Pneumo News

, Volume 10, Issue 2, pp 49–49 | Cite as

Neues zur Datenlage

Wie gefährlich ist Feinstaub für die Lunge?

  • Peter Stiefelhagen
aktuell
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Das Thema „Luftschadstoffe und Gesundheit“ wird intensiv und auch kontrovers diskutiert. Mehr zu aktuellen Datenlage erfuhr man auf der Hannover Herz Lungen Messe.

Ungünstige Gesundheitseffekte von Feinstaub sind sowohl bei relativ niedrigen Konzentrationen wie in Europa und den USA als auch bei hohen Werten wie in Asien nachweisbar, wobei es regionale Unterschiede gibt. Weltweit habe man eine erhöhte Gesamtmortalität belegen können, so Prof. Joachim Heinrich, Direktor des Instituts für Umweltmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Auch das Risiko für eine COPD-Exazerbation sei weltweit gesteigert, in Europa aber nicht sehr deutlich. Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen komme es zu einer geringfügigen, aber statistisch signifikanten Einschränkung der Lungenfunktion.

Das Risiko für eine Asthmaexazerbation ist weltweit erhöht, doch es besteht nur ein geringes bzw. fragliches Risiko bzgl. der Asthmainzidenz sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. Kinder tragen aber ein deutlich erhöhtes Risiko für Atemwegsinfektionen bzw. Pneumonien und bei Erwachsenen findet sich ein stark erhöhtes Lungenkrebsrisiko. „Eine erhöhte Feinstaubexposition ist immer mit einer geringen systemischen Inflammation assoziiert, sodass ein Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall diskutiert werden muss“, so Heinrich.

Die Gesundheitsrisiken von Feinstaub treffen große Teile der Bevölkerung.

© Marijan Murat / dpa / picture-alliance

Erhöhtes Risiko für Lungenkrebs

Die nachteiligen gesundheitlichen Wirkungen von Luftschadstoffen sind durch experimentelle bzw. Human-Expositionsstudien und durch epidemiologische Studien ausreichend belegt. Dabei wurden auch im Rahmen des Forschungsprojekts ESCAPE (European Study of Cohorts for Air Pollution Effects) Fragestellungen im Hinblick auf die Entstehung von Atemwegserkrankungen untersucht.

Die Analyse der Längsschnittdaten von über 300.000 Probanden ergab nach einem Follow-up von im Mittel 12,8 Jahren ein um 22 % statistisch signifikant erhöhtes Risiko für Lungenkrebs. Die Mortalität an nicht malignen respiratorischen Ursachen war nicht statistisch signifikant erhöht. Das Risiko für eine COPD war nur bei Frauen und Nierauchern signifikant erhöht. Eine Langzeitexposition war nicht mit Symptomen der chronischen Bronchitis wie Husten und/oder Auswurf assoziiert. Für die Inzidenz von Asthma fand sich aber eine statistisch signifikante Risikozunahme. Auch das Pneumonierisiko war vor allem bei Kindern erhöht, keine substanziellen Effekte wurden im Hinblick auf das Auftreten von Pseudokrupp beobachtet.

„Die Gesundheitsrisiken sind insgesamt gesehen eher klein, aber es sind große Teile der Bevölkerung betroffen“, resümierte Heinrich. Das Attributivrisiko sei hoch und Feinstaub sei deshalb einer der wichtigsten Faktoren für die „Global Burden of Disease“. Dazu komme ein enormer volkswirtschaftlicher Schaden.

Quelle

  1. 6. Hannover Herz Lungen Messe, 23.2.2018Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Peter Stiefelhagen
    • 1
  1. 1.

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