Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 4, pp 76–76 | Cite as

ALL: Nebenwirkungsmanagement unter neuen Substanzen

  • Moritz Borchers
Hämatoonkologie Kongressbericht
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Mit neuen Sustanzen wie Blinatumomab oder ex vivo modifizierten T-Zellen lassen sich zum Teil hohe Ansprechraten in der ALL-Therapie erzielen. Gleichzeitig müssen Behandler mit neuen Nebenwirkungen umgehen.

Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL), die mit einer Standardchemotherapie behandelt würden, litten vor allem an Zytopenien und Infektionen, erklärte Nicola Gökbuget, Frankfurt am Main. Dagegen käme es unter modernen Therapien — z. B. Blinatumomab oder CAR(„chimeric antigen receptor“)-T-Zellen — zum Teil zu anderen Nebenwirkungen, etwa dem Zytokin-Release-Syndrom (CRS). In der Behandlung des CRS sei Dexamethason eher zu vermeiden, weil dieses möglicherweise einen T-Zell-hemmenden Effekt entfalte — auch wenn es dafür keine eindeutigen Belege gebe, so Gökbuget. Für die CRS-Therapie infrage kämen ggf. Interleukin-6-Antagonisten wie Tocilizumab.

Generell sei es ratsam, so Gökbuget, zunächst die Tumorlast zu reduzieren und dann mit neuen Substanzen zu behandeln; das erhöhe die Wirkung und reduziere das Nebenwirkungsrisiko.

Beispiel Blinatumomab: Schriftproben einholen!

Unter dem bispezifischen Antikörper Blinatumomab seien Neutropenien und Infektionen zwar seltener als unter einer Chemotherapie, spielten aber noch eine Rolle. Ein CRS trete eher selten auf, weil Blinatumomab stufenweise aufdosiert werde, erläuterte Gökbuget. Dennoch sollten die Patienten sehr engmaschig überwacht werden — besonders bei Therapie im Vollrezidiv —, um bei einem CRS rechtzeitig reagieren zu können. Blinatumomab habe eine sehr kurze Halbwertszeit, bei einer Therapieunterbrechung ende auch die Wirkung sofort. Dennoch würde man eine solche natürlich gerne vermeiden. Werde Blinatumomab Patienten mit nur noch minimaler Resterkrankung verabreicht, seien die Zytopenien weniger ausgeprägt. Die neurologischen Nebenwirkungen seien aber genauso hoch wie bei der Therapie von Patienten im Vollrezidiv. Zu ihnen zählten etwa Tremor, Aphasien und in seltenen Fällen auch Krampfanfälle. Sie träten häufig zu Beginn oder bei Dosiserhöhungen auf und seien in der Regel bei Therapieunterbrechung sehr schnell reversibel, so Gökbuget. Wichtig sei, dass Patienten unter der Therapie kein Auto fahren dürfen. Sie empfahl, regelmäßig Schriftproben einzuholen, weil sich hier Tremor-bedingte Schriftbildveränderungen gut erkennen ließen. Ggf. käme für die Behandlung von neurologischen Nebenwirkungen Dexamethason infrage — dies sollte aufgrund der fraglichen ungünstigen Effekte nicht zu lange gegeben werden. Bei wiederholten Krampfanfällen sei die Therapie dauerhaft abzusetzen.

Literatur

  1. Bericht vom 33. Deutschen Krebskongress vom 21. bis 24. Februar 2018 in BerlinGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Moritz Borchers
    • 1
  1. 1.

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