Im Focus Onkologie

, Volume 20, Issue 6, pp 26–26 | Cite as

Radiotherapie bei Brustkrebs: Langjähriges Rauchen macht Vorteile zunichte

  • Barbara Kreutzkamp
Literatur kompakt Mammakarzinom und gynäkologische Tumoren
  • 82 Downloads

Langjährigen aktiven Raucherinnen mit Brustkrebs schadet die Strahlentherapie langfristig mehr, als dass sie nützt. Eine Metaanalyse liefert konkrete Zahlen zu Auswirkungen auf Lunge und Herz.

Viele Brustkrebspatientinnen erhalten im Rahmen ihrer Behandlung eine Bestrahlung, die die brustkrebsbedingte Mortalität meist um einige Prozentpunkte reduziert. Abgewogen werden müssen die strahlentherapeutischen Vorteile gegen die Gefahren für Herz und Lunge. Immerhin haben Langzeitraucherinnen per se ein um rund 20 % erhöhtes Risiko für vorzeitigen Tod durch Lungenkrebs und ein vierfach erhöhtes Risiko für vorzeitigen Tod durch Herzerkrankungen. In einem systematischen Review mit Metaanalyse wurde untersucht, inwieweit das Risiko bei diesen Frauen durch eine Strahlentherapie nochmals potenziert wird.

Bei Raucherinnen führte die Bestrahlung u. a. häufiger zu Lungenkrebs.

© Celeste-RF / Fotolia

Analysiert wurden die Invididualdaten von 40.781 Brustkrebspatientinnen, die im Rahmen von insgesamt 75 Studien randomisiert einer Strahlentherapie-Gruppe oder einer Kontrollgruppe ohne Strahlentherapie zugewiesen und median 10 Jahre nachbeobachtet worden waren. Ingesamt ergab sich eine durchschnittliche Dosisbelastung für die Lunge von 5,7 Gy und für das Herz von 4,4 Gy. Die „rate ratio“ (RR) für ein Lungenkarzinom ≥ 10 Jahre nach der median 2010 durchgeführten Radiatio lag bei 2,10 (95 %-Konfidenzintervall [95 %-KI] 1,48–2,98; p < 0,001), die „excess rate ratio“ (ERR) bei 0,11/Gy Lunge (95 %-KI 0,05–0,20). Die RR für das kardiale Sterberisiko betrug 1,30 (95 %-KI 1,15–1,46; p < 0,001) mit einer ERR von 0,04 pro Gy Gesamtherzdosis (95 %-KI 0,02–0,06). Das geschätzte absolute Risiko für radiogen induzierten Lungenkrebs betrug bei langjährigen, aktiven Raucherinnen rund 4 % und bei Nichtraucherinnen 0,3 %. Für die radiogen bedingte kardiale Mortalität lag das absolute Risiko bei 1 % bei Raucherinnen und bei 0,1 % bei Nichtraucherinnen.

Fazit: Bei langjährigen Raucherinnen mit Brustkrebs steigerte die Strahlentherapie das Risiko für Lungenkrebs um rund 4 %. Bei den meisten Nicht- und auch Ex-Raucherinnen ist die Nutzen-Risiko-Abwägung für die RT dagegen positiv. Die Ergebnisse dieser Metaanalyse stammen aus bis zum Jahr 2015 publizierten Studien, in denen noch vergleichsweise hohe Strahlendosen gegeben wurden.

Literatur

  1. Taylor C et al. Estimating the risks of breast cancer radiotherapy: Evidence from modern radiation doses to the lungs and heart and from previous randomized trials. J Clin Oncol. 2017; 35(15):1641–9.CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2017

Authors and Affiliations

  • Barbara Kreutzkamp
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations