Gastro-News

, Volume 5, Issue 1, pp 48–48 | Cite as

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Anhaltende Remission mit Mukosaheilung ist das Therapieziel

  • Peter Stiefelhagen
infopharm

„Das eigentliche Therapieziel bei Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung ist die dauerhafte Normalisierung der Lebensqualität“, erläuterte Prof. Robert Ehehalt, Gastroenterologe, Heidelberg. Primär gehe es darum, möglichst rasch eine klinische Remission zu induzieren und darüber hinaus aber auch Entzündungsfreiheit im Sinne eines „Mucosal healing“ zu erreichen. Doch die klinische Remission müsse langfristig aufrechterhalten bleiben, denn nur so könnten strukturelle Schädigungen am Darm und somit auch ein operativer Eingriff vermieden werden.

Für zirka 50 % aller Betroffenen bedeutet dies eine Langzeittherapie, wofür heute neben Immunsuppressiva wie Thiopurinen (Methotrexat, Azathioprin) und Anti-TNFα-Antikörper auch Vedolizumab (Entyvio®) zur Verfügung steht. Vedolizumab ist ein Integrin-α4β7-Antagonist, das heißt, die Substanz blockiert spezifisch das zelluläre Adhäsionsmolekül Integrin, das von den in die Darmwand eindringenden Lymphozyten besonders stark exprimiert wird. Somit wirkt die Substanz darmselektiv. Sie ist zugelassen für Patienten mit einer mittelschweren oder schweren Form der Colitis ulcerosa (CU) oder des Morbus Crohn (MC), wenn die konventionelle Therapie einschließlich TNFα-Antagonisten versagt hat oder nicht vertragen wird.

Langzeitwirksamkeit und -sicherheit belegt

„Ein Problem ist, dass bei einer Langzeittherapie sowohl Azathioprin als auch TNFα-Inhibitoren an Wirksamkeit einbüßen“, erklärte Ehehalt. Nach fünf Jahren sind unter einer solchen Therapie nur noch zirka 50 % in Remission. Anders sei die Situation bei Vedolizumab, wie die Ergebnisse entsprechender Langzeitstudien (GEMINI 1-3, GEMINI LTS) zeigen. Nach drei Jahren waren noch 91 % der MC- und 83 % der CU-Patienten in Remission [Colombel JF et al. GUT 2017; 66(5): 839 – 51].

„Für Vedolizumab in der Langzeittherapie spricht aber auch die Sicherheit“, betonte Prof. Jürgen Büning, Universität zu Lübeck. In diesen Studien lag die Nebenwirkungsrate von Vedolizumab im Placebobereich, was auch durch Real-life-Daten bestätigt werde [Bye WA et al. Aliment Pharmacol Ther 2017;46(1):3 – 15]. Bei einer Langzeittherapie mit einem Thiopurin müsse man außerdem nach vier Jahren mit einem deutlichen Anstieg des Risikos für ein Lymphom, nicht melanome Hauttumore oder eine virale Infektion rechnen. Dieses Risiko steige mit der Therapiedauer und dem Alter an. Auch die Langzeittherapie mit einem TNFα-Antagonisten sei, besondere bei älteren Patienten, mit einer erhöhten Mortalität assoziiert, wobei opportunistische Infektionen die größte Rolle spielen.

Literatur

  1. Pressekonferenz „Zulassung Vedolizumab (Entyvio®) seit 2014 — 3 Jahre Vedolizumab (Entyvio®)!“, Viszeralmedizin 2017, 14.9.2017, Dresden Veranstalter: TakedaGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Peter Stiefelhagen
    • 1
  1. 1.

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