Advertisement

Der „Positivismusstreit“ als wissenschaftstheoretischer Hintergrund

  • Reinhard Kreckel
Chapter
Part of the Uni-Taschenbücher book series (UT23)

Zusammenfassung

In den meisten vorliegenden Texten zur Einführung in die Soziologie steht ein Kapitel über soziologische Grundbegriffe am Anfang; der Leser soll zunächst mit dem sprachlichen Handwerkszeug vertraut gemacht werden, um dann mit dessen Hilfe über Theorien, Metho den, Ergebnisse und sonstige Probleme der Soziologie informiert werden zu können. Eine solche Vorgehensweise erscheint einleuchtend — freilich nur unter der Voraussetzung, daß soziologische Grundbegriffe als so unproblematisch gelten können, daß sie bedenkenlos als wissenschaftliche „Bausteine“ verwendet werden dürfen. Nun ist aber, wie im vorangegangenen Kapitel bereits angedeutet wurde, die soziologische Begriffsbildung eine schwierige und folgenreiche Aufgabe, in die unweigerlich gesellschaftstheoretische Vorentscheidungen einfließen. Wollte man also von vorneherein einen begrifflichen Rahmen festlegen, ohne diese Vorentscheidungen kenntlich zu machen und ausreichend zu begründen liefe man Gefahr, bei der späteren Anwendung dieser Begriffe in dem einmal vorgegebenen Rahmen gefangen zu bleiben, ohne sich dessen noch bewußt werden zu können.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literaturverzeichnis

  1. 42.
    Dies ist der Titel der 1969 im Luchterhand-Verlag veröffentlichten Dokumentation der klassischen Texte der Kontroverse: T. W. Adorno u. a.. Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie, Neuwied und Berlin 1969.Google Scholar
  2. 47.
    H. Albert, Probleme der Theoriebildung. Entwicklung, Struktur und Anwen dung sozialwissenschaftlicher Theorien. In: Ders. (Hrsg.), Theorie und Realität, Tübingen 1964, S. 14. Vgl. auch K. R. Popper, Objective Knowledge. An Evolutionary Approach, Oxford 1972, S. 309 f.Google Scholar
  3. 53.
    Vgl. K. R. Popper, Logik der Forschung, 4. Aufl., Tübingen 1971, S. 47 ff.Google Scholar
  4. 54.
    Vgl. hierzu etwa. H. Albert, Traktat über kritische Vernunft, Tübingen 1968, Kap. II.Google Scholar
  5. 56.
    Vgl. zu diesem Absatz K. R. Popper, Naturgesetze und theoretische Systeme, in: H. Albert (Hrsg.), Theorie und Realität, a. a. O., S. 93 ff., wo auch das Zyankalibeispiel verwendet wird, sowie K. D. Opp, Methodologie der Sozial wissenschaften. Einführung in Probleme ihrer Theoriebildung, Hamburg 1970, S. 29 ff. und R. Prim/H. Tilman, Grundlagen einer kritisch-rationalen Sozialwissenschaft. Studienbuch zur Wissenschaftstheorie, Heidelberg 1973, S. 70 ff.Google Scholar
  6. 58.
    H. Albert, Traktat über kritische Vernunft, Tübingen 1968, S. 47.Google Scholar
  7. 62.
    Vgl. zu diesem Begriff H. L. Zetterberg, On Theory and Verification in Sociology, 3. Aufl., Totowa 1965, S. 43 ff.Google Scholar
  8. 63.
    Vgl. dazu etwa E. K. Scheuch/T. Kutsch, Grundbegriffe der Soziologie 1, Grundlegung und elementare Phänomene, Stuttgart 1972, S. 21 f. und passim.Google Scholar
  9. 64.
    Diese von K. R. Popper (Das Element des Historizismus, Tübingen 1965, S. 5) als antinaturalistisch bezeichnete Auffassung wird mit geringen Variationen von Vertretern unterschiedlicher Schulen geteilt: z. B. Historisten Meinecke, Croce, Rothacker), Hermeneutikern (Dilthey, Gadamer), Phänomenologen und sog. Ethnomethodologen (Schütz, Cicourel, Garfinkeí), Dialektikern (Adorno, Habermas), Vertretern der verstehenden Soziologie (Weber, Winch) etc. -Vgl. dazu auch unten, Kapitel IV, Abschnitt 2 a.Google Scholar
  10. 65.
    Diesen Ausdruck gebraucht T. W. Adorno, Vorlesung zur Einleitung in die Erkenntnistheorie, Frankfurt/M. o. J. (1971), S. 59.Google Scholar
  11. 66.
    J. Habermas, Zur Logik der Sozialwissenschaften, Tübingen 1967, S. 105 u. 172.Google Scholar
  12. 67.
    Vgl. zum folgenden: K. R. Popper, Das Elend des Historizismus, a. a. O., Kapitel III; H. Albert, Probleme der Theoriebildung, a. a. O., passim; Ders., Hermeneutik und Realwissenschaft. Die Sinnproblematik und die Frage der theoretischen Erkenntnis, in: Ders., Plädoyer für kritischen Rationalis mus, München 1971, S. 106–150.Google Scholar
  13. 68.
    H. Albert: Traktat über kritische Vernunft, Tübingen 1968, S. 154, Albert spricht in diesem Zusammenhang von einer Theorie menschlicher Deutungsaktivitäten, die es zu entwickeln gelte, um Verstehen nomologisch erklären zu können.Google Scholar
  14. 70.
    Vgl. zum folgenden: H. Albert, Wertfreiheit als methodisches Prinzip. Zur Frage der Notwendigkeit einer normativen Sozialwissenschaft, in: E. Topitsch (Hrsg.), Logik der Sozialwissenschaften, Köln -Berlin 1965, S. 181–210; Ders., Traktat über kritische Vernunft, a. a. O., Kap. III.Google Scholar
  15. 77.
    Dieser Gesichtspunkt wird mit großer Klarheit hervorgehoben von R. Bub ner, Dialektik und Wissenschaft, Frankfurt/M. 1973, S. 156 ff.Google Scholar
  16. 85.
    R. Bubner, Dialektik und Wissenschaft, Frankfurt/M. 1973, S. 129 -Es soll allerdings nicht verschwiegen werden, daß das Zitat ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen ist, da Bubner damit die Idee der Dialektik als einer allgemeinen wissenschaftlichen Methode verbindet, wovon in unserem Zusammenhang nicht die Rede ist.Google Scholar
  17. 88.
    Vgl. dazu etwa: M. Horkheimer, Traditionelle und kritische Theorie (1937),Google Scholar
  18. Traditionelle und kritische Theorie. Vier Aufsätze, Frankfurt und Hamburg 1970, S. 17,Google Scholar
  19. J. Habermas, Theorie und Praxis. Sozialphiloso phische Studien, 4. Aufl., Frankfurt 1971, S. 10.Google Scholar
  20. 90.
    Vgl. dazu R. Bubner, Was ist kritische Theorie? , in: K. O. Apel, Hermeneutik und Ideologiekritik, Frankfurt 1971, S. 179 f.,Google Scholar
  21. A. Wellmer, Kritische Gesellschaftstheorie und Positivismus, Frankfurt 1969, S. 145,Google Scholar
  22. 92.
    So schreibt J. Habermas: ,,. . . radikale Erkenntniskritik ist nur als Gesellschaftskritik möglich . . . (Erkenntnis und Interesse, Frankfurt 1968, S. 9).Google Scholar
  23. 93.
    Vgl. zum folgenden A. Wellmer, Kritische Gesellschaftstheorie und Positivismus, a. a. O., S. 10 ff., 53 ff. und 135 ff., sowie M. Jay, The Dialektical Imagination. A History of the Frankfurt School of Social Research, 1923–1950, London 1973.Google Scholar
  24. 95.
    M. Horkheimer/T. W. Adorno, Dialektik der Aufklärung. Sozialphilosophi sche Fragmente, 2. Aufl. Amsterdam 1947.Google Scholar
  25. 96.
    Vgl. dazu: Ebd., S. 138 sowie M. Horkheimer, Vorwort zur Neupublikation (1968), in: Ders., Traditionelle und kritische Theorie, A.A. O., S. 7 ff.,Google Scholar
  26. T.W. Adorno, Einleitungsvortrag zum 16. deutschen Soziologentag, in: Ders. (Hrsg.) Spätkapitalismus oder Industriegesellschaft, Stuttgart 1968, S. 20 ff.,Google Scholar
  27. und J. Habermas, Technik und Wissenschaft als Ideologie, Frankfurt 1968, S. 75.Google Scholar
  28. 103.
    H. Marcuse, Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fort geschrittenen Industriegesellschaft, Neuwied und Berlin 1967, und /. Habermas, Technik und Wissenschaft als Ideologie, a. a. O.Google Scholar
  29. 111.
    O. Rammstedt, Ideologie, in: W. Fuchs u. a. (Hrsg.), Lexikon zur Soziologie, Opladen 1973, S. 288.Google Scholar
  30. 113.
    Vgl. dazu etwa E. Hahn, Ideologie, in: W. Eichhorn u. a. (Hrsg.), Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Soziologie, Berlin 1969rS. 202–208.Google Scholar
  31. 114.
    Vgl. K. Mannheim, Ideologie und Utopie, 3. Aufl., Frankfurt 1952.Google Scholar
  32. Es muß betont werden, daß es sich hier nur um eine sehr summarische Darstellung der Mannheimschen Ideologielehre handelt, die de facto weit aus vielschichtiger ist. Insbesondere umfaßt sie auch verschiedene Aspekte sowohl des szientistischen wie auch des kritischen Ideologiebegriffes. (Vgl. dazu R. Kreckel, Soziologische Erkenntnis und Geschichte, Opladen 1972, S. 106 ff. und passim).CrossRefGoogle Scholar
  33. 116.
    Vgl. H. Albert, Traktat über kritische Vernunft, a. a. O., S. 80 ff., sowie E. Topitsch, Sozialphilosophie zwischen Ideologie und Wissenschaft, Neuwied 1961.Google Scholar
  34. 117.
    Vgl. etwa A. W. Gouldner, The Coming Crisis of Western Sociology, London 1971, S. 47 ff.,Google Scholar
  35. oder J. Rex, Sociology and the Demystification of the Modern World, London 1974, Kapitel 9.Google Scholar
  36. 118.
    E. Shils, Ideologie, in: W. Bernsdorf (Hrsg.), Wörterbuch der Soziologie, 2. Aufl., Stuttgart 1969, S. 441.Google Scholar
  37. 132.
    Vgl. dazu: Ebd., Kapitel 8, sowie H. Albert, Hermeneutik und Realwissen schaft, in: Ders., Plädoyer für kritischen Rationalismus, München 1971, S. 106–150.Google Scholar
  38. 151.
    H. Albert, Literaturbesprechung, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 20. Jg./1968, S. 344.Google Scholar
  39. 156.
    W. G. Runciman, Sozialwissenschaft und politische Theorie, Frankfurt 1967, S. 21.Google Scholar
  40. 160.
    H. Baier, Soziale Technologie oder soziale Emanzipation Zum Streit zwischen Positivisten und Dialektikern über die Aufgaben der Soziologie, in: B. Schäfers U.A., Thesen zur Kritik der Soziologie, Frankfurt 1969, S. 21.Google Scholar
  41. 163.
    Wir folgen hier den Darlegungen von H. L. Zetterberg, On Theory and Verification in Sociology, 3. Auflage, Totowa 1965, S. 43 ff., die sich auf eine ältere Arbeit des Wissenschaftstheoretikers Carl G. Hempel stützen.Google Scholar

Copyright information

© Leske Verlag + Budrich GmbH, Opladen 1975

Authors and Affiliations

  • Reinhard Kreckel

There are no affiliations available

Personalised recommendations