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Biographische Verarbeitung von Kriegserlebnissen

  • Gabriele Rosenthal

Zusammenfassung

„Krieg, Gefangenschaft und Vertreibung“ — das sind Themenbereiche, die in den letzten Jahren in den bundesrepublikanischen Massenmedien zunehmend diskutiert und vornehmlich autobiographisch behandelt werden. Vor allem nach der vielbesungenen Wende und den damit zusammenhängenden Ereignissen wie der Gedenkfeier zu Ehren der Toten des Zweiten Weltkriegs 1985 auf dem Friedhof in Bitburg scheint es etlichen deutschen Zeitzeugen jetzt opportun, sich in der öffentlichen Diskussion zu Wort zu melden und über ihre Leiden während des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegsjahre zu berichten. Nicht nur Zeitzeugen „veröffentlichen“ ihre Erlebnisse, auch Wissenschaftler versuchen, den Zweiten Weltkrieg in den Massenmedien aus dem thematischen Zusammenhang der Kriegsverbrechen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lösen, d.h. ihn von den belastenden Anteilen zu befreien und damit als Thema wieder salonfähig zu machen1.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. die Artikel zum sog. Historiker-Streit; abgedruckt in: „Historiker-Streit“. München, Zürich: Piper 1987.Google Scholar
  2. 2.
    Zur Diskussion der Kriterien sozialer Krisen vgl. O. Rammstedt (1977).Google Scholar
  3. 3.
    Der Leser mag sich vielleicht an die von Helmut Schelsky (1957) diskutierten Generationen erinnert fühlen. Schelsky konzipiert seine drei Generationen jedoch nur unter dem Aspekt der „Verhaltensgestalt“ während der Jugendphase, die er nach dem Kriterium des Verhältnisses der Jugend zur Gesellschaft definiert, und geht nicht auf die historischen Erfahrungen in anderen Lebensphasen ein. Doch selbst die historischen Lebensumstände während der Jugendphase werden m.E. bei ihm nicht ausreichend berücksichtigt: So scheut er sich nicht, die Angehörigen der Hitlerjugend und der politischen Jugendbewegung in den zwanziger Jahren — so auch der proletarischen Jugend — zu einer Generation zu rechnen und deren Unterschiede dabei zu nivillieren. Dies gelingt ihm mit den Kriterien der Partizipationswünsche der Jugend am öffentlich-gesellschaftlichen Leben und der Orientierung an der Erwachsenenwelt, die auf die „politische Jugend“, im Unterschied zur Generation der Jugendbewegung um die Jahrhundertwende, zutraf.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. die von Lutz Niethammer (1986) diskutierten Lebensläufe von Angehörigen dieser Generation; einer seiner Gesprächspartner meinte von diesen Jahren beim Militär: „Die Jahre weiß man nicht, wo man die heute hinsetzen soll“.Google Scholar
  5. 5.
    Die Autorin hat parallel zur vorliegenden Projektstudie Veteranen des Ersten Weltkrieges in Hessen interviewt. Diese Gespräche dienten als „Vergleichsfolie“ für die Fallauswertung von Herrn Vogel.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1990

Authors and Affiliations

  • Gabriele Rosenthal

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