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Wirtschaftsinformatik & Management

, Volume 11, Issue 3, pp 160–161 | Cite as

Mensch-Maschine-Kommunikation – Ein Paradigmenwechsel steht bevor

  • Alexander RabeEmail author
Schwerpunkt Kommentar
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Smart Speaker werden einen Paradigmenwechsel in Sachen Mensch-Maschine-Interaktion einläuten. IT-Sicherheit und Datenschutz werden zu Grundpfeilern für Vertrauen und Akzeptanz allgegenwärtiger IT-Systeme. Digitale Ethik kann Treiber dieser Entwicklung werden.

Künstliche Intelligenz (KI) und Suchanfragen mittels gesprochener Sprache revolutionieren zurzeit die Online-Suchen. Machine Learning führt dazu, dass die Suchen immer besser werden und so Nutzer immer zuverlässiger das Ergebnis erhalten, das für sie die höchste Relevanz hat.

Die smarten Suchassistenten sind das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung von Such-Technologie. In der Anfangszeit des Internets vermittelten noch Spezialisten in Seminaren das notwendige Know-how, um eine Keyword-Suche durchzuführen. Doch bereits 1994 entwickelte Brian Pinkerton an der University of Washington den WebCrawler, der am 20. April des Jahres startete und erstmals eine Volltextsuche auf zunächst 4000 Websites ermöglichte. Seit 1995 die Suchmaschine Altavista und 1997 Google online gingen, ist den Nutzern die Bedienung von Suchmaschinen in Fleisch und Blut übergegangen. Die vergangenen zwei Jahrzehnte waren davon geprägt, dass Nutzer Suchanfragen selbst durchführten. Das wird sich ändern, darüber sind sich Branchenkenner weitgehend einig.

Der Markt der Smart Speaker ist aktuell mit geschätzt rund 50 Mio. Produkten noch überschaubar, aber die Wachstumsraten und Prognosen für dieses Segment sind beeindruckend.

Bereits heute gibt ungefähr ein Viertel der Nutzer in aktuellen Umfragen an, lieber mit Gesprächsassistenten zu kommunizieren als umständlich mit getippten Texteingaben via Apps oder Websites zu interagieren. In den kommenden drei Jahren dürften sich diese Akzeptanzraten rasant erhöhen, denn intuitive Spracheingaben sind easy to use und somit der Schlüssel zum Erfolg.

Mit dieser Entwicklung kommt ein Paradigmenwechsel in Sachen Mensch-Maschine-Interaktion auf uns zu. Smart Speaker werden künftig im Ökosystem Smart Home als Schnittstelle zwischen Nutzern und Internet, bzw. zwischen Nutzern und vernetzten Geräten, höchstwahrscheinlich die meistgenutzte Form der intuitiven und schnellen Internetsuche als Maschinensteuerung darstellen.

Für Audio- und Radioformate ist das beispielsweise eine große Chance, da hier neue Zielgruppen für bestehende Formate angesprochen werden können. Aktuell sind Musikstreaming und Podcasts auch eindeutig die Profiteure dieser Entwicklung.

Dabei steht eine dramatische Veränderung der Suche noch bevor. In den Entwicklungslabors von Google heißen die Arbeitsschwerpunkte Micro-Moments und KI. Dahinter steht die These von Ray Kurzweil, Director of Engineering bei Google, 2029 würden Computer über eine mit dem Menschen vergleichbare Intelligenz verfügen. Erste zarte Einsätze von KI startete Google 2015 mit dem Einsatz von Smart Reply, einem Service, der automatische Vorschläge für Gmail-Antworten erstellte. Heute verfügen Nutzer der Google-Suchmaschine bereits über 1 Mrd. Voice-fähige Endgeräte. Das Marktforschungsunternehmen Comscore prognostiziert, dass im Jahr 2020 jede zweite Suchanfrage per Sprachbefehl erfolgen wird. Dennoch werden Sprachergebnisse möglicherweise schon wieder bald überholt sein. Da alle Assistenten eine Displayvariante erhalten werden, ist damit zu rechnen, dass auch die Suchergebnisse bald als Video ausgegeben werden.

Höchste Datenschutz- und Sicherheitsstandards sind natürlich ebenfalls eine Grundvoraussetzung für die Akzeptanz dieser Systeme. Jeder Anbieter ist sich dessen bewusst und wer dem Verbraucher nachhaltig ein sicheres und vertrauensvolles System anbieten kann, hat im Wettbewerb klar die Nase vorn.

Die Maßgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) regeln den Umgang mit personenbezogenen Daten auf Plattformen in der Europäischen Union bereits gut und müssen Bestand haben in diesem sensiblen Umfeld.

Aber darüber hinaus plädiere ich auch für einen ethischen Umgang mit diesen neuen technologischen Möglichkeiten in einem Dreieck aus Anbietern, Gesetzgeber und auch mündigen Nutzern in einer digital vernetzten Welt.

Grundsätzlich ist es gut, wenn Nutzerinnen und Nutzer sich Gedanken darüber machen, was mit ihren Daten passiert, wenn sie Dienste und Produkte nutzen. Bei sprachgesteuerten Assistenten ist die Frage deshalb relevant, da sie quasi ständig „empfangsbereit“ sein müssen, um auf Sprachkommandos reagieren zu können und auch laufenden Unterhaltungen dabei folgen und diese auf mögliche Sprachbefehle hin analysieren müssen. Der Zugang zu verschiedenen Sprach- und Sprechmustern der entsprechenden Nutzer sowie die Verarbeitung dieser Daten in Rechenzentren ist daher zentraler Teil der erbrachten Dienstleistung. Seriöse Anbieter bemühen sich deshalb auch darum, Transparenz darüber herzustellen, welche Spracheingaben der Nutzer gespeichert hat und welche ggfs. weiterverarbeitet wurden.

Weiterführender Link:

Das eco „Kompendium Digitale Ethik“ versammelt aktuelle Expertenmeinungen und Fachbeiträge zu verschiedenen Fragen im Zusammenhang mit digitaler Ethik, beispielsweise in den Fokusthemen Staat & Rahmenbedingungen, Arbeit, IT-Sicherheit oder Bildung. https://www.eco.de/download/85704/.

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Authors and Affiliations

  1. 1.eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.KölnDeutschland

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