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Pluralismus pp 143-162 | Cite as

Sozialistischer Pluralismus

  • Franz Nuscheler
Chapter
Part of the Uni-Taschenbücher book series (UT23, volume 925)

Zusammenfassung

Sowohl die in den Wahlkämpfen von 1976 von CDU/CSU gegen die SPD aufgetürmte, auf Vorurteile bauende und auf Assoziation mit dem „realen Sozialismus“ abzielende Formel „Freiheit oder/statt Sozialismus“ wie die auf den Parteitagen und in den Parteiorganen der kommunistischen Staatsparteien gegen den „Eurokommunismus“ vorgetragene Polemik haben die Positionen und Gegenpositionen aktualisiert, die der bisher im wissenschaftlichen und politischen Sprachgebrauch noch ungewohnten Begriffsbildung des „sozialistischen Pluralismus“ zugrunde liegen. Zuletzt hat die innerkommunistische Debatte über das Buch des spanischen KP-Chefs Santiago Carillo („Eurokommunismus und der Staat“) die ideologische und politische Sprengkraft des eurokommunistischen Bekenntnisses zum „Pluralismus im Sozialismus“ offengelegt. Was hierzulande noch vielfach als der raffinierteste Trick des kommunistischen Wolfes im pluralistischen Schafspelz gilt, nämlich die Ablösung des leninistischen Schlüsselbegriffs der „Diktatur des Proletariats“ durch das Pluralismus-Postulat, ist innerhalb der kommunistischen Weltbewegung zu einer schismatischen Gretchenfrage geworden.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Dieser Beitrag greift auf die Einleitung von Udo Bermbach/Franz Nuscheier (Hrsg.): Sozialistischer Pluralismus. Texte zur Theorie und Praxis sozialistischer Gesellschaften, Hamburg 1973 zurück; für die hier vorgetragene Position ist jedoch allein der Autor verantwortlich. Der bereits 1977 für die Zsch „Politische Bildung“ geschriebene Beitrag wurde hier nur an einigen Stellen geändert und aktualisiert; neuere Entwicklungen in der Pluralismus-und Sozialismustheorie konnten allenfalls angedeutet werden.Google Scholar
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    Vgl. einerseits Ernst Fraenkel: Der Pluralismus als Strukturelement der freiheitlich-rechtsstaatlichen Demokratie, abgedruckt in Franz Nuscheier/ Winfried Steffani (Hrsg.): Pluralismus. Konzeptionen und Kontroversen, 3. Aufl. München 1976 sowie die Interpretation von Winfried Steffani in der Einleitung, S. 30 ff; andererseits ders.: Reformismus und Pluralismus-Materialien zu einer ungeschriebenen politischen Autobiographie, Hamburg 1973.Google Scholar
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© Leske Verlag + Budrich GmbH, Opladen 1980

Authors and Affiliations

  • Franz Nuscheler

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