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Die Stärke der Organisationen im Vergleich

  • Karsten Grabow
Chapter
Part of the Sozialwissenschaft book series (SozWi)

Zusammenfassung

In diesem Kapitel steht der Vergleich quantitativer Merkmale der Parteiorganisationen im Vordergrund. Hierzu zählen neben der augenblicklichen Mitgliederdichte der einzelnen Partien, die Entwicklung der Mitgliedschaft seit 19911, der Anteil der aktiven Mitglieder, die Aktivität der innerparteilichen Vereinigungen und Arbeitsgemeinschaften sowie die Intensität der Zusammenarbeit mit nichtparteilichen Verbänden. Diese Merkmale fasse ich im Laufe der Untersuchung zu einem Index (Grad der organisatorischen Stärke, S0) zusammen, der die Grundlage für den Vergleich der quantitativen Organisationsmuster bildet2. Im Rahmen dieser Untersuchung soll der Blick auf die Ausprägung der quantitativen Merkmale der Parteiorganisationen helfen, die eingangs gestellte Frage zu beantworten, ob die Verbände von SPD und CDU in den neuen Bundesländern ähnliche Organisationsmuster zeigen wie ihre Schwesterverbände im Westen oder ob sich hinsichtlich der Organisationsstärke Unterschiede erkennen lassen, die eventuell die Herausbildung eines anderen Organisationstyps signalisieren.

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Literatur

  1. 1.
    Die Mitgliederentwicklung habe ich seit 1991 betrachtet, weil nach Meinung der Landesgeschäftsführer erst seit dem Aufbau gemeinsamer Mitgliederdateien verläßliche Angaben für die Entwicklung in den neuen Bundesländern vorliegen. Siehe dazu auch Braunthal 1994: Kap. 2.Google Scholar
  2. 2.
    Zur Berechnung von S0 siehe 5.2 und Anhang, Teil C 1.Google Scholar
  3. 3.
    Hierbei ist es wichtig zu beachten, daß die Mitgliederentwicklung der Parteien mitunter ganz unterschiedlichen Bedingungen folgt, siehe Kapitel 2 (für die westdeutschen Parteiverbände) und 3 (für SPD und CDU in Ostdeutschland) sowie Kapitel 7.Google Scholar
  4. 4.
    Mit den für Bundestagswahljahre üblichen Spitzenwerten. 20% der heutigen Mitglieder traten der Partei 1990 bei, weitere 7.2% kamen 1994 hinzu. Die Mitgliederstatistik gibt allerdings nicht darüber Auskunft, inwieweit die Eintritte seit 1990 auf Wohn- oder Arbeitsplatzwechsel, beispielsweise durch sogenannte ‘Transferkader’ aus den alten Ländern, zurückgeführt werden müssen. Die Arbeiten von Thomas Cusack (1996) und Horst Damskis (1997) legen die Vermutung nahe, daß, wie beispielsweise beim Wechsel des ehemaligen Berliner Innensenators Schönbohm nach Brandenburg, Eintritte in ostdeutsche CDU-Landesverbände durch Ortswechsel westdeutscher Mitglieder zustande kamen.Google Scholar
  5. 6.
    Zur genauen Berechnung von S0 siehe Anhang, Teil C 1.Google Scholar
  6. 7.
    Durch die tendenziell „ostfreundliche“ Art der Codierung (s.u.) ist S0 nicht nur Ausdruck der absoluten Organisationsstärke eines Parteiverbands. Angesichts der extremen Differenzen in der Mitgliederausstattung war es gleichsam notwendig, die Organisationsmerkmale in eine statistisch vergleichbare Dimension zu bringen (s. 7.3 und 7.6).Google Scholar
  7. 8.
    Als gesicherte Erkenntnis über die Teilnahmeintensität in den lokalen Parteigliederungen (Ortsgruppen und Kreisverbänden) gilt, daß sie bei Diskussionen unmittelbar lokalpolitischer Belange sowie bei innerparteilichen Wahlen und Nominierungen (z.B. dem Aufstellen der Kandidatenlisten) höher ist als bei Wahlkampfaktivitäten, dagegen bei Diskussion programmatischer sowie bundes-politischer Themen fällt (s. z.B. Suckow 1989).Google Scholar
  8. 9.
    Dies ergab sich hauptsächlich aus praktischen Erwägungen bei der schriftlichen Befragung. Eine Testrunde zu Beginn der Untersuchung ergab, daß der Fragebogenrücklauf mit Vereinfachung der Antwortvorgaben zunahm. Mit anderen Worten: Die Bemühungen, eine möglichst große Fallzahl zu erreichen, gehen mitunter zu Lasten der Qualität der Antworten.Google Scholar
  9. 10.
    Zur Berechnung von AP s. Anhang Teil C 1.Google Scholar
  10. 11.
    t = 1.12, p-value > 0.05Google Scholar
  11. 12.
    t = 3.6, p-value<0.01Google Scholar
  12. 13.
    Die höhere Transparenz, die die Partizipationsfreundlichkeit kleinerer Gruppen unterstreicht, betrifft nicht nur die individuelle Partizipationsleistung, sondern auch den Informationsfluß innerhalb der Gruppe. Teilnehmer an kollektiven Handlungen klagen häufig über Informationsdefizite, sei es aufgrund eigener Beschaffungsprobleme oder bewußter Zurückhaltung von seiten der Führung. Dieses Problem besteht in Kleingruppen viel weniger, da die Zahl möglicher Interaktionen zwischen den Gruppenmitgliedern und damit die Gefahr, daß sich der Informationsfluß abschleift bzw. Informationen zurückgehalten werden, deutlich geringer ist. Die Zahl der möglichen Interaktionen (I) ist eine (Exponential)Funktion der Mitgliederzahl (n) und läßt sich mit I(n) = 2n-n-1 beschreiben. Wenngleich schon bei 6 Gruppenmitgliedern 57 Interaktionen möglich sind und I mit jedem n+1 rasant steigt, veranschaulicht der Verlauf der Interaktionsfunktion, daß mit jedem weiteren Mitglied die Unübersichtlichkeit oder Komplexität einer Gruppe steigt, was zumindest ein Faktor von Passivität ist (s. auch Panebianco 1988: Kap.l), weil die Informationsbeschaffungskosten, oder allgemeiner, die individuellen Partizipationskosten ansteigen.Google Scholar
  13. 14.
    Zur Auswahl der Verbände siehe Anhang, Teil AGoogle Scholar
  14. 15.
    Zur Berechnung von S0/LV siehe Anhang, Teil C.Google Scholar
  15. 16.
    Zumindest für die CDU in den neuen Ländern signalisieren Stärke und Richtung der Beziehung immerhin einen leicht positiven Zusammenhang zwischen wachsender Mitgliederdichte und steigender Aktivität (r = 0.38), d.h. für die mitgliederstärkeren Ost-CDU-Landesverbände drücken sich höhere Mitgliederzahlen in höheren Aktivitätswerten aus. Insgesamt (innerhalb der CDU sowie über alle hier untersuchten Parteiorganisationen) besteht dieser Zusammenhang jedoch nicht, so daß die hier getroffenen Aussagen nicht an Gültigkeit verlieren.Google Scholar
  16. 17.
    Wegen AAP/CDU = 0.02 habe ich nur die Differenz innerhalb der SPD getestet. Hier war t = 0.71. Für eine statistisch signifikante Differenz wäre bei 13 Fällen (Beobachtungen) ein t-Wert von mindestens 2.2 gefordert. Somit liegt die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten der Nullhypothese („keine Differenz in AP zwischen SPD/W und SPD/O“) weit jenseits der akzeptablen 5%-Marke und kann — auf diesem Fehlerniveau — nicht ausgeschlossen werden.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • Karsten Grabow

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