Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 5, pp 3–3 | Cite as

Angehörige von Krebspatienten gehören mit in unseren Fokus

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Editorial
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„Angehörige sind nicht nur wichtige Bezugspersonen für die Tumorpatienten und zusätzliche Ansprechpartner, sondern selbst auch Betroffene, die unsere Unterstützung brauchen.“

Prof. Dr. med. Karin Oechsle Stiftungsprofessur für Palliativmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

© STUDIOLINE Fotostudio Hamburg Eimsbüttel

In der Palliativversorgung gehört es zum Grundverständnis, dass eine unheilbare Erkrankung nicht nur die Patienten selbst, sondern auch ihr soziales Umfeld betrifft. Die Wahrnehmung, Begleitung und Unterstützung von Angehörigen, ihr Einbezug in die Behandlungs- und Versorgungsplanung sowie die Information über Unterstützungsangebote sind wichtige Aufgaben in der Palliativversorgung [S3-Leitlinie Palliativmedizin für Patienten mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung; AWMF-Registernummer 128/001OL]. In zahlreichen Studien zeigten sich die vielfältigen psychischen, sozialen, körperlichen und ökonomischen Belastungen der Angehörigen von Patienten mit fortgeschrittenen onkologischen Erkrankungen [z.B. Hudson P, Payne S. J Palliat Med. 2011;14(7):864-9].

Aber nicht nur in palliativen Erkrankungssituationen sind auch die Angehörigen betroffen, sondern ebenso bei kurativ behandelten Tumorerkrankungen — auch noch Jahre nach Abschluss ein erfolgreichen kurativen Therapie. Eine deutsche Querschnittstudie ergab z. B., dass über alle Erkrankungssituationen betrachtet (kurative oder palliative Therapie und Nachsorge) die Angehörigen signifikant belasteter sind und höhere Risiken für Angststörungen aufweisen als die Patienten [Sklenarova H et al. Cancer. 2015;121(9):1513-9]. Studien von Langzeitüberlebenden belegen anhaltende posttraumatische Belastungsstörungen und psychische Belastung von Angehörigen z. B. bei Patientinnen nach Mammakarzinom [Liu Y et al. Psychooncology. 2018;27(4):1284-90]. In anderen Studien werden auch für die Angehörigen dauerhaft anhaltende Rezidivängste, Stresssymptome und Veränderungen in der Beziehung zwischen Patient und Angehörigen beschrieben.

Blickt man auf die Angehörigen unserer Patienten, ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass Angehörige oft im Konflikt zwischen zwei Rollen stehen: Einerseits sind sie wichtige Bezugspersonen für die Patienten — eine wichtige Kraftquelle, Unterstützer, Versorger, Pflegende oder Berater —, andererseits sind sie selbst von der Erkrankung Betroffene mit eigenen Sorgen, Fragen, Ängsten und Unterstützungsbedarf.

Häufig ist es schon ein erster wertvoller Schritt, beide Rollen der Angehörigen in den eigenen Fokus als Behandler zu nehmen. Der zweiten Rolle der Angehörigen als selbst Betroffene auch im triadischen Austausch mit Patienten, Angehörigen und Behandlern Raum zu geben und den Angehörigen zu erlauben, diese anzunehmen und ihre eigenen Bedürfnisse, Fragen und Sorgen in das Behandlungssetting einzubringen, sind wichtige weitere Schritte. Häufig vermissen Angehörige konkrete Unterstützungsangebote und Beratungen für Angehörige in der onkologischen Versorgung.

Zukünftig sollte es auch unser Ziel sein, systematisch mehr über die konkreten Bedürfnisse, Belastungen und Fragen der Angehörigen unserer Patienten in allen Erkrankungssituationen zu lernen, um Ihnen gezielte Unterstützung anbieten zu können.

Karin Oechsle

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