ATZ - Automobiltechnische Zeitschrift

, Volume 115, Issue 11, pp 849–849 | Cite as

IAA-Highlights

  • Michael Reichenbach
Rubriken / Service
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Liebe Leserin, lieber Leser,

in den letzten Tagen wurde ich häufig gefragt, was denn das Highlight der diesjährigen IAA war. Als Antwort erwartet wurde wohl ein rassiger Sportwagen wie der Opel Monza oder der limitierte Porsche 918 Spyder. Für mich zeigten sich jedoch vielfältige Techniktrends als Höhepunkte der Messe. Zwei hiervon sind das serienreife Elektroauto und das automatisierte Fahren.

Auf der letzten Messe vor zwei Jahren waren es noch ganz klar die Studien zu kleinen Elektroautos und ein- oder zweisitzigen Stadtflitzern, die für Furore sorgten. Kompakte E-Fahrzeuge sollten kurz nach Frankfurt das ewige Zeitalter der Elektromobilität einläuten. Auf die überbordende Euphorie folgte dann schnell Ernüchterung. Der Opel Ampera bekam dies besonders stark durch Kaufzurückhaltung zu spüren. Inzwischen ist eine großserientaugliche Flotte von Elektroautos herangewachsen, die auf der IAA 2013 als BMW i3, VW E-Golf und Smart Electric Drive im Blitzlichtgewitter stand. Dabei gehen die OEMs ganz unterschiedliche Wege: Die Bayern haben ein komplett neues Auto vom Reißbrett weg auf das Thema Batterieantrieb und Leichtbau zugeschnitten, während die Niedersachsen und die Schwaben ein vorhandenes — und somit ausgereiftes — Auto nehmen und ihm „nur“ ein elektrisches Herz einpflanzen. Wie man das Thema E-Mobilität methodisch angeht, zeigen im Titelthema ab Seite 854 zwei interessante Artikel von FEV und ika.

Der zweite wichtige Trend der Messe war das autonome Fahren. Auf der IAA fand man dafür auch andere Begriffe: Der eine nennt es pilotiertes, jener teil- und hochautomatisiertes wieder andere assistiertes Fahren. Aber überall helfen Mono- oder Stereokamera, Radar oder Laserscanner dabei, die Verkehrssituation vor, hinter und neben dem Fahrzeug abzutasten und per umfangreicher Algorithmen den richtigen Fahrweg vorzugeben. Bosch und Continental sind sich einig, bis 2016 teilautomatisiert, bis 2020 hochautomatisiert und ab 2025 dann vollautomatisiert fahren zu können. Dann kann man auch im Auto mit dem Smartphone twittern, simsen und mailen. Das automatisierte Fahren sollte aber nicht nur den Wunsch nach der Anwendung von Konsumelektronik bedienen und damit mehr Frei- oder Arbeitszeit im Auto ermöglichen. Viel wichtiger wird es werden, damit die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Denn weltweit ist laut Vereinten Nationen mit einem Anstieg der Zahl an Unfalltoten von heute 1,3 auf 1,9 Millionen in 2020 zu rechnen. Diesen Anstieg gilt es, so stark wie möglich mit Assistenzsystemen zu dämpfen. Bleibt zu hoffen, dass es diesem wichtigen Thema nicht ähnlich wie dem Elektro-Hype ergeht und wir in zwei Jahren auf der nächsten IAA noch vieles mehr dazu hören.

Herzlichst, Ihr

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2013

Authors and Affiliations

  • Michael Reichenbach
    • 1
  1. 1.WiesbadenDeutschland

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