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, Volume 5, Issue 2, pp 69–69 | Cite as

Einkauf 4.0

Kommentar: Bessere Beschaffung nach digitaler Transformation
  • Florian C. Kleemann
Hintergrund & Wissen Beschaffungs-Management
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© William_Potter / Getty Images / iStock

In den Warenkorb kommen nicht nur bei Online-Kunden erhebliche Werte, sondern auch beim Einkauf von Unternehmen.

Kaum ein Phänomen hat die Management-Diskussionen so beherrscht wie die Digitalisierung — oder deren betriebswirtschaftliche Entsprechung, die Industrie 4.0. Was vor wenigen Jahren noch als Hype abgetan wurde, beschäftigt nun tagtäglich Chef-Etagen und Mitarbeiter als Frage: Wie mit der digitalen Revolution umgehen?

Zu viele Unternehmen, insbesondere im Mittelstand, verharren noch in Passivität mit Aussagen wie dieser: „Mal abwarten, man wird schon sehen, was kommt. Den letzten E-Hype haben wir auch überstanden.“ Doch wenn eines sicher ist, dann, dass der Blick in die Vergangenheit keine gute Prognosebasis für die Zukunft ist. Die Veränderungsgeschwindigkeit hat nachweislich zugenommen und wird weiter steigen. Was vor nicht allzu langer Zeit als Vision galt, ist heute technisch und wirtschaftlich sinnvoll möglich, was wir am 3-D-Druck sehen.

Mittlerweile steht wenig überraschend nicht mehr nur die Industrie als Ganzes, sondern auch die wertschöpfenden Funktionen wie Produktion, Logistik oder eben auch der Einkauf im Fokus der digitalen Transformation. Auch hier lässt sich leider noch oft Zurückhaltung erkennen, die notwendigen oder möglichen Veränderungen anzustoßen.

Dabei birgt die Digitalisierung auch Chancen. Zum Beispiel den Einkauf neu zu positionieren. In vielen Unternehmen fristet die Abteilung ein Dasein als Bestellbüro. Oder, nicht viel besser, als „Kostenklopper“. Die zentralen Potenziale des „Einkaufs 4.0“ dagegen liegen auf der strategischen Ebene. Nämlich: neuartige und dabei häufig digitale Ansätze und Innovationen aus den Beschaffungsmärkten als Impuls in das Unternehmen zu geben.

Selbstverständlich bringt die Digitalisierung durchaus Kostenvorteile. Zunächst einmal in einem Bereich, der im Mittelstand vielfach vernachlässigt wird: bei Prozessaufwänden. Hier kann durch Automatisierung oder Autonomisierung operativer Abläufe wie der Bestellabwicklung eine enorme Effizienz von bis zu 30 Prozent erzielt werden. Das bedeutet nicht, Personal entlassen zu müssen. Vielmehr werden zeitliche Freiräume für wertbringende Aktivitäten geschaffen.

Mehr Zeit, Verhandlungen professionell vorzubereiten be-deutet höhere Lieferantenleistung bei niedrigeren Kosten. Ebenso, wenn für wichtige Bezugsquellen mehr Kapazität für die Suche und für das Management zur Verfügung stehen. Auch für das „Scouting“ von digitalen Innovationen ergeben sich mehr Freiräume. Der Mehrwert des Einkaufs liegt dann nicht mehr nur in gesenkten Kosten und schlankeren Prozessen, sondern auch in höheren Umsätzen aufgrund attraktiverer Endprodukte.

Akteure oft zu passiv

Der Einkauf bringt die dafür nötigen Voraussetzungen schon mit. Oft bleiben die Akteure aber zu passiv. Dabei sind Selbstbewusstsein über vorhandene Fähigkeiten, eine aktivere Rolle zur eigenen Positionierung und die solide Planung zur Digitalisierungsstrategie wichtige Meilensteine. Sie können ohne großen Aufwand angegangen werden und so die Transformation mit dem Ziel „Einkauf 4.0“ schneller Realität werden lassen.

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 2018

Authors and Affiliations

  • Florian C. Kleemann
    • 1
  1. 1.Deutschland

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