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Pluralismus pp 13-35 | Cite as

Pluralismus und Antipluralismus

  • Heinrich Oberreuter
Chapter
Part of the Uni-Taschenbücher book series (UT23, volume 925)

Zusammenfassung

Ende März 1933, gerade zwei Monate nach seiner Machtergreifung, verfügte der Nationalsozialismus in Deutschland praktisch unkontrolliert über den gesamten Staatsapparat. Zu dieser unglaublich rasch errungenen Machtposition hatten ihm verholfen
  • die Verordnung zum „Schutz von Volk und Reich“, mit der die in der Weimarer Verfassung ohnehin nur schwach geschützten Grundrechte sowie die Selbständigkeit der Länder ausgehöhlt und außer Kraft gesetzt und

  • das Ermächtigungsgesetz, mit dem Parlamentarismus und Rechtsstaatlichkeit ausgelöscht wurden.

Eine Einführung

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Anmerkungen

  1. 1.
    Bracher, Karl Dietrich, Die deutsche Diktatur. Entstehung — Struktur —Folgendes Nationalsozialismus, Düsseldorf 1969, S. 231.Google Scholar
  2. 2.
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  3. 3.
    Vgl. dazu die eindrucksvolle Dokumentation von George L. Mosse, Der nationalsozialistische Alltag. So lebte man unter Hitler, 2. überarb. Aufl., König-stein 1979.Google Scholar
  4. 4.
    Dazu noch immer gültig: Erich Matthias/Rudolf Marsey (Hrsg.) Das Ende der Parteien, Königstein, 2. Aufl. 1979. Als neue Studie über das Zentrum: Rudolf Morey, Der Untergang des politischen Katholizismus. Die Zentrumspartei zwischen christlichem Selbstverständnis und „Nationaler Erhebung“ 1932/33, Stuttgart und Zürich 1977.Google Scholar
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  6. 6.
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  13. 13.
    Hier soll nicht substantiell in die nach wie vor heftige Totalitarismus-diskussion eingegriffen werden, die jedenfalls auf beiden Seiten zu kurz greift, wenn Erwägungen politischen Nutzens die Argumentation steuern — gegenwärtig besonders zu beobachten bei den Vertretern eines nahezu wütenden Totalitarismus-Verdikts. Manfred Funke, (a.a.O., S. 9) sieht dies, sicher nicht unzutreffend, gesteuert „vom Durchsetzungswillen gewisser politischer Machtansprüche“: Solange wissenschaftliches Erkenntnisinteresse vorwaltet, münden Differenzierung und Kritik gerade nicht in solch ein pau-schales Verdikt ein, wie etwa die einschlägigen Arbeiten von Peter Christian Ludz (nachgedruckt bei B. Seidel/S. Jenkner) und Martin Jänicke zeigen (vgl. Anm. 8). Völlig zu recht weist Bracher unermüdlich daraufhin, daß der fundamentale in Rede stehende Unterschied der zwischen Demokratie und Diktatur, nicht der zwischen Faschismus und Sozialismus sei (vgl. u.a. Bracher, Karl Dietrich, Zeitgeschichtliche Kontroversen — Um Faschismus, Totalitarismus, Demokratie, München 2. Aufl. 1976). Auf die differenzierenden Analysen von Uwe-Dietrich Adam und Peter Graf Kielmansegg (beide in Funke, a.a.O.) und Walter Schlangen (vgl. Anm. 8) sei zusätzlich hingewiesen.Google Scholar
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    Vgl. etwa Talmon, Jacov, Die Ursprünge der totalitären Demokratie, Köln u.a. 1961; Popper, Karl, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, 2 Bde., Bern 1958.Google Scholar
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    Vgl. dazu die grundlegende Studie von Kremendahl, Hans, Pluralismustheorie in Deutschland. Entstehung, Kritik, Perspektiven, Leverkusen 1977.Google Scholar
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© Leske Verlag + Budrich GmbH, Opladen 1980

Authors and Affiliations

  • Heinrich Oberreuter

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