 120).Google Scholar
  22. 17.
    Eine Gesamtdarstellung des KUD ist bis heute noch nicht versucht worden. Erich Kosthorst, Jakob Kaiser, Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen 1949–1957, Stuttgart 1972, gibt auf S. 285–299 einen Überblick über die Gründungszeit und — ansatzweise — über die Motive der Gründer. Sussmann (vgl. Anm. 12) beschreibt in seiner Arbeit ausschließlich die Probleme gesamtdeutscher Jugendarbeit im KUD-Landeskuratorium Bayern.Google Scholar
  23. Hinzu kommen einige Selbstdarstellungen, z.T. mit dem Titel „Bericht“ — z.B. Kuratorium Unteilbares Deutschland (Hrsg.), Bericht und Ausblick 1956; dass. (Hrsg.), Bericht und Ausblick 1968 — oder mit dem Titel „Dokumentation” (z.B. Widerstand gegen die Teilung). Außerdem erschienen verschiedene Tagungsberichte — z.B. dass. (Hrsg.), Student und Politik im geteilten Deutschland. Ergebnisse einer Diskussion, 1976 —. Ansonsten wurden vom KUD zwei Periodika herausgegeben: 1. Unteilbares Deutschland, Rundbrief (1956 bis 1964, jährlich etwa 6 bis 10 Ausgaben); 2. Politik, Vierteljahresschrift des KUD (1965–1969).Google Scholar
  24. 18.
    Vgl. hierzu Gerhard Lehmbruch, Einführung in die Politikwissenschaft, 4. Aufl. Stuttgart 1971, S. 68–70. Ob aber das Beispiel des KUD eine „empirische Generalisierung“ (S. 69) erlaubt, muß, ehe nicht Untersuchungen über Organisationen mit gleicher formaler Problematik vorliegen, bezweifelt werden.Google Scholar
  25. 19.
    Otto Heinrich von Gablentz, Politik als Wissenschaft, in: Heinrich Schneider (Hrsg.), Aufgabe und Selbstverständnis der Politischen Wissenschaft, Darmstadt 1967, S. 41–71, hier S. 48f.Google Scholar
  26. 20.
    Zum Begriff „Öffentliche Meinung“ vgl.: End, a.a.O., S. 59ff.Google Scholar
  27. 21.
    Vgl. hierzu: Erdmenger, a.a.O., S. 19f.Google Scholar
  28. 22.
    Thomas Ellwein, Die großen Interessenvebände, in: Richard Löwental/Hans-Peter Schwarz (Hrsg.), Die zweite Republik. 25 Jahre Bundesrepublik Deutschland — eine Bilanz, Stuttgart 1974, S. 470–493, hier S. 490.Google Scholar
  29. 23.
    Besson, a.a.O., S. 17 (S. 17); vgl. hierzu auch: Robert H. Schmidt, Methoden und Techniken der Wissenschaft, insbesondere der Politologie, in: ders. (Hrsg.), Methoden der Politologie, Darmstadt, S. IX-LXI, hier S. XLII (Klammer von mir).Google Scholar
  30. 24.
    Vgl. hierzu und zum folgenden: Ossip K. Flechtheim, Zur Problematik der Politologie, in: Schneider (Hrsg.), Aufgabe und Selbstverständnis der Politischen Wissenschaft, Darmstadt 1967, S. 72–99, hier S. 89.Google Scholar
  31. 25.
    Vgl. Anm. 12 u. 17.Google Scholar
  32. 26.
    Vgl. Anm. 17.Google Scholar
  33. 27.
    So z.B. End, a.a.O., S. 56f.Google Scholar
  34. 28.
    So z.B. von Arnulf Baring, Außenpolitik in Adenauers Kanzlerdemokratie. Bonns Beitrag zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, München/Wien 1969, S. 334 (in Klammern wird hier und im folgenden auf die als dtv-TB 4065/66 mit dem Untertitel „Westdeutsche Innenpolitik im Zeichen der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft“ in München 1973 erschienene Ausgabe verwiesen; in diesem Fall: Bd. II, S. 281). Baring meint, die KUD-Gründung sei ein Beweis dafür gewesen, daß die europäischen Bewegungen zu schrumpfen begonnen hätten.Google Scholar
  35. 29.
    Der Begriff „Institution“ wird hier und im folgenden nicht im soziologischen Sinn verwendet, sondern in seiner originären Bedeutung von „Einrichtung (insbesondere staatlich oder bürgerlich), öffentliches oder privates Unternehmen (z.B. Körperschaft, Stiftung)” (Meyers enzyklopädisches Lexikon, Bd. 12, Mannheim 1974, S. 628). Zur anthropologisch-soziologischen Bedeutung von „Institutionen“ vgl.: Helmut Schelsky (Hrsg.), Zur Theorie der Institutionen, Düsseldorf 1970.Google Scholar
  36. 30.
    Z.B. von Besson, a.a.O., S. 202 (S. 189); Besson meint offensichtlich, das KUD sei mit Unterstützung und auf Initiative des Bundeskanzlers gegründet worden: Er schreibt, daß Mitte der fünfziger Jahre der Spielraum für eine neue, prononcierte Ostpolitik nicht genutzt, weil nicht gewollt, wurde und stellt dann fest: „Dann durfte man aber auch nicht den 17. Juni zum Feiertag machen und das Kuratorium Unteilbares Deutschland gründen.“Google Scholar
  37. 31.
    Zu methodischen Problemen bei zeitgeschichtlichen Studien vgl.: Walter Lipgens, Die darstellenden „Jahrbücher“ der internationalen Politik, in: VfZG 6, 1958, Heft 2 (April), S. 197–218, bes. S. 212ff.Google Scholar
  38. 32.
    Die Interviews spielten sich meist als sogenannte „nicht-strukturierte Interviews“ oder „Tiefeninterviews” ab (vgl. zur Terminologie: Ulrich von Aleman/Erhard Forndran, Methodik der Politikwissenschaft. Eine Einführung in Arbeitstechnik und Forschungspraxis, Stuttgart 1974, S. 159ff; vgl. auch: Lehmbruch, a.a.O., S. 83ff). Zur Relevanz von Befragungen vgl.: Baring, a.a.O., S. 347f (Bd. II S. 295f).Google Scholar
  39. 33.
    Die „Informationsgespräche“ waren in der Regel mit keinem umfangreichen Fragebogen vorbereitet worden, sie ergaben sich oft „zufällig”. Auf sie wird daher nur selten Bezug genommen.Google Scholar
  40. 34.
    Schriftlich wurden diejenigen Personen befragt, die entweder zu einer mündlichen Befragung nicht bereit waren oder die zu erreichen weite Reisen hätten unternommen werden müssen. Den Befragten wurden schriftlich formulierte Fragen zugesandt. Die Antwortschreiben werden im folgenden mit dem Datum zitiert, unter dem der Befragte sie beantwortete.Google Scholar
  41. 35.
    Hier wie auch bei anderen Gelegenheiten zeigten sich auffallend deutliche Parallelen zu den Schwierigkeiten, wie sie auch G. Rüß zu bewältigen hatte (vgl. Rüß, a.a.O., S. IV).Google Scholar
  42. 36.
    So einer der Interviewten wörtlich.Google Scholar
  43. 37.
    Hier kann man Sussmann, a.a.O., S. 9, nur zustimmen.Google Scholar

Copyright information

© Leske Verlag + Budrich GmbH, Opladen 1979

Authors and Affiliations

  • Leo Kreuz
    • 1
  1. 1.BonnDeutschland

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