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über den Begriff der Information in der Mathematik

Tagebuch eines Studenten
  • Alfréd Rényi
Chapter
Part of the WK 34: Wissenschaft und Kultur book series (WK, volume 34)

Zusammenfassung

Vor einigen Jahren, kurz nach den Staatsexamen, fand ich in meiner Post ein dickes Bündel von Manuskripten, dem ein Brief beigelegt war. Der Absender war ein ehemaliger Student von mir, der gerade das Staatsexamen abgelegt hatte. Der Brief hatte folgenden Wortlaut:

„Lieber Herr Professor! Indem ich Ihnen das beigefügte Manuskript zusende, erfülle ich ein Versprechen, das ich Ihnen während eines Gesprächs nach dem Staatsexamen gab. Erlauben Sie, daß ich Ihnen dieses Gespräch kurz ins Gedächtnis zurückrufe. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, da es für mich von großer Bedeutung ist: Ich würde mich aber überhaupt nicht wundern, wenn Sie sich bei Ihrer vielen Arbeit an die Einzelheiten dieses Gesprächs nicht mehr erinnern könnten. Meine Diplomarbeit hatte den Titel ,Der Begriff der Information in der Mathematik’. Sie haben mich nach der erfolgreichen Verteidigung der Arbeit ermuntert, sie zu veröffentlichen, weil, wie Sie sagten, in ungarischer Sprache bisher noch keine Arbeit erschienen ist, welche grundlegende Fragen der Informationstheorie anspruchsvoll und auch für den Laien verständlich behandelt. Sie haben dem hinzugefügt, daß man dann natürlich diese Arbeit stilistisch von Grund auf überarbeiten müßte, weil ihr Stil für den Nicht-Mathematiker zu trocken und abstrakt sei und sie Kenntnisse voraussetzt, die der Laie nicht besitze. Ich habe dann geantwortet, daß ich dies mit dem größten Vergnügen täte, schon deshalb, weil die Arbeit aus einem Tagebuch entstand, das ich während meines Studiums der Informationstheorie geführt und in dem ich alle meine Gedanken zu diesem Gebiet notiert hatte. Dieses Tagebuch wurde dann in die in Diplomarbeiten übliche Sprache übersetzt. Ich sagte damals, daß

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Literatur

  1. * Die des Lateins Kundigen werden merken, daß dieser Name einen Hinweis auf das Tagebuch enthält, das der Student mir gegeben hat.Google Scholar
  2. ** Ich veröffentliche nur den ersten Teil des Tagebuchs, der sich mit den Grundbegriffen der Informationstheorie befaßt. Der zweite Teil beschäftigt sich mit Sätzen der Informationstheorie, die nach der Einführung folgten, aber schon einen größeren mathematischen Apparat verwenden und somit dem Nicht-Mathematiker ohnehin nicht verständlich wären. Dieser zweite Teil ist ganz anders als der erste; die Schrift verliert hier ihren Tagebuchcharakter und wird zu einer regelrechten Vorlesungsnachschrift. Man sieht, daß Donars Interesse hier auf für ihn neue, rein mathematische Probleme gelenkt wurde und ihm keine Zeit mehr blieb, sich um grundlegende Fragen zu kümmern. Das letztere ist aber gerade das, was meiner Meinung nach den ersten Teil des Tagebuchs gleichermaßen für Mathematiker wie Nicht-Mathematiker interessant und lehrreich macht.Google Scholar
  3. * Das Manuskript entstand im Jahre 1969 [Hrsg.].Google Scholar
  4. * [Zur Art dieses Spiels vgl. S. 27f. — Anm. d. Red.]Google Scholar
  5. ** Anstelle einer komplizierten Erklärung: Die Zahlen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 lauten im Dualsystem 1, 10, 11, 100, 101, 110, 111, 1000. Man erhöht also stets die letzte Dualziffer um 1, und falls sich dabei eine Zwei ergeben sollte, „tauscht“ man diese Ziffer gegen eine neue Eins auf der links von ihr liegenden Stelle aus, usw. Von rechts nach links gehend bedeutet also eine Eins an der ersten Stelle 1, an der zweiten Stelle 2, an der dritten Stelle 22 = 4, an der vierten Stelle 23 = 8, usw. Zum Beispiel ist 1110 die Dualdarstellung von 8 + 4 + 2 = 14. [Gy. K.]Google Scholar
  6. * Bonifác Donát denkt natürlich an seinen wirklichen Namen. Er weiß nicht, welches Pseudonym ich ihm gegeben habe. [A. R.]Google Scholar

Copyright information

© Springer Basel AG 1983

Authors and Affiliations

  • Alfréd Rényi

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