Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 5, pp 91–91 | Cite as

Wer ist ... Dirk Reinhardt?

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Menschen,Ideen,Perspektiven
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Wie beginnen Sie Ihren Tag?

Reinhardt: Mit dem üblichen kleinen „Chaos“ einer Familie mit schulpflichtigen Kindern: Mit meiner Frau die Kinder wecken, Frühstück, Pausenbrot, Abfahrt zur Schule, Weiterfahrt in die Klinik.

Was treibt Sie an?

Reinhardt: Mehr Kinder und Jugendliche mit Leukämien oder Krebs heilen zu können — mit besseren, d. h. nebenwirkungsärmeren Therapien. Gleichzeitig müssen für die Kinder und ihre Familien Betreuungs- und Versorgungsstrukturen geschaffen werden, die helfen, die schwere Zeit zu bewältigen. Ich kann nicht begreifen, dass es in einem der reichsten Länder der Erde nicht gelingt, für Kinder und Jugendliche mit schwersten Erkrankungen eine vernünftige Finanzierung der Behandlung und Versorgung zu garantieren. Allen medienwirksamen Äußerungen zum Trotz ist die Kinderheilkunde gerade in den Kliniken hoffnungslos unterfinanziert und berücksichtigt die besonderen Belange der Kinder nur am Rande.

Als Kind wollten Sie … ?

Reinhardt: Alles gleichzeitig sein: Sportler (Turnen), Lehrer (Deutsch, Geschichte, Mathe, Biologie, Sport, keine Sprachen), Wissenschaftler (Biologie, Politikwissenschaften, Sportwissenschaften); Medizin war da der beste gemeinsame Nenner.

Was beeindruckt Sie an anderen Menschen?

Reinhardt: Wenn Intelligenz und Empathie zusammenkommen.

Was fasziniert Sie an Ihrem Fachgebiet?

Reinhardt: Die Kinder. Ihre Offenheit, Ehrlichkeit, Spontanität, der Umgang mit den schwierigsten und belastetsten Situationen. Aber natürlich auch die Breite der Aufgaben und Inhalte. Die Möglichkeit, durch Forschung, Behandlung und Versorgung die Chancen von Kindern und Jugendlichen mit Leukämie/Krebs zu verbessern.

Die Möglichkeit, ein krebskrankes Kind und seine Familie zu begleiten. In 8 von 10 Fällen mit einem glücklichen Ende, der Heilung.

Aber auch bei den Kindern, die wir nicht heilen können, kann man helfen, die verbleibende Zeit so gut wie möglich zu gestalten, manchmal auch dadurch, etwas nicht zu tun. Dies ist für Eltern, Ärzte und Pflegekräfte eine der schwierigsten Entscheidungen.

Was braucht die onkologische Welt am dringlichsten?

Reinhardt: Weitere Forschung, um auf Basis der Ursachenforschung effektivere und nebenwirkungsärmere Therapieoptionen zu entwickeln und diese schneller zu den Patienten zu bringen.

Welches Buch oder Kunstwerk hat Sie in Ihren Bann gezogen?

Reinhardt: Der Prozess (Kafka); Illustrationen von Leonado da Vinci und Albrecht Dürer.

Wie halten Sie Balance in Ihrem Leben?

Reinhardt: Durch meine Familie, meine Kinder, die zu Recht meine Aufmerksamkeit einfordern. Sicher auch dadurch, dass ich Vieles, das mit meinem Beruf zusammenhängt, nicht als Beanspruchung empfinde, sondern als Bereicherung.

Wie beenden Sie Ihren Tag?

Reinhardt: Gerne Zuhause beim gemeinsamen Kochen (meist wird bestätigt, dass das Essen ganz gut schmeckt, aber ich kann mangels Rezept selten ein Gericht genau wiederholen).

„Ich hasse es, nur zu jammern, vor allem, ohne nachzudenken, wie wir es ändern können.“ Diesen Satz sagte Prof. Dr. med. Dirk Reinhardt 2017 in einem Interview mit der Neuen Presse aus Hannover. Und Reinhardt, seit 2014 Direktor der Kinderklinik III des Universitätsklinikums Essen, denkt nicht nur über Änderungen nach — er ändert auch: 2008 hat er in Hannover zum Beispiel das „Netzwerk für die Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher“ ins Leben gerufen, mit dem eine qualitativ hochwertige Versorgung von erkrankten Kindern und Jugendlichen in Niedersachsen sichergestellt und verbessert werden soll. Dazu gehören spezielle palliativmedizinische Angebote genauso wie Konzepte für die Mitversorgung der Geschwister des erkrankten Kindes.

Gleichzeitig ist der ausgebildete Pädiater mit Schwerpunkt Pädiatrische Hämatologie und Onkologie auch in der Forschung sehr aktiv, wovon einschlägige Publikationen und der 2014 erhaltene John-Mendelsohn-Studienpreis der Deutschen Krebsgesellschaft künden.

Wie man das als Familienvater alles schaffen kann? Mutmaßlich mit Sportsgeist — schließlich hatte Reinhardt an der Universität Göttingen neben Medizin auch Sportwissenschaften studiert.

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