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Einleitung: Wissenschaft, Linguistik, Philosophie

  • Peter Finke
Chapter
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Part of the Wissenschaftstheorie, Wissenschaft und Philosophie book series (WWP, volume 15)

Zusammenfassung

Wissenschaft — was ist das eigentlich? Eine Menge von Theorien? Und wie sehen diese aus? Was ist das überhaupt, eine Theorie? Ist Wissenschaft nicht vielmehr eine Tätigkeit? Eine spezielle Form menschlicher Kommunikation? Wenn ja — was sind ihre Spezifika? Ist sie wirklich so verschieden von anderen Formen der Kommunikation, vom normalen Handeln im täglichen Leben, wie das prima facie den Anschein hat? Linguistik ist eine Wissenschaft, die Wissenschaft von der Sprache. Ist sie damit ausreichend definiert? Wie sollten wir sie sonst charakterisieren? Durch die Sätze ihrer Theorien? Bestehen Theorien überhaupt aus Sätzen? Sollten wir die Linguistik nicht eher durch das kennzeichnen, was die Linguisten tun? Ist dies wirklich so verschieden von der Art, wie andere Wissenschaftler handeln oder auch vom alltäglichen Leben und Handeln der Menschen in einer Gesellschaft, in der sie sich verständigen und miteinander auskommen müssen?

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Literaturverzeichnis

  1. 1.
    „Wir sind nicht alle miteinander ratlose Anfänger“ (KAMLAH/LORENZEN 1967: 26).Google Scholar
  2. 2.
    Es wird später (Kap. I c 2 und 5) deutlich werden, daß diese allgemeinen Vorbemerkungen schon mehr mit den beiden Spezialthemen der Empirizität und Begründung einer linguistischen Theorie zu tun hatten, als an dieser Stelle ausgeführt werden kann (cf. S, 110 ff., 127 resp.).Google Scholar
  3. 3.
    Leider gibt es immer wieder Wissenschaftler und philosophische Schulen, die der Versuchung erliegen, die eigene Position dogmatisch als ‘Vernünftig’ oder als den orthodoxen Weg zum vernünftigen Reden zu immunisieren. Sie nützen jene Konnotationen aus.Google Scholar
  4. 4.
    “What primarily distinguishes science from other intellectual enterprises in which the right answer has to be obtained is not method but the matter” (BRIDGMAN 1950: 370)Google Scholar
  5. 5.
    Einige wissenschaftstheoretische Randbedingungen und Konsequenzen dieser Position werden im Kapitel Ic diskutiert.Google Scholar
  6. 6.
    Es scheint auch elementare Bedürfnisse zu geben, zu deren Befriedigung überhaupt nichts gelernt zu werden braucht, z. B. das Schlafbedürfnis.Google Scholar
  7. 7.
    Auch eine phylogenetische Interpretation ist plausibel; cf. für Anhaltspunkte die klassischen Werke von HAECKEL 1866 (Band II) und HUXLEY 1942. Für eine Aktualisierung cf. REMANE 1962. — Das hier interessierende biolinguistische Problem wird näher expliziert und exemplifiziert in MARSHALL 1970, insbes. 207-214 der dt. Ausgabe.Google Scholar
  8. 8.
    Eine umfassende Übersicht über Probleme und Theorien des Begriffs der wissenschaftlichen Erklärung vermittelt STEGMÜLLER 1969: 72ff.Google Scholar
  9. 9.
    Ich schließe mich hierin der Explikation des generellen Charakters von Erklärungen an, die SCHEIBE 1970 gegeben hat. Allerdings restringiere ich meinen Erklärungsbegriff nicht auf Warum-Erklä-rungen in einem engen Sinne, da gewisse linguistische Erklärungen auch Züge solcher Erklärungen tragen, die aus der Philosophiegeschichte als teleologische Erklärungen bekannt sind. — Zur Diskussion der Problematik cf. das Kap. II c 3.Google Scholar
  10. 10.
    Cf. HACKING 1968: 177-185. Dieses Beispiel einer Wie-Frage, genauer: einer Wie-ist-es-zu-er-klären-Frage, zeigt besonders gut, daß Wie-Fragen solchen Typs gleichsam verkleidete Warum-Fragen sind, denn der Ausdruck „Wie ist es zu erklären, daß x der Fall ist?“ bedeutet dasselbe wie der Ausdruck „Warum ist x der Fall?“Google Scholar
  11. 11.
    Ich verstehe das bekannte TOULMINsche Argumentationsschema als Schema zur Beantwortung von Wie-Fragen, nämlich Fragen des Typs: Wie ist eine Argumentation aufgebaut? Oder: Wie sollte eine Argumentation aufgebaut werden? — Zu den Zusammenhängen und Unterschieden zwischen TOULMINs Schema und dem sog. D-N-Modell der Erklärung, wie es von HEMPEL und OPPENHEIM entwickelt worden ist, cf. WUNDERLICH 1970: 69-74 und 99—104, sowie SCHMIDT 1975a: 58-65.Google Scholar
  12. 12.
    Diese Tatsache hat J. KÖNIG 1949 besonders hervorgehoben. — Hieran schließt auch SCHEIBE 1969 an.Google Scholar
  13. 13.
    Dieser Punkt wird ausführlich behandelt in KANNGIESSER 1976; cf. auch FINKE/KANNGIES-SER (im Druck).Google Scholar
  14. 14.
    cf. Kap. IIa (insbes. S. 144 ff.).Google Scholar
  15. 15.
    Es gibt hierzu eine reiche Literatur; viele grundsätzliche Probleme sind schon in der klassischen Debatte zwischen KANT, GENTZ und REHBERG erörtert worden, wobei m.E. die besseren Argumente bei KANT zu finden sind (nicht in allen Punkten). — Die Debatte wurde neu herausgegeben von HENRICH 1967.Google Scholar
  16. 16.
    Umgekehrt können wir auch sloganartig sagen: Wo Erklärung ist, da ist auch Theorie (cf. Kap. Ia2).Google Scholar
  17. 17.
    Diese einseitige Ausrichtung der Analytischen Wissenschaftstheorie(n) läßt es berechtigt erscheinen, sie als unvollständig zu bezeichnen. In Kap. Ic bringe ich Argumente dafür bei, daß diese Unvollständigkeit prinzipieller Natur ist.Google Scholar
  18. 18.
    Zu Argumenten gegen eine prinzipielle Unterscheidung cf. CRESSWELL 1973: 1 ff., sowie 127 ff.; auch KINDT 1974. — Man könnte dies eine „nichtklassische Position“ nennen, im Unterschied zu einer Position, die sich auf im Vergleich weniger elaborierte formale Systeme bezieht, und als „klassische Position“ bezeichnet werden kann.Google Scholar
  19. 19.
    Zu diesem Aspekt cf. Kap. Ic4 (S. 120 ff.).Google Scholar
  20. 20.
    Einen elaborierten Kalkül zur Darstellung von Bedürfnisstrukturen und Motivationsräumen enthält NOWAKOWSKA 1973, cf. daraus insbes. das Kap. “The Language of Motivation”.Google Scholar
  21. 21.
    Eine tiefgehende Analyse des Sinnes einer Unterscheidung von theoretischen und praktischen Warum-Fragen führt J. KÖNIG durch (insbes. 49-88, op. cit.).Google Scholar
  22. 22.
    Die wissenschaftshistorischen Untersuchungen von BRAITHWAITE, HANSON, KUHN, TOUL-MIN u.a. haben zwar gezeigt, daß Wissenschartspsychologie und Wissenschaftssoziologie für die Wissenschaftstheorie nicht irrelevant sind; die Debatte im Anschluß an diese Untersuchungen hat aber auch gezeigt, daß diese Bereiche nicht identisch sind. (Cf. LAKATOS/MUSGRAVE (eds.) 1970, dt. 1974). — Diese Differenzierung hat mancher Kritiker der Analytischen Wissenschaftstheorie, besonders aus dem hermeneutisch-dialektischen Lager, der beispielsweise deren Unvollständigkeit in wichtigen Bereichen zu Recht hätte kritisieren können, bis heute nicht vollzogen.Google Scholar
  23. 23.
    Dies ist — noch deutlicher als im Falle der menschlichen Sprachen — am Modell von Tiersprachen und Tierstaaten zu beobachten. Die von Ameisen, Bienen oder Fischen verwendeten Kommunikationssysteme (‚Tiersprachen‘) sind die einzigen Handlungsschemata, die diesen Individuen die Möglichkeit geben, für ihre Existenz lebenswichtige Sozialstrukturen aufzubauen. — Cf. TEM-BROCK 1975: passim, zu Typen, Strukturen und Funktionen solcher Systeme.Google Scholar
  24. 24.
    In der BRD hat dies in den vergangenen zehn Jahren zu zahlreichen Initiativen und Strukturveränderungen im Hochschul-und Schulbereich geführt. — Einen kritischen Überblick vermittelt HARTMANN 1972. Cf. auch FINKE 1976b, sowie die anderen Beiträge des Sammelbandes.Google Scholar
  25. 25.
    WITTGENSTEIN 1953: II, xi, 222.Google Scholar
  26. 26.
    So bei LABOV, einem der bedeutendsten Soziolinguisten der Gegenwart. — Cf. neben den Schriften LABOVs auch CEDERGREN/SANKOFF 1974: 333-355.Google Scholar
  27. 27.
    Ich sehe keinen Unterschied zwischen Sprachwissenschaft und Linguistik, wie er gelegentlich in mehr oder weniger kunstvoller Form behauptet wird. — Eine illustrative Übersicht über solche Demarkationslinien bieten BARTSCH und VENNEMANN in ihrem Einführungskapitel zu dem von ihnen herausgegebenen Sammelband 1973: 9—20.Google Scholar
  28. 28.
    Das klassische Beispiel ist die Analyse der Mehrdeutigkeiten des griechischen εἶυαι durch ARISTOTELES in seiner Kategorienschrift.Google Scholar
  29. 29.
    Den Vorsokratikern war die Beziehung von Sprache und Wirklichkeit, und damit die Rolle der Sprache, offenbar noch nicht als Problem bewußt; man denke etwa an die Verwendung des Ausdrucksλόγoς bei HERAKLIT, „worunter er in so rätselhafter Weise anscheinend gleichzeitig das von ihm verkündete Wort versteht, dann die Wahrheit, die es enthält, sowie schließlich die äußere Realität, die er beschreiben will und der er den Namen des Feuers gab“ (GUTHRIE 1963: 13).Google Scholar
  30. 30.
    Die Geschichte der Sprachphilosophie beginnt mit PLATONs Κρατυλος, wo Sokrates den Kratylos darauf hinführt, daß die Verhältnisse nicht so unproblematisch sind, wie dieser zunächst angenommen hatte („Mir erscheint dies ganz einfach: Wer die Namen kennt, kennt auch die Dinge“, ʿόςʾ ὰν τά ονόματα ὲπίστηται, έπίστασϑαι καὶ τὰ πράγματα KRAT. 435d5 ed. BURNET).Google Scholar
  31. 31.
    Cf. PATZIG 1966: 9f.Google Scholar
  32. 32.
    Eine der inzwischen schon klassisch zu nennenden Aufsatzsammlung trägt den Titel: „The Linguistic Turn“ (RORTY (ed.) 1967).Google Scholar
  33. 33.
    Einen knappen Überblick über die Geschichte der sprachanalytischen Philosophie gebe ich in FINKE 1974a.Google Scholar
  34. 34.
    Zwei Beispiele: seine zunächst auf mathematische Strukturen gezielte Analyse von Funktionen hat er über eine Theorie des Begriffs auch für die Anwendung auf natürliche Sprachen nutzbar gemacht (cf. Funktion und Begriff 1891); seine logischen Theorien hat er durch sehr genaue und detaillierte Analysen im Bereich der natürlichen Sprache ergänzt (cf. Logische Untersuchungen, 1918-1923). Wiederabdrucke in FREGE 1962 und 1966.Google Scholar
  35. 35.
    Cf. MONTAGUE 1970. — Der bezeichnende Titel einer anderen Arbeit MONTAGUEs lautet: English as a Formal Language (MONTAGUE 1967).Google Scholar
  36. 36.
    PATZIG im Vorwort zu einem von ihm herausgegebenen Band mit Aufsätzen von FREGE (1962: 14).Google Scholar
  37. 37.
    Der Ausdruck „Gebrauchsdefinition“, den ich von PATZIG übernehme, soll den Charakter dieser Definition als Vorschlag und ihre bewußte Eingrenzung auf eine philosophische Rahmenkonzeption unterstreichen.Google Scholar
  38. 38.
    Ich spreche im Folgenden von Voraussetzungen anstatt von Bedingungen der Möglichkeit, um die Implikationen dieses kantischen Ausdrucks zu vermeiden. Im wesentlichen meine ich damit das quaestio facti — quaestio iuris — Problem (cf. Kap. Ic3, S. 114 ff.).Google Scholar
  39. 39.
    Eine extreme Ausprägung findet sich beim späten WITTGENSTEIN, dessen ad-hoc-Konzeption der Philosophie eine umfang-und folgenreiche Debatte ausgelöst hat.Google Scholar
  40. 40.
    Auch hier setze ich natürlich eine bestimmte Rahmenkonzeption von Philosophie voraus, doch meine ich mit den systematischen Zügen vergleichweise schwache Postulate wie Kohärenz, rationale Argumentation, Erklärungsintention, Wahrheitsintention u. a..Google Scholar
  41. 41.
    Dies ist natürlich nur in einer bestimmten Interpretation richtig: wir brauchen im täglichen Leben nicht die Entwicklung expliziter Theorien vorzunehmen, die wir dann anzuwenden hätten. Deshalb ist es nützlich, einen Begriff der impliziten Theorie zu definieren, der auf viele Lösungsstrategien des täglichen Lebens anwendbar ist. — Cf. Kap. Ia2, Anm. 16 (S. 28).Google Scholar
  42. 42.
    D. h. die Ausarbeitung expliziter Theorien aus impliziten Theorien, wie in Fußnote 41 angedeutet.Google Scholar
  43. 43.
    Einige Argumente diskutiere ich nach einer Analyse von Kommunikationsprinzipien im Schluß-kapitel dieses Buches (Teil C, S. 198 ff.).Google Scholar
  44. 44.
    Sekundär kann man auch Rückkoppelungseffekte auf die Philosophie beobachten, denn die solchermaßen von einer Wissenschaft um einige Frage-Antwort-Komplexe reduzierte Philosophie ist in dem ihr einstweilen verbleibenden Randbereich aus der Nähe jener Wissenschaft auch, durch den eingen Kontakt mit deren Problemen und Lösungen, differenzierter und um neue Probleme bereichert worden. Doch sind diese ihrerseits wieder ‚nur ‘Wissenschaft im Embryonalstadium.Google Scholar
  45. 45.
    PATZIG 1964: 38.Google Scholar
  46. 46.
    Hierzu cf. Kap. Ia dieses Buches (S. 20 ff.).Google Scholar
  47. 47.
    Cf. hierzu FINKE 1977.Google Scholar

Copyright information

© Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1979

Authors and Affiliations

  • Peter Finke

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