Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 4, pp 46–46 | Cite as

Zwischen Unter- und Übertherapie beim Mammakarzinom

  • Friederike Klein
Gynäkoonkologie Kongressbericht
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Angeregt durch die „Gemeinsam klug entscheiden“-Initiative diskutierten Experten unter anderen für die Systemtherapie, was zu tun ist, um eine Übertherapie bei Patientinnen mit Mammakarzinom zu vermeiden, ohne eine Untertherapie zu riskieren.

Erweiterte endokrine Therapie

Bei der endokrinen Therapie ist die Dauer von fünf Jahren Standard, eine längere Behandlung kann nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Neue Ergebnisse der ABCSG-16-Studie zeigen, dass dann zwei zusätzliche Jahre auszureichen scheinen [Gnant M et al. SABCS. 2017;Abstr GS3-01]. Eine weitere fünfjährige endokrine Therapie ergab etwa im Hinblick auf das Gesamtüberleben (OS) keinen Vorteil, war aber mit mehr Nebenwirkungen verbunden.

Wird bei prämenopausalen Patientinnen mit niedrigem Risiko ein Verzicht auf eine Chemotherapie erwogen, reicht der 8-Jahres-Auswertung der SOFT-Studie zufolge die endokrine Therapie mit Tamoxifen aus, während Hochrisikopatientinnen von der Chemotherapie plus einer intensivierten endokrinen Therapie (GnRH-Analogon plus Tamoxifen oder plus Aromatasehemmer [Fleming G et al. SABCS. 2017;Abstr GS4-03]. Entscheidend ist also die genaue Risikoabschätzung vor Therapiebeginn. „Ein niedrigeres absolutes Risiko bedeutet, dass Patienten wenig bis kaum von einer zusätzlichen Therapiemodalität profitieren und es besteht die Gefahr einer Übertherapie“, betonte Marcus Schmidt, Mainz.

Chemotherapie

Bei Chemotherapie aufgrund der Tumorbiologie scheint nach einer aktuellen Analyse der GeparSepto-Studie eine neoadjuvante Therapie mit einem Überlebensvorteil assoziiert zu sein [Schneeweiß A et al. SABCS. 2017;Abstr GS3-05]. Eine kürzlich publizierte Metaanalyse konstatierte zumindest ein vergleichbares OS bei neoadjuvanter und adjuvanter Chemotherapie [EBCTCG. Lancet Oncol. 2018;19(1):27-39]. Allerdings war das Lokalrezidivrisiko bei neoadjuvanter Therapie erhöht. Schmidt erklärte dies zumindest teilweise auch mit den teils älteren Studiendaten, die hinsichtlich Diagnostik und Operation nicht mehr dem aktuellen Standard entsprechen.

Wenn eine Chemotherapie eingesetzt wird, sollte sie dosisdicht und sequenziell erfolgen. Eine gepoolte Analyse von 25 Studien zeigte einen signifikanten Vorteil hinsichtlich Rezidivfreiheit und brustkrebsspezifischer Mortalität [Gray R et al. SABCS. 2017;Abstr GS1-01].

Duale HER2-Blockade

Bei einem frühen HER2-positiven Mammakarzinom hatte die AGO Mamma bislang zusätzlich zur neoadjuvanten Chemotherapie eine duale HER2-Blockade empfohlen. Die APHINITY-Studie hat jetzt ergeben, dass nur Patientinnen mit nodal-positivem Brustkrebs hiervon profitieren [von Minckwitz G et al. N Engl J Med. 2017; 377(2):122-31].

Beim metastasierten Mammakarzinom ist die endokrin-basierte Therapie die erste Option. Die Hinzunahme von Ribociclib konnte in einer Studie das progressionsfreie Überleben um 10,8 Monate verlängern.

Palliativtherapie

In der nicht kurativen Situation ist eine palliative Monochemotherapie zu bevorzugen. Palliativmedizinische Angebote sollten früh im Verlauf einer metastasierten Erkrankung angeboten werden oder wenn eine hohe Symptomlast besteht.

Literatur

  1. Bericht vom 33. deutschen Krebskongress vom 21. bis 24. Februar 2018 in BerlinGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Friederike Klein
    • 1
  1. 1.

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