Advertisement

Im Focus Onkologie

, Volume 20, Issue 6, pp 28–28 | Cite as

Venöse Thromboembolien beim Mammakarzinom vorhersehbar?

  • Kathrin von Kieseritzky
Literatur kompakt Mammakarzinom und gynäkologische Tumoren
  • 105 Downloads

Venöse Thromboembolien (VTE) sind eine schwerwiegende Komplikation bei malignen Erkrankungen. In einer bevölkerungsbasierten Studie wurden Risiko und klinische Prädiktoren bei Brustkrebspatientinnen untersucht.

Pro Jahr erleiden 1–2 pro 1.000 Personen eine venöse Thromboembolie (VTE). Bei Brustkrebspatientinnen ist das Risiko etwa 3- bis 4-fach erhöht. Auch wenn das absolute Risiko im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen niedrig ist, können die Konsequenzen doch schwerwiegend und langfristig sein, mit erheblichen Komorbiditäten und Einschränkungen der Lebensqualität — v. a. für Patientinnen mit nicht metastasierter Erkrankung und guter Prognose.

Ein unabhängiger Prädiktor für eine VTE war höheres Lebensalter.

© auremar / Fotolia

In einer bevölkerungsbasierten Studie aus Schweden wurde die Häufigkeit von VTE bei 8.338 Brustkrebspatientinnen (25–75 Jahre), die bei Diagnose keine Fernmetastasen hatten, mit der von 39.013 altersgematchten Kontrollen aus der Allgemeinbevölkerung verglichen.

Nach median 7,2 Jahren hatten 426 Brustkrebspatientinnen ein VTE-Ereignis — eine kumulative Inzidenz von 5,1 %. Diese war gegenüber der Vergleichsgruppe verdreifacht (Hazard Ratio [HR] 3,28, 95 %-Konfidenzintervall [95%-KI] 2,87–3,74). Das relative Risiko für VTE war 6 Monate nach Diagnose am höchsten (HR 8,62, 95 %-KI 6,56–11,33), anschließend ging es zurück, blieb aber höher als in der Vergleichsgruppe (HR nach 5 Jahren 2,19, 95 %-KI 1,80–2,67).

Das mittlere Alter bei Diagnose der VTE war bei den Patientinnen niedriger als bei der Vergleichsgruppe (62,0 vs. 65,3 Jahre). Die kumulative 1-, 2- und 5-Jahres-Inzidenz von VTE betrug in der Brustkrebskohorte 2,0 %, 2,5 % und 4,0 %, in der Vergleichskohorte 0,3 %, 0,5 % und 1,1 %. Die VTE-Raten lagen in der Brustkrebskohorte bei 7,9, in der Vergleichskohorte bei 2,4 pro 1.000 Personenjahren. Unabhängige Prädiktoren einer VTE waren höheres Lebensalter, Übergewicht, VTE in der Vorgeschichte, Komorbiditäten, Tumorgröße > 40 mm, Progesteronrezeptor(PR)-negativer Status, > 4 befallene Lymphknoten und erhaltene Chemo- und endokrine Therapie.

Fazit: Die Daten bestätigen, dass Brustkrebspatientinnen langfristig ein erhöhtes VTE-Risiko haben. Prädiktoren für ein solches Ereignis konnten identifiziert werden.

Literatur

  1. Brand JS et al. Time-Dependent Risk and Predictors of Venous Thromboembolism in Breast Cancer Patients: A Population-Based Cohort Study. Cancer. 2017;123(3):468–75.CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2017

Authors and Affiliations

  • Kathrin von Kieseritzky
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations