ATZ - Automobiltechnische Zeitschrift

, Volume 120, Issue 4, pp 3–3 | Cite as

Nachschärfen

  • Alexander Heintzel
Editorial
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Liebe Leserin, lieber Leser,

endlich ist klar, dass eine erneute große Koalition die politischen Geschicke Deutschlands bestimmen wird. Zwischenzeitlich schuf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Diesel-Fahrverboten Fakten, die den Koalitionsvertrag hoffentlich nachschärfen und eine stringentere Entwicklung von Mobilität und Energieerzeugung auf den Weg bringen. Denn der Koalitionsvertrag enthält viele Allgemeinplätze, wenig zur konkreten Ausgestaltung, aber auch Ansätze, die nahelegen, dass zumindest etwas geistiges Manna auf die Verhandler regnete.

Deutschland soll „Weltspitze im Bereich der digitalen Infrastruktur“ durch „flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen bis 2025“ werden. Das fordern Experten seit Jahren, da nur so E-Mobilität und automatisiertes Fahren in Stufe 4 und 5 möglich werden. Die bis 2022 bereitgestellten zehn bis zwölf Millionen Euro werden aber nicht reichen. Auch der flächendeckende Ausbau des 5G-Netzes ist mit einem Investitionsfonds allein nicht machbar. Erneuerbare Energien sollen bis 2030 einen Anteil von 65 % erreichen — vor allem durch Offshore-Windanlagen. Schön, aber gerade bei den wichtigen Punkten Netzertüchtigung und Speicherkapazitäten wird das Papier schwammig: Speichertechnologien sollen durch Sektorkopplung vorangebracht und die Netzkapazität mit „neuen Technologien und einer stärkeren Digitalisierung“ erhöht werden, wozu allerdings erst das Netzausbaubeschleunigungsgesetz geändert werden muss. Konkret: Vor 2020 passiert nichts! Beim Netzausbau wird die deutlich teurere Erdverkabelung favorisiert, die in den bisherigen Budgetberechnungen nicht reflektiert ist.

Gut ist immerhin, dass Deutschland nun zum Standort für LNG-Infrastruktur werden soll. Wichtig ist auch, dass PtL und PtG als „weitere Säule der Energieforschung“ gesehen werden, auch wenn es eigentlich nun darauf ankäme, diese Technologien in den Markt zu bringen. Für die Mobilität soll bis Anfang 2019 eine längst überfällige „Strategie Zukunft der bezahlbaren und nachhaltigen Mobilität“ erarbeitet werden. Diese umfasst neben neuen effizienteren und sauberen Verbrennungsmotoren und E-Mobilität auch die Brennstoffzellentechnik und die Wasserstoffinfrastruktur. Sie ist somit ein wichtiger Schritt. Entscheidend ist, dass neben einem sehr ambitionierten Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur zum ersten Mal E-Fuels als wichtiger Bestandteil der Mobilität verankert sind. Das geht in die richtige, weil ganzheitlich betrachtete Richtung. So bleibt zu hoffen, dass genug Hirn vom Himmel fällt, damit die Probleme nun endlich zukunftsfähige Lösungen erfahren.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre der ATZ.

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Authors and Affiliations

  • Alexander Heintzel
    • 1
  1. 1.WiesbadenDeutschland

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