Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 5, pp 42–42 | Cite as

Kombination von Risikofaktoren: Neuer Gentest für ALL-Patienten

  • Peter Leiner
Hämatoonkologie Literatur kompakt
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Ein Gentest hilft, bei Kindern mit akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL) die Erfolgsaussichten einer Chemotherapie abzuschätzen. Er bietet damit die Möglichkeit, manchen Kindern die Chemotherapie zu ersparen und auf Alternativen zu setzen.

Auch wenn 80 % der Kinder mit ALL von einer intensiven Chemotherapie profitieren, erleiden einige doch ein Rezidiv. Es wird geschätzt, dass etwa 50 % dieser Rezidive bei Patienten mit einem Standard- oder Intermediärrisiko auftreten. Ein Test wäre hilfreich, um eine Über- oder auch Untertherapie zu vermeiden.

Im Zentrum der nun entwickelten Testung steht das Gen IKZF1, welches für den Transkriptionsfaktor Ikaros kodiert, der für die Entwicklung der Lymphozyten essenziell ist. Die Forscher untersuchten Deletionen in Befunden von mehr als 1.400 Kindern mit ALL (Kasten 1) und stellten fest: Kinder, die eine IKFZ1-Deletion und mindestens 1 weitere Deletion der Gene CDKN2A, CDKN2B, PAX5 oder PAR1 aufwiesen, ohne dass zugleich eine Deletion des Gens ERG („erythroblastosis virus E26 oncogene homolog“) vorlag, hatten ein deutlich schlechteres Therapieergebnis. Diese Gruppe von Deletionen subsumierten die Forscher unter dem Begriff IKFZ1plus. In der Studie hatte sich herausgestellt, dass bei etwa 25 % der Rezidive der Test auf IKFZ1plus positiv war. Die meisten Rezidive seien in der Gruppe mit Intermediärrisiko aufgetreten, gemessen anhand der minimalen Resterkrankung (MRD). Der Einsatz von IKFZ1plus in Abhängigkeit von der MRD erlaubt es, das Ergebnis der Stratifizierung nach dem Marker IKFZ1 zu verfeinern.

Fazit: Anhand des Markers IKZF1plus gelingt es, die Intensität der Chemotherapie bei Kindern mit ALL besser an das Risiko anzupassen. Einem Teil der Kinder kann eine toxische Therapie erspart werden.

Kasten 1: Projekt TRANSCALL

© Helmut Fohringer / dpa

Entwickelt wurde der Test anhand des Markers IKZF1plus im EU-geförderten Projekt TRANSCALL zur Validierung der Auswirkung genetischer Aberrationen und der genetischen Variation bei Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) im Kindesalter, das Martin Stanulla, Hannover koordiniert hat. Wie es in einer Mitteilung der Medizinischen Hochschule Hannover heißt, soll der Test im Rahmen einer klinischen Studie (AIEOP-BFM ALL 2017) jährlich bei etwa 1.000 Kindern mit ALL angewendet werden. Geleitet wird sie von Martin Schrappe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Literatur

  1. Stanulla T et al. IKZF1-plus Defines a New Minimal Residual Disease—Dependent Very-Poor Prognostic Profile in Pediatric B-Cell Precursor Acute Lymphoblastic Leukemia. J Clin Oncol. 2018;36(12):1240–9.CrossRefGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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