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Gastro-News

, Volume 5, Issue 2, pp 53–53 | Cite as

Expertenstatement zum ASCO-GI

Biomarker für die Immuntherapie?

  • Springer Medizin
aktuell
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Mit Prof. Sebastian Stintzing von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III der LMU München haben wir über seine persönlichen Highlights vom Gastrointestinal Cancer Symposium 2018 gesprochen.

Zur Person

Prof. Dr. Sebastian Stintzing

Oberarzt der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Klinikum der LMU München E-Mail: sebastian.stintzing@med.uni-muenchen.de

Was war für Sie persönlich das Highlight vom diesjährigen ASCO-GI?

Prof. Sebastian Stintzing: Für mich persönlich waren die Daten der Studie Checkmate-142 die relevantesten Daten des ASCO-GI 2018. In dieser gleichzeitig mit der Präsentation als Vollpublikation vorliegenden Studie wurden 119 Patienten mit metastasierten kolorektalen Karzinomen (mCRC), deren Tumoren die Eigenschaft MSI-H („high-level microsatellite instability“) beziehungsweise dMMR („deficient mismatch repair system“) aufwiesen, mit Nivolumab plus Ipilimumab sowie 74 Patienten mit Nivolumab als Monotherapie behandelt. Bei diesen meist mehrfach vorbehandelten Patienten zeigte sich ein Tumoransprechen (ORR) von 55 % sowie eine 12-Monats-Rate für das progressionsfreie Überleben (PFS) von 71 % und eine 12-Monats-Rate für das Gesamtüberleben von 85 %. Dies unterstreicht noch einmal eindrucksvoll die Wertigkeit der Immuncheckpointblockade in der Therapie von MSI-H-Patienten beim mCRC.

Die aktuelle deutsche S3-Leitlinie empfiehlt das Testen auf MSI-H vor einer palliativen Erstlinientherapie. Auch wenn aktuell noch nicht zugelassen sollten Patienten mit einem MSI-H-Tumor möglichst frühzeitig mit einem Immuncheckpointinhibitor behandelt werden. Aufgrund der fehlenden Zulassung muss allerdings vor Beginn einer solchen Therapie zunächst die Kostenübernahme durch die jeweilige Krankenkasse vorliegen. Auch erreicht die Doppeltherapie mit Nivolumab (anti-PD-1-Rezeptor-Antikörper) plus Ipilimumab (anti-CTLA-4-Antikörper) höhere Ansprech- und Überlebensraten als die Monotherapie mit Nivolumab. Dies wird jedoch mit einer erhöhten Toxizität erkauft. Inwieweit Nivolumab oder Nivolumab plus Ipilimumab effektiver als Pembrolizumab in der Therapie des MSI-H-mCRC ist, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt offen. Die positiven Daten der Checkmate-142-Studie zeigen uns, dass MSI-H-mCRC-Patienten frühzeitig identifiziert werden müssen und, sobald die Kostenübernahme durch die Krankenkasse vorliegt, mit einem Immuncheckpointinhibitor behandelt werden sollten.

Welche neuen Studiendaten haben Sie positiv überrascht oder enttäuscht?

Stintzing: Enttäuschend waren die Daten zur Erstlinientherapie des metastasierten Magenkarzinoms mit Cisplatin/Capecitabin ° Ramucirumab (RAINFALL-Studie). In dieser Phase-III-Studie zeigte sich zwar ein signifikanter Vorteil für den Kombinationsarm mit Ramucirumab bezüglich des PFS, dies führte allerdings nicht zu einem Vorteil bezüglich des OS. Die Gabe von Ramucirumab in Kombination mit Chemotherapie oder als Monotherapie bleibt also aktuell der Zweitlinientherapie vorbehalten. Ebenso enttäuschte die Phase-Ib/II-Studie SWOG S1313, in der beim metastasierten Pankreaskarzinom die Kombination aus mFOLFIRINOX plus rekombinanter Hyaluronidase gegenüber mFOLFIRINOX geprüft wurde. Die zusätzliche Gabe von Hyaluronidase erbrachte keinen Vorteil bezüglich des OS, vielmehr zeigte sich ein deutlich längeres medianes OS für den Standardarm. Somit wird eine weitere Substanz in der Therapie des metastasierten Pankreaskarzinoms nicht weiterentwickelt werden. Klinisch relevante Fortschritte in der Behandlung des metastasierten Pankreaskarzinoms bleiben also aus.

Wo sehen Sie im Augenblick den größten Bedarf an (weiteren) Forschungsergebnissen?

Stintzing: In den letzten Jahren wurden in der Behandlung des RAS-mutierten mCRC keine wesentlichen Fortschritte erzielt. Es handelt sich aber mit mehr als 50 % der mCRC-Patienten um eine große Patientengruppe, für die wir neue Konzepte entwickeln müssen. Daneben wäre es wünschenswert, beim metastasierten Magenkarzinom die Patienten, die von einer Immuncheckpointblockade profitieren, frühzeitig — also mittels Biomarker — besser zu identifizieren. Insbesondere nach der Bekanntgabe des Nichterreichens der primären Studienendpunkte der beiden Phase-III-Studien Javelin Gastric 300 (Avelumab vs. aktive Chemotherapie nach Maßgabe des Studienarztes in der Drittlinie) und Keynote-061 (Pembrolizumab vs. Paclitaxel in der Zweitlinie) müssen die Patienten beim Magenkarzinom vor eventueller Gabe eines Immuncheckpointinhibitors besser charakterisiert werden.

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© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

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