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Liberia vor dem Zerfall?

  • Robert Kappel
  • Werner Korte
Chapter

Zusammenfassung

Vier Monate vor dem zehnten Jahrestag des Sturzes der letzten ameriko-liberianischen Regierung unter Präsident Tolbert mußte der damalige Putschist Samuel K. Doe die Invasion von Rebellentruppen unter dem Namen National Patriotic Front of Liberia (NPFL) im Nordwesten des Landes zur Kenntnis nehmen. Am 24. Dezember 1989 überschritten unter der Führung von Charles Taylor ca. 200 Männer, von der Côte d’Ivoire kommend, die Grenze, um die im ganzen Land verhaßte Regierung Doe zu stürzen. Was zunächst wie ein erneuter Putschversuch aussah, erwies sich sehr schnell als der Beginn eines grausamen und unerbittlichen Bürgerkrieges, der bis heute nicht beendet ist (s. Länderartikel). Die NPFL erfuhr bei ihrem Marsch auf Liberias Hauptstadt Monrovia nicht nur die logistische und militärische Unterstützung der Regierungen von Burkina Faso und der Côte d’Ivoire sowie des Revolutionsführers Khadhafi aus Libyen, sondern auch Hilfe und Beistand durch die Bevölkerung. Die im Nordwesten des Landes ansässigen Dan und Mano, die jahrelang vom Militärdiktator Doe benachteiligt und unterdrückt worden waren, nahmen die Gelegenheit wahr, die Truppen der liberianischen Armee — sie bestehen vorwiegend aus der ethnischen Gruppe der Krahn, der auch Präsident Doe angehört — mit allen verfügbaren Mitteln zu bekämpfen. Innerhalb einiger Monate gelang es der NPFL, durch die Gebiete der Dan, Mano und Bassa bis zur zweitgrößten Stadt des Landes, Buchanan, an die Küste vorzudringen. Zugleich organisierte ein anderer Teil der NPFL unter Prince Johnson, der sich schon im Februar 1990 von der NPFL abgespalten und eine Independent National Patriotic Front of Liberia (INPFL) gegründet hatte, eine zweite Front, die vom Nordosten des Landes auf Monrovia vorstieß.

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Weiterführende Literatur

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1990

Authors and Affiliations

  • Robert Kappel
  • Werner Korte

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