Sexuelle Gewalt und Pädagogik

Description

„Sexuelle Gewalt und Pädagogik“ – dieser Zusammenhang wird insbesondere seit dem öffentlichen Bekanntwerden von Fällen sexualisierter Gewalt in Einrichtungen des Erziehungs-, Bildungs- und Sozialwesens im Jahr 2010 und der sich anschließenden medialen Aufmerksamkeit vermehrt diskutiert und analysiert. Die Verbindung verweist auf ein zwar seit längerem bekanntes, jedoch bisher nicht systematisch bearbeitetes Feld innerhalb der erziehungswissenschaftlichen Theoriebildung, das grundlegende Herausforderungen für pädagogische Arrangements impliziert. Diese Herausforderungen betreffen sowohl die organisationalen Bedingungen pädagogischer Institutionen als auch die Gestaltung der gelebten pädagogischen Beziehungen zwischen Professionellen und Adressat_innen, die nicht zuletzt für das Zustandekommen von professionellen Arbeitsbündnissen entscheidend ist und somit eine zentrale Aufgabe jeglicher pädagogischer Professionalität markiert. Die zahlreichen noch unbeantworteten Fragen zu den Entstehungsbedingungen und Dynamiken sexueller Gewalt im Rahmen pädagogischer Kontexte sind nicht nur von den Antinomien pädagogischer Handlungsfelder geprägt, sondern infolge einer umfassenden Tabuisierung des Sexuellen auch schwer zugänglich. Ihre Bearbeitung ist sowohl als Aufarbeitung fehlerhaften und verfehlten professionellen Handelns zu verstehen, als auch als Grundbestandteil einer zukunftsweisenden erziehungswissenschaftlichen Programmatik. Diese muss sich der Aufgabe stellen, konkurrierenden gesellschaftspolitischen Ansprüche und pädagogischen Erwartungshorizonten gerecht zu werden, die in unterschiedlichster Weise den Schutz und das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen definieren und einfordern.