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Im Focus Onkologie

, Volume 21, Issue 4, pp 38–38 | Cite as

Bei Hormontherapie ist Bewegung die Polypille

  • Philipp Grätzel von Grätz
Supportivtherapie Kongressbericht
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Immer mehr Menschen erhalten wegen Prostatakarzinom oder Brustkrebs langjährige Hormontherapien. Das hat Folgen für den Körper, denen aber durch gezieltes Training entgegengewirkt werden kann.

Tumorpatientinnen und -patienten unter (Anti-)Hormontherapien waren mit die ersten, bei denen klinische Forscher die positiven Effekte von gezielten Trainingsprogrammen auch wissenschaftlich nachweisen konnten. Der „Klassiker“ ist die Fatigue. Freerk Baumann, Köln, berichtete über eine Metaanalyse, in die 113 randomisierte Studien Eingang gefunden haben [Mustian KM et al. JAMA Oncol. 2017;3(7):961-8]. Die Kernbotschaft: Mit Bewegungstherapie bzw. allgemeiner mit Sport lässt sich die krebsassoziierte Fatigue hoch effektiv lindern. Dies gelte vor allem dann, wenn sie früh im Therapieverlauf begonnen werde, so Baumann: „Es ist schwieriger, eine Fatigue, die schon besteht, zu beseitigen. Bewegungstherapie und auch Psychoonkologie sind signifikant wirksamer als pharmazeutische Interventionen, und sie sollten als Firstline-Behandlung angesehen werden.“

Bei mit Aromatasehemmern (AI) in Langzeittherapie behandelten Brustkrebspatientinnen sind es u. a. Gelenkschmerzen, die ein erhebliches Problem darstellen und die Compliance gefährden. In einer Studie mit 121 Frauen mit Arthralgien unter AI-Therapie verringerte eine recht intensive Bewegungsintervention mit 150 Minuten aerobem Ausdauertraining pro Woche plus zweimal die Woche intensivem Krafttraining über zwölf Monate AI-assoziierten Arthralgien im Vergleich zur Kontrollgruppe um knapp ein Drittel. Dabei gelte es, geduldig zu bleiben, so Baumann. Es könnten schon mal neun Monate vergehen, bis die Effekte eindeutig sind [Irwin ML et al. J Clin Oncol. 2015;33(10):1104-11].

Zunehmend werden die Effekte sporttherapeutischer Maßnahmen auch auf andere unerwünschte Folgen einer langjährigen Antihormon-Therapie bei Prostatakarzinompatienten untersucht, etwa typische Veränderungen der Körperkomposition in Richtung einer Verringerung der fettfreien Körpermasse. Dass sich diese Veränderung mit einem relativ intensiven Sportprogramm bremsen bzw. sogar partiell umkehren lässt, wurde bereits vor einigen Jahren gezeigt [Galvao DA et al. J Clin Oncol 2010;28(2):340-7].

Die härteste Nuss bei Antihormontherapie ist der Abbau der Knochendichte. Unterschiedliche Bewegungsinterventionen hatten in Studien keinen Erfolg. Baumann berichtete aber über eine Studie, bei der Krankengymnastik, Kraft-/Ausdauertraining und Impact-Training bei Prostatakarzinompatienten unter Hormontherapie randomisiert verglichen wurden. Nur mit dem Impact-Training, nicht mit Kraft-/Ausdauertraining oder Krankengymnastik sei es gelungen, die Knochendichte über sechs Monate konstant zu halten. Impact-Training ist ein relativ intensives Training mit „ruckartigen“ Bewegungen, die die Knochen stark fordern.

Literatur

  1. Bericht vom 33. Deutschen Krebskongress vom 21. bis 24. Februar 2018 in Berlin.Google Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Philipp Grätzel von Grätz
    • 1
  1. 1.

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