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Gastro-News

, Volume 5, Issue 3, pp 14–14 | Cite as

Zwillingstudie schafft mehr Klarheit

Fördert chronische PPI-Exposition Demenz?

  • Gerald Klose
journal club
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Fragestellung: Kommt es unter Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren (PPI) zu Verschlechterung der Kognition?

Patienten und Metodik: In der prospektiven dänischen Bevölkerungsstudie erfolgte eine Auswertung kognitiver Assessments im Rahmen wissenschaftlicher Langzeitbeobachtungen von zwei Zwillingsstudien. In den beiden Kohorten, der Longitudinal Study of Aging Danish Twins (LSADT) und der Middle Age Danish Twin study (MADT), wurde die individuelle kumulative PPI-Einnahme in Form von DDD (defined daily doses) aus Daten eines nationalen Verschreibungsregisters berechnet. Die Ermittlung kognitiver Funktionen basierte auf einem validierten Testverfahren, das zur Errechnung eines Scores (composite cognitive score) führte.

Ergebnisse: Outcome waren die Scores, die in Rahmen der Querschnitts- oder Longitudinalstudien über einen zehn- oder zweijährigen Zeitraum erhoben wurden. Hierbei fanden sich bei 7.800 dänischen Zwillingen mittleren Alters oder Älteren keine Assoziationen mit vorausgegangener PPI-Therapie. Verlaufsdaten von mehr als 4.000 dieser Personen ergaben ebenfalls keine Korrelation kognitiven Nachlassens mit einer PPI-Einnahme.

Diskussion: Die Autoren sehen ihre Studie als erstmals auf Bevölkerungsebene durchgeführt und im Einklang mit neueren Ergebnissen US-amerikanischer Erhebungen an. Zu Stärken würden die 98 %ige Erfassung von PPI-Verordnungen und die durch Zwillingsstudien gegebene Abgrenzung genetischer Effekte gehören. Limitationen könnten sich aus einem Rückgang von Follow-up-Teilnahmen ergeben haben.

Schlussfolgerung: Eine Assoziation von chronischer PPI-Einnahme mit kognitiver Verschlechterung bei Menschen mittleren Alters oder Älteren ist nicht nachweisbar.

Kein Nachweis für kognitive Verschlechterung

PPI hatten in Deutschland 2016 ein Verordnungsvolumen von 3,8 Milliarden DDD [1]. Daten zu einer eventuellen Zunahme demenzieller Entwicklungen durch PPI-Einnahme sind kon-trovers. 2015 wurde die Beobachtung einer Hazard Ratio (HR) von 1,38 für Demenz und sogar 1,44 für Morbus Alzheimer in der deutschen AgeCoDe-Studie publiziert [2]. Weitere Daten von Versicherten der AOK-Deutschland im Alter von ≥ 75 Jahren bestätigten ein erhöhtes Risiko für eine Demenz bei Einnahme von PPI [3]. Die Publikationen von Assoziationen einer PPI-Einnahme mit einem erhöhten Demenzrisiko führten bereits zu einer kritischen Betrachtung hinsichtlich adäquater Indikationsstellung sowie Höhe und Dauer der Behandlung mit dieser Arzneimittelgruppe [4]. Auf der Basis anderer Analysen wurde wiederum geschlossen, dass PPI den kognitiven Verfall sogar verlangsamen würden [5].

Eine Hinterfragung neurokognitiver Risiken durch Arzneimittel ist kein seltenes Thema in der ärztlichen Praxis. Hierzu gehört beispielsweise die zurückliegend auch zu FDA-Warnhinweisen führende Diskussion eines erhöhten Demenzrisikos durch Statine. Den zugrunde liegenden Fallberichten stehen diesbezüglich negative Analysen von 25 Metaanalysen randomisierter klinischer Studien gegenüber. Die Tatsache identischer Raten von Assoziationen unerwünschter kognitiver Effekte von Clopidogrel oder Lorsatan weist auf mögliche den zugehörigen Populationen immanente Risiken hin [6]. Diese könnten auch bei Studien zur Assoziation von Demenz und PPI-Bewertungen beeinflussen.

Eine entscheidende Stärke der vorliegenden Studie liegt in mehrfachen kognitiven Assessments über die Studienzeiten und im detaillierten Ausschluss von Confoundern. Auf der Web-Seite der American Gastroenterological Association ist die Studie bereits unter der Überschrift „How to Talk with Your Patients About PPIs and Cognitive Decline“ berücksichtigt [7]. Schlussfolgerungen sind Betonung einer fehlenden Aussage zur Kausalität und Vorsicht durch Anforderungen an eindeutige Indikationsstellung und angemessene Dosierung. Entsprechend, wenn auch noch ohne Bezug auf die Demenzdiskussion, war eine DGVS-Mitteilung bereits vor einem Jahr.

Prof. Dr. med. Gerald Klose

Literatur

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Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Facharztpraxis für Innere Medizin, Gastroenterologie und KardiologieBremenDeutschland

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