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Pluralismus pp 127-142 | Cite as

Die dreifache Herausforderung des Pluralismus durch den Marxismus

  • Alexander Schwan
Chapter
Part of the Uni-Taschenbücher book series (UT23, volume 925)

Zusammenfassung

Bei der Auseinandersetzung über die Anstellung von Extremisten im öffentlichen Dienst, vor allem bei den anhaltenden Kontroversen an manchen deutschen Hochschulen, aber auch bei dem Streit um die Rahmenrichtlinien einiger Kultusminister für die Schulen, bei dem Ringen in der SPD um die Position ihres linken Flügels und bei vielen anderen heutigen politischen Fehden geht es theoretisch und praktisch um das Verhältnis von Pluralismus und Marxismus. Mit solchen Auseinandersetzungen verbindet sich die Frage, ob marxistische Auffassungen und kommunistische Bestrebungen in der pluralistischen Gesellschaft ihren Platz haben und Einfluß gewinnen können oder sollen. Zu welchem Zweck, in welchem Rahmen, in welchem Ausmaß, mit welchem Inhalt kann sich die pluralistische Gesellschaft Marxisten und marxistische Strömungen leisten, ohne sich gefährdet zu sehen? Oder muß sie von ihrem liberalen Selbstverständnis her jede Gefährdung in Kauf nehmen, was immer dann geschehen mag?

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Anmerkungen

  1. 1.
    Eingehendere Erörterungen des Verfassers zur Pluralismustheorie in: Schwan, Alexander,Wahrheit-Pluralität-Freiheit. Studien zur philosophischen und theologischen Grundlegung freiheitlicher Politik, Hamburg 1976. Als das nach wie vor maßgebliche Werk für die Ausarbeitung der modernen deutschen Pluralismustheorie sei dasjenige Ernst Fraenkels genannt, vor allem: Deutschland und die westlichen Demokratien, Stuttgart 1964; Reformismus und Pluralismus. Materialien zu einer ungeschriebenen politischen Autobiographie, Hamburg 1973. Als umfassende historische und systematische Darstellung ist jetzt erschienen: Kremendahl, Hans, Pluralismustheorie in Deutschland — Entstehung, Kritik, Perspektiven, Leverkusen 1977.Google Scholar
  2. 2.
    Ausführlicher statt dessen: Schwan, Alexander, die Herausforderung des Pluralismus durch den Marxismus. Aktuelle und grundsätzliche Aspekte, in: Doeker, Günther/Winfried Steffani (Hrsg.), Klassenjustiz und Pluralismus, Festschrift für Ernst Fraenkel zum 75. Geburtstag am 26. Dezember 1973, Hamburg 1973, S. 443-481 ; Schwan, Alexander/Gesine Schwan, Sozialdemokratie und Marxismus. Zum Spannungsverhältnis von Godesberger Programm und marxistischer Theorie, Hamburg 1974.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. dazu besonders die„Dokumente der Paulus-Gesellschaft“, München, und die Zeitschrift „Neues Forum“, Wien, vor allem in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre, heute noch die „Internationale Dialog-Zeitschrift“, Wien-Freiburg-Basel. Außerdem bes. Kellner, Erich, Christentum und Marxismus heute, Wien-Frankfurt-Zürich 1966 (Gespräche der Paulus-Gesellschaft); Stöhr, Martin, Disputation zwischen Christen und Marxisten, München 1966; Garaudy/Metz/Rahner, Der Dialog oder ändert sich das Verhältnis zwischen Katholizismus und Marxismus? Reinbeck 1966; Existenzialismus und Marxismus. Eine Kontroverse zwischen Sartre, Garaudy, Hyppolite, Vigier und Orcel. Mit einem Beitrag von Alfred Schmidt, Frankfurt a.M. 1965. Fragen des Dialogs mit dem Marxismus wurden grundsätzlich und strukturell behandelt in: Schmolz, Franz-Martin, (Hrsg.), Christ zwischen Kirche und Politik. 8. Forschungsgespräch des Internationalen Forschungszentrums für Grundfragen der Wissenschaften Salzburg, Salzburg-München 1969; vgl. jetzt auch sehr eingehend: Spieker, Manfred, Neomarxismus und Christentum. Zur Problematik des Dialogs, München-Paderborn-Wien 1974; außerdem Rolfes, Helmut, Marxismus-Christentum. Grünewald-Materialbuch, Mainz 1974.Google Scholar
  4. 4.
    Als exemplarische Zeugnisse dafür seien genannt: Kolakowski, Leszek, Der Mensch ohne Alternative. Von der Möglichkeit und Unmöglichkeit, Marxist zu sein, München 1961, und Stojanovic, Svetozar, Kritik und Zukunft des Sozialismus, Hamburg 1970. Zur genaueren Darstellung (mit Literaturangaben) verweise ich auf meinen Artikel „Marxismus“ in: Staatslexikon, 6. Aufl., Erg.bd. II, Freiburg 1970, Sp. 637-648. Texte aus Werken und Dokumenten der hier skizzierten Richtung in dem Reader von Bermbach, Udo/ Franz Nuscheier (Hrsg.), Sozialistischer Pluralismus. Texte zur Theorie und Praxis sozialistischer Gesellschaften, Hamburg 1973.Google Scholar
  5. 5.
    Zur Theorie und Politik der KPI vgl. jetzt: Timmermann, Heinz, „Historischer Kompromiß“ oder Volksfront? Die Kommunistische Partei Italiens auf dem Wege zur Regierungsbeteiligung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B 17/76 vom 24. April 1976, S. 13-23, sowie Berlinguer/Gramsci/Longo/Togliatti, Der historische Kompromiß. Hrsg. von Pietro Valenza. Mit Beiträgen von Amendola, Chiaromonte, Gruppi,Ingrao, Lama, Lombardo-Radice, Napolitano, Natta, Trivelli, Berlin 1976Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. Šik, Ota, der dritte Weg. Die marxistisch-leninistische Theorie und die moderne Industriegesellschaft, Hamburg 1972; den., Argumente für den Dritten Weg, Hamburg 1973; Kolakowski, Leszek, Der revolutionäre Geist, Stuttgart-B erlin-Köln-Mainz 1972; den., Die Gegenwärtigkeit des Mythos, München 1973; den., Marxismus — Utopie und Anti-Utopie, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1974; Künzli, Arnold, über Marx hinaus. Beiträge zur Ideologiekritik, Freiburg 1969.Google Scholar
  7. 7.
    Dafür stehen insbesondere Marcuse, Herbert, Der eindimensionale Mensch, Neuwied-Berlin 1964; den., Das Ende der Utopie. Herbert Marcuse diskutiert mit Studenten und Professoren Westberlins an der Freien Universität über die Möglichkeiten und Chancen einer politischen Opposition in den Metropolen im Zusammenhang mit den Befreiungsbewegungen in den Ländern der Dritten Welt, Berlin 1967; Wolff, Robert Paul/Barrington Moore /Herbert Marcuse, Kritik der reinen Toleranz, Frankfurt a.M. 1966; Macpherson, C.B., Drei Formen der Demokratie, Frankfurt a.M. 1967; Agnoli, Johannes /Peter Brückner, Die Transformation der Demokratie, Frankfurt a.M. 1968.Google Scholar
  8. 8.
    Die hierher gehörige Literatur ist inzwischen Legion. Eine repräsentative Auswahl ihrer antikapitalistischen Systemkritik (in der DDR sowie bei Urs Jaeggi, Jörg Huffschmid, Elmar Altvater, Wolfgang Müller, Christel Neusüß und Claus 0ffe) wird kritisch behandelt in: Schwan Alexander, Gesine Schwan, Sozialdemokratie und Marxismus, a.a.O., S. 186-264.Google Scholar
  9. 9.
    Eine systematische Auseinandersetzung mit diesen Positionen ist der Ausgangspunkt des vorgenannten Buches. Vgl. jetzt bes.: Heimann, Horst, Theoriediskussion in der SPD. Ergebnisse und Perspektiven, Frankfurt a. M.Köln 1975 sowie Lührs, Georg (Hrsg.), Beiträge zur Theoriediskussion. 2 Bände, Berlin-Bonn-Bad Godesberg 1973 und 1974. Die neueste weitgreifende Kritik der „Neuen Linken“ insgesamt bietet Sontheimer, Kurt, Das Elend unserer Intellektuellen, Hamburg 1976.Google Scholar
  10. 10.
    Pross, Helge, Kapitalismus und Demokratie. Studien über westdeutsche Sozialstrukturen, Frankfurt a.M. 1972, S. 21.Google Scholar
  11. 11.
    Daß diese Tendenz aber auch bereits in den „Dialog“ selbst teilweise einwirkte und sich auf ihn auswirkte, belegt kenntnisreich und überzeugend Spieker, Manfred, Das Problem der Revolution im katholisch-marxistischen Dialog, in: Civitas. Jahrbuch für Sozialwissenschaften, 13. Bd., Mainz 1974, S. 42-63.Google Scholar
  12. 12.
    Wie Lenin schon 1901/1902 für orthodoxe Marxisten verbindlich in „Was tun?“ festgelegt hat. Vgl. einführend-kritisch: Oberndörfer, Dieter/Wolfgang Jäger, Marx-Lenin-Mao. Revolution und neue Gesellschaft, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1974.Google Scholar
  13. 13.
    Vgl. Lenins erkenntnistheoretisch-philosophische Grundlegung dieser Position, in: Materialismus und Empiriokritizismus. Kritische Bemerkungen über eine reaktionäre Philosophie, Berlin (Ost) 1952, aber ähnlich auch den Ahnherrn des Reformkommunismus: Lukacs, Georg, Geschichte und Klassen-bewußtsein. Studien über marxistische Dialektik, Berlin 1923.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. dazu in sehr abgewogener verfassungspolitischer Erwägung: Scholz, Rupert, Pluralismus und grundgesetzlicher Verfassungsstaat, in: Axel von Campenhausen (Hrsg.), Kann der Staat für alles sorgen? Zur Geringschätzung freier Initiativen durch die öffentliche Hand, Düsseldorf 1976, S. 9-27. Umfassend: Grabitz, Eberhard, Freiheit und Verfassungsrecht. Kritische Untersuchungen zur Dogmatik und Theorie der Freiheitsrechte, Tübingen 1976.Google Scholar
  15. 15.
    Die u. E. klarste Explikation dieser Zusammenhänge bei Löwenthal, Richard, Demokratie und Leistung. Zum Streit über Sinn, Ort und Grenzen einer „Demokratisierung“ gesellschaftlicher Bereiche, in: ders., Sozialismus und aktive Demokratie. Essays zu ihren Voraussetzungen in Deutschland, Frankfurt a.M. 1975, S. 63-96.Google Scholar
  16. 16.
    Zu betont und einseitig interpretiert Winfried Steffani den „Neopluralismus“ Ernst Fraenkels (nach dem Zweiten Weltkrieg) aus der Antithese zum kommunistischen System. Vgl. seine Einleitung zum Reader Nuscheier, Franz/ Winfried Steffani, Pluralismus. Konzeptionen und Kontroversen. München 1972, S. 9-46, hier S. 9 ff. Vgl. ähnlich Eisfeld, Rainer, Pluralismus zwischen Liberalismus und Sozialismus, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1972.Google Scholar

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© Leske Verlag + Budrich GmbH, Opladen 1980

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  • Alexander Schwan

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