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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 10, pp 15–15 | Cite as

Tumordiagnostik: Blut im Urin — Welche Patienten benötigen weitere Abklärung?

  • Christine Starostzik
Uroonkologie Literatur kompakt
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Jeder 10. Patient mit Hämaturie leidet an einem Karzinom des oberen Harntraktes. So das Ergebnis einer prospektiven Beobachtungsstudie zur Bedeutung einer weiterführenden Mikrohämaturiediagnostik.

Wie nach einem Harnbefund mit Mikro- oder Makrohämaturie weiter verfahren werden soll, darüber gehen die Meinungen in verschiedenen nationalen Leitlinien auseinander, insbesondere was die Altersgrenzen betrifft, ab der Untersuchungen zur Abklärung eines Tumors empfohlen werden (Kasten 1). Im Rahmen der prospektiven Beobachtungsstudie DETECT 1 haben englische Forscher die Häufigkeit von Karzinomen des Harntrakts bei 3.556 Patienten mit Hämaturie untersucht. Bei allen Patienten wurden eine Zystoskopie sowie eine bildgebende Untersuchung des oberen Harntrakts durchgeführt. Bei insgesamt 10 % wurde ein Karzinom des Harntrakts nachgewiesen. Davon betrafen 8 % die Blase, 1 % die Niere, 0,7 % waren Übergangszellkarzinome (TCC) und bei 0,3 % handelte es sich um ein Prostatakarzinom.

Bei Patienten mit Makrohämaturie wurde häufiger eine Krebsdiagnose gestellt als bei Patienten, bei denen eine Mikrohämaturie vorlag (13,8 vs. 3,1 %). Unter den Patienten, die durch Makrohämaturie aufgefallen waren, fanden sich 49,6 % High-Risk-Karzinome und 15,4 % wurden als muskelinvasiver Blasenkarzinome (MIBC) klassifiziert.

3,5 % der Patienten mit Makrohämaturie und Krebsdiagnose waren jünger als 45 Jahre, 1 % der Krebspatienten mit Mikrohämaturie war unter 60. Letzteres entspricht dem Alter, ab dem beispielsweise in der NICE-Leitlinie eine Abklärung bei nicht sichtbarem Blut im Urin empfohlen wird. Alle TCC der oberen Harnwege und 83,8 % der Nierenparenchymkarzinome waren durch Makrohämaturie aufgefallen. Als unabhängige Risikofaktoren erwiesen sich darüber hinaus das Alter, männliches Geschlecht sowie eine Rauchervergangenheit.

Blasenkarzinome, die bei Patienten mit Mikrohämaturie diagnostiziert wurden, waren zu 59,4 % High-Risk-Tumoren, 31,3 % davon muskelinvasiv.

Fazit: Die Ergebnisse, so die Forscher, sprächen dafür, dass eine Makrohämaturie unabhängig vom Alter weiter abgeklärt werden sollte. Eine Altersgrenze wie in der NICE-Leitlinie führe dazu, dass etliche Krebserkrankungen übersehen würden. Obwohl bei Personen mit Mikrohämaturie ein geringes Risiko für ein Karzinom des Harntrakts bestehe, würden auch hier Krebserkrankungen vor dem häufig empfohlenen Alter von 60 Jahren für weitere Untersuchungen entdeckt.

Hätte man dagegen die Altersschwelle der US-Leitlinie der American Urological Association (AUA) von 35 Jahren als Handlungsempfehlung gewählt, wären alle Tumoren diagnostiziert worden. Bei einer Mikrohämaturie empfehlen die Forscher, die Patientenpräferenzen zu beachten, wenn die Frage nach weiteren Tests ansteht. Zudem könnte eine europäische Leitlinie nach Ansicht von Wei Tan und Kollegen die Unsicherheiten zum weiteren Management bei Hämaturie-Patienten deutlich verbessern.

Kasten 1: DEGAM-S1-Empfehlung

Die derzeit aktuelle DEGAM-S1-Handlungsempfehlung zur nicht-sichtbaren Hämaturie lautet: Nicht sichtbare Hämaturien rechtfertigen nur im höheren Alter und/oder bei zusätzlichen Risikofaktoren eine abgestufte, standardisierte Diagnostik (www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-028k_S1_Nicht_sichtbare_Hämaturie_2013-10.pdf).

Literatur

  1. Tan WS et al. Who Should Be Investigated for Haematuria? Results of a Contemporary Prospective Observational Study of 3556 Patients. Eur Urol. 2018;74(1):10–4CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Christine Starostzik
    • 1
  1. 1.

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