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Im Focus Onkologie

, Volume 20, Issue 6, pp 21–21 | Cite as

Langzeitauswertung: Chemotherapie überzeugt bei anaplastischem Gliom

  • Thomas Müller
Literatur kompakt ZNS-Tumoren
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In der NOA-04-Studie war beim anaplastischen Gliom eine Chemotherapie nach der Operation der Radiatio ebenbürtig. Jetzt wurde geschaut, ob das 10 Jahre nach dem Eingriff noch immer gilt.

In der 2009 veröffentlichten NOA-04-Studie wurde bei 318 Patienten mit einem anaplastischen Gliom vom Grad III postoperativ eine Radiotherapie mit einer Chemotherapie verglichen. Letztere erfolgte entweder mit Temozolomid (TMZ) oder nach dem PCV(Procarbazin, CCNU, Vincristin)-Schema. Kam es zur Tumorprogression oder wurde die erste Therapiemodalität nicht ausreichend vertragen, wechselten die Ärzte auf die jeweils andere Modalität.

Nach maximal 4,5 Jahren war es weitgehend egal, ob die Ärzte mit Radio- oder Chemotherapie begonnen hatten. Die Zeit bis zum Therapieversagen, das progressionsfreie Überleben (PFS) mit der ersten Therapie und das Gesamtüberleben waren in allen Gruppen vergleichbar, auch gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen einer Behandlung mit PCV oder dem besser verträglichen TMZ. Daher sprach viel dafür, nach der Operation mit TMZ zu beginnen.

Inzwischen liegt eine Auswertung nach median 9,5 Jahren vor, die im Wesentlichen die primäre Analyse bestätigte: Zu einer Progression kam es mit Radiatio als erster Option bei 78 % der Patienten, mit der Chemotherapie bei 79 %. Ein Therapieversagen stellten die Ärzte bei 66 bzw. 67 % der Patienten nach im Median 4,4 bzw. 4,6 Jahren fest. Auch beim Gesamtüberleben fanden sich keine statistisch signifikanten Unterschiede (median 8 vs. 6,5 Jahre; p = 0,53), wenngleich die Rate mit Radiatio als erster Therapiewahl nach der Operation relativ betrachtet um 11 % höher lag.

In den Chemotherapiegruppen gab es insgesamt keine statistisch belastbaren Unterschiede beim PFS zwischen einer Behandlung mit PCV (2,5 Jahre) und TMZ (2,7 Jahre). Patienten mit Gliom-CpG-Inseln-Methylierungs-Phänotyp (G-CIMP) und 1p/19q-Kodeletion lebten jedoch mehr als doppelt so lange progressionsfrei, wenn sie PCV statt TMZ erhielten (9,4 vs. 4,5 Jahre). Auch die Radiatio war hier TMZ deutlich überlegen.

Fazit: Eine Chemotherapie wirkt bei Patienten mit anaplastischem Gliom nach der Operation zwar ähnlich gut wie die Bestrahlung, mit der Radiatio ist das Gesamtüberleben aber tendenziell besser. Auch kann TMZ nicht in allen prognostischen Subgruppen PCV ersetzen.

Literatur

  1. Wick W. et al. Long-term analysis of the NOA-04 randomized phase III trial of sequential radiochemotherapy of anaplastic glioma with PCV or temozolomide. Neuro Oncol. 2016;18(11):1529–37.PubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2017

Authors and Affiliations

  • Thomas Müller
    • 1
  1. 1.

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