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Einleitung

  • Karsten Grabow
Chapter
Part of the Sozialwissenschaft book series (SozWi)

Zusammenfassung

Unter dem Beifall der Delegierten des Berliner Vereinigungsparteitags der SPD sagte Martin Gutzeit, Mitbegründer der ostdeutschen Sozialdemokratie und Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion der letzten DDR-Volkskammer, in Anlehnung an die legendäre Formulierung des Ehrenvorsitzenden der gerade vereinigten Partei, daß „… nun zusammenwachse, was zusammengehört“(SPD 1990a: 101). Ähnlich optimistisch äußerte sich wenige Tage später der letzte Ministerpräsident der DDR und Vorsitzenden der ostdeutschen CDU, Lothar de Maizère, auf dem Fusionsparteitag beider Schwesterparteien in Hamburg: „[Dem]… Zusammenfinden (z.B. in der Wahlallianz für Deutschland, K.G., s. Kap. 3) folgt nun das Zusammenwachsen“, befand de Maizère nach dem Beitritt der fünf ostdeutschen Landesverbände zur gesamtdeutschen CDU. Angesichts des vorhandenen Apparates und einer vergleichsweise hohen Mitgliederdichte seiner Partei verlieh er der Hoffnung Ausdruck, daß „… die vereinte Volkspartei CDU durch dieses Zusammenwachsen neue Kräfte gewinnt und stärker wird“(CDU 1990: 39–41).

Literatur

  1. 1.
    Ein methodisches Problem besteht jedoch darin, daß es sich bei den westdeutschen Parteiverbänden um „moving targets“handelt, die selbst permanent Veränderungen ausgesetzt sind (s. z.B. Glaeßner 1993). Das heißt, auch auf der Ebene der Parteien fand kein vollkommen unmodifizierter Transfer der politischen Organisationen statt (allgemeiner s. z.B. Lehmbruch 1998). Diesem Problem versuche ich dadurch zu begegnen, indem ich zunächst Idealtypen von Parteiorganisationen vorstelle (Kap. 1) und dann die Frage beantworte, welchen Typen die westdeutschen Parteiorganisationen trotz aller Veränderungen heute entsprechen (Kap. 2). Im Lichte der Fragestellung nach einer möglicherweise konvergenten Organisationsentwicklung soll diese Typendiskussion helfen, die Frage zu beantworten, wohin sich die ostdeutschen Parteien entwickeln könnten.Google Scholar
  2. 2.
    Diese Herangehensweise folgt eher dem von Adam Przeworski und Henry Teune (1970: Kap. 2) beschriebenen ‘most-different-systems-Design’ (MDSD), das sie vom ‘most similar systems-Design’ (MSSD) unterschieden haben. Im MSSD werden äquivalente Fälle (z.B. Mitgliederstärke bürgerlicher Parteien, Dauerhaftigkeit von Regierungskoalitionen) aus Ländern (Systemen) untersucht, die sich durch einen Satz gemeinsamer Merkmale auszeichnen (z.B. hochentwickelte Industrieländer, westliche parlamentarische Demokratien). Werden dann Differenzen zwischen den untersuchten Fällen sichtbar, obwohl sie aus „most similar systems “ausgewählt wurden, folgt daraus, (i) daß die Gemeinsamkeiten der zugrunde gelegten Systeme zur Erklärung der Differenzen irrelevant sind und (ii) daß zunächst jeder weitere Unterschied zwischen den Systemen als erklärender Faktor angesehen werden muß. Das MDSD versucht nun, diese irrelevanten Faktoren zu eliminieren. Hierbei werden Fälle aus Systemen untersucht, die sich qualitativ unterscheiden. Treten dann keine Differenzen zwischen den Fällen auf, heißt das, daß die Unterschiede in den Systemen zur Erklärung der Differenzen in den Fällen bedeutungslos sind. Im entgegengesetzten Fall gilt, daß „… the differences between the two sets of systems become relevant and reference must be made to the systemic level“(Przeworski und Teune 1970: 35). In der Forschungspraxis ist es jedoch nicht möglich, exakt dem einen oder anderen Design zu folgen oder sich auf eines zu beschränken. Denn selbst, wenn die Unterschiede zwischen den zugrunde gelegten Systemen helfen, Unterschiede zwischen den untersuchten Fällen zu erklären, bleiben „Restgrößen“(oder unerklärte Varianzen, s. z.B. Scharpf 1997: 24), die mit Hilfe alternativer Strategien bzw. theoretischer Ansätze (z.B. der Akteurskonstellation in Parteien oder ihren angenommenen oder abgefragten Organisationspräferenzen) erklärt werden müssen (s. dazu Kap. 4 und 7).Google Scholar
  3. 3.
    Zur Auswahl der Fälle und zu den Problemen der Erhebung siehe Anhang, Teil A.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • Karsten Grabow

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