Gastro-News

, Volume 5, Issue 1, pp 48–48 | Cite as

Leberzirrhose und hepatische Enzephalopathie

Fokus auf erhöhte Leberwerte schon beim Hausarzt

  • Andreas Häckel
infopharm
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Eine Leberzirrhose entwickelt sich über Jahrzehnte und wird oft erst diagnostiziert, wenn gravierende Komplikationen wie eine hepatische Enzephalopathie (HE) auftreten. Gründe sind fehlende routinemäßige Früherkennung etwa erhöhter Leberwerte sowie mangelhafte Verzahnung zwischen Haus- und Fachärzten.

Die durch Leberfunktionsstörungen und portale Hypertension begünstigte HE mit einem weiten Spektrum neurologischer und psychiatrischer Symptome ist bei frühzeitiger und adäquater Therapie potenziell reversibel, betonte Dr. med. Marc Nguyen-Tat, Universitätsmedizin Mainz. Die subklinisch wegen variablen Verlaufs oft unerkannte HE verschlechtere bei manifesten Episoden die Prognose der Patienten deutlich. Daher sollten unklare Vigilanzminderungen möglichst schon durch den Hausarzt beim Verdacht auf HE klinisch sowie durch psychometrische Tests abgeklärt werden.

Vorteil für die Kombination

Eine hohe Rezidivrate mit zunehmenden kognitiven Störungen nach jedem Schub und deutlicher Beeinträchtigung der Lebensqualität sowie die erhöhte Mortalität nannte der Prof. Ahmed Madisch, KRH-Klinikum Siloah, Hannover, als weitere therapeutische Herausforderungen der HE-Therapie. Nach Ausschluss anderer Ursachen einer Enzephalopathie sieht er, zusätzlich zu eiweißreicher, hyperkalorischer Ernährung, Antibiotika wie Rifaximin, Lactulose sowie Ornithin-Aspartat als sinnvolle empirische Therapieoptionen. Für die Akuttherapie in der Klinik belegt nach Madischs Worten eine placebokontrollierte Studie den Vorteil der Kombination aus Rifaximin plus Lactulose gegenüber Lactulose alleine hinsichtlich der Mortalität, der kompletten Beseitigung der HE sowie der Verweildauer im Krankenhaus. Die für Madisch obligate Rezidivprophylaxe kann die Rückfallraten halbieren sowie Lebensqualität und Mortalität positiv beeinflussen, wie Studien, etwa mit Rifaximin belegen. Im Vergleich zu Placebo reduzierte das Antibiotikum über sechs Monate (2 × 550 mg/Tag) HE-Rezidive absolut um 24 % (NNT von 4) und relativ um 59 %. Eine Metaanalyse von 19 randomisierten kontrollierten Studien (RCT) bescheinigte dieser Therapie zudem eine Mortalitätssenkung von 32 %. In Kombination mit Lactulose treten unter Rifaximin zudem Varizenblutungen, hepatorenale Syndrome und bakterielle Peritonitiden signifikant seltener auf, so Madisch.

Literatur

  1. Live-Webinar „Leberzirrhose — Optimierung der Schnittstelle zwischen Klinik und Hausarzt“, 9.11.2017, Frankfurt am Main Veranstalter: NorgineGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Andreas Häckel
    • 1
  1. 1.

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