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Zur Geschichte des Mühlenbaus

  • Christian Bachmann
  • Kazuyuki Kitamura
Chapter

Zusammenfassung

Als das römische Reich zusammenbrach, standen sich auf den europäischen Schlachtfeldern zwei Feldherren gegenüber, die sich durch Kühnheit und Ehrgeiz ebenbürtig waren. Belisar diente dem Kaiser Justinian I., der Ostgote Witiges hatte sogar eigene Herrschergelüste, nachdem seine Herrin Amalasuntha in einem luxuriösen Bad erdrosselt worden war. Belisar eroberte im gleichen Jahr, nämlich 535 n.Chr. Sizilien, dann Neapel und Rom. Wo blieb Witiges Widerstand? Als schlauer Stratege wollte Witiges die volksreiche Stadt Rom dem Gegner zur Falle machen. Er umzingelte die Stadt und unterbrach die Wasserführung der kunstvollen Aquädukte. Belisar hatte in Rom zwar große Getreidespeicher, auch Trinkwasser ließ sich innerhalb der Stadtmauern durch alte Brunnen notdürftig organisieren, aber die Wasserleitungen betrieben auch Mühlen — diese standen nun still. Genau das hatte Witiges berechnet! Tier und Mensch konnten die Römer während der Belagerung nur ungenügend zum Betrieb der Mühlen einsetzen. In dieser Not hatte — so erzählt die Geschichte weiter, Belisar eine rettende Idee. Er befestigte unter der Tiberbrücke, zwischen den Pfeilern mit starken Tauen zwei Kähne. Dahinter folgten weitere Kahnpaare und zwischen den Kähnen ließ er Wasserräder montieren. Diese Schiffsmühlen (s. Abb.1) sicherten der belagerten Stadt das tägliche Brot. Nach einem Jahr zogen die Heerscharen der Ostgoten unverrichteter Dinge ab) Mit dieser Geschichte soll nicht nachgewiesen werden, daß Belisar die Schiffsmühle erfand, sondern vielmehr, wie wichtig schon in der Antike das Wasserrad zur Bereitung des Mehles war.

Anmerkungen

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Copyright information

© Springer Basel AG 1987

Authors and Affiliations

  • Christian Bachmann
    • 1
  • Kazuyuki Kitamura
  1. 1.FrauenfeldSwitzerland

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