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Mühlengeschichten

  • Christian Bachmann
  • Kazuyuki Kitamura
Chapter

Zusammenfassung

«Mitten im reichgesegneten und schönen Luzernergäu, in der Nähe eines seiner lieblichen, blauen Seen, die aus immer grünen Rahmen wie spiegelklare Mädchenaugen den stolzen Hochalpen mit ihrem ewigen Schnee und Eis entgegenlachen, steht in einem kleinen, romantischen Seitentälchen unter riesenmäßigen Nußbäumen halb verborgen ein verfallener weitläufiger Bau. In dem Bau klapperte vor etwa siebenzig Jahren Tag und Nacht, Sonn- und Feiertage ausgenommen, eine lustige Mühle mit doppeltem Mahlgange in ruheloser Bewegung. Jetzt steht das mit grauen Flecken überdeckte Wasserrad halb in Trümmern still, und der überall rinnenden, uralten hölzernen Wasserleitung stürzt sich der klare, rauschende Mühlbach über dunkles Gestein dem spiegelklaren See entgegen. Grünes Moos überzieht mit seinem Sammetteppich das durchlöcherte Schindeldach. Die hellen Fensterscheiben, die damals, als die muntere Mühle noch klapperte, im frischen Strahl der Morgensonne wie blitzende Demanten ins Feld hinaus glitzerten, haben Sturm und Wetter längst zertrümmert, und die öden Fensteröffnungen, in denen nur noch hie und da verwitterte Rahmentrümmer stehen geblieben, grinzen wie die leeren Augenhöhlen eines Todtenschädels schauerlich den einsamen Wanderer an, der sich etwa zur Seltenheit einmal hieher verirrt. Unheimliche Stille umgibt den Bau. Kein munterer Vogel nistet in seiner Nähe. Kein freundliches Menschengesicht blickt aus seinen öden Fensterhöhlen, kein frommer Christen gruß ‹Gelobt sei Jesus Christ› tönt aus der weit offenen Hausthür dem Fremdling entgegen. Fragt er bei der nächsten menschlichen Wohnung nach dem Namen des verfallenen Baus, so wird ihm die geheimnisvolle Antwort: ‹Das ist die Geistermühle› gegeben.»

Copyright information

© Springer Basel AG 1987

Authors and Affiliations

  • Christian Bachmann
    • 1
  • Kazuyuki Kitamura
  1. 1.FrauenfeldSwitzerland

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