Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

TNF-Inhibitoren: Spiegelbestimmung als Schlüssel zur individuellen Therapiesteuer

Trotz neuer Wirkstoffe haben TNFα-Inhibitoren (TNF-I) weiter ihren Stellenwert in der Therapie chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED). Gerade für Sondersituationen wie Schwangerschaft und schwere, komplizierte Verläufe gibt es mehr Daten und Langzeiterfahrungen. Für das beste Outcome sollten regelmäßig Wirkstoffspiegel und Krankheitsaktivität überprüft werden.

"Da alle Substanzen, die wir haben, nur bei einer Subgruppe von Patienten effektiv sind", sei es am besten, sich am "Phänotyp" des Patienten zu orientieren, sagte Prof. Dr. Raja Atreya, Erlangen. Der Internist und Immunologe sieht Differenzialindikationen für TNF-I und ihre Biosimilars wie dem Adalimumab-Biosimilar Amgevita® bei extraintestinalen Manifestationen, Fisteln, schweren, akuten Verläufen, Strikturen im Dünndarm, in der postoperativen Erhaltungstherapie und bei Schwangerschaften.

Bis zwei Wochen vor der Geburt

"Hier hat man wirklich den breitesten Fundus an Daten", erklärte Atreya. In einer aktuellen Metaanalyse mit 6.963 schwangeren IBD-Patientinnen unter Biologikatherapie war die bis ins dritte Trimenon fortgesetzte TFN-I-Gabe nicht mit Frühgeburten, niedrigem Geburtsgewicht oder Fehlbildungen assoziiert . Im Vergleich waren Frühaborte und -geburten unter Vedolizumab häufiger. Die US-Leitlinien empfehlen TNF-I inzwischen bis kurz vor der Geburt, die letzte Adalimumab-Injektion kann zwei bis drei Wochen zuvor verabreicht werden .

Dosiserhöhung oder lntervallverkürzung

Prof. Dr. Andreas Sturm, Berlin, machte sich für ein proaktives Therapiemanagement stark. Statt die Therapie erst zu optimieren, "wenn es dem Patienten schon schlecht geht", sollte man symptomunabhängig die Medikamentenspiegel messen. Die Frage: "Kann ich vielleicht durch Erhöhung der Therapie noch mehr rausholen?" Bei subtherapeutischem Talspiegel kann etwa die Adalimumab-Dosis von 40 auf 80 mg alle zwei Wochen erhöht oder das Applikationsintervall auf eine Woche verkürzt werden. Ein Wechsel auf ein anderes Medikament ist bei hochtitrigen Antikörpern gegen den Wirkstoff sinnvoll, oder wenn bei ausreichenden Spiegeln die Krankheit aktiv bleibt. Dann sei der Entzündungsprozess eher nicht TNF-vermittelt. Sind hingegen bei stabiler Remission keine Spiegel mehr nachweisbar, sei ein Absetzversuch möglich. Resümme von Sturm: "Einfach mal probieren!"

Virtuelles Symposium "CED-Therapie weiterdenken" am 4.11.2020 (Amgen GmbH Deutschland).

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Correspondence to Dr. Bianca Bach.

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Bach, B. TNF-Inhibitoren: Spiegelbestimmung als Schlüssel zur individuellen Therapiesteuer. Gastro-News 8, 60 (2021). https://doi.org/10.1007/s15036-021-2297-x

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