Pädiatrie

, Volume 30, Issue 2, pp 17–17 | Cite as

Verhaltensstörungen bei Kindern können das Gewicht beeinflussen

  • Kirsten Stollhoff
Literatur kompakt
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Gibt es bei Kindern eine Assoziation zwischen Übergewicht und zerebralen Entwicklungsstörungen? Und kann eine ADHS der Eltern damit in Zusammenhang gebracht werden? Diesen Fragen gehen schwedische Forscher in einer Studie nach.

Dr. med. Kirsten Stollhoff, Hamburg

Insgesamt 76 Kinder und Jugendliche (37 Mädchen und 39 Jungen) aus der Adipositas-Spezialsprechstunde der Universitätsklinik in Göteborg wurden unter anderem auf folgende zerebrale Entwicklungsstörungen hin untersucht: Autismus-Spektrum-Störung (ASD), Aufmerksamkeitsdefitzit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und umschriebene motorische Entwicklungsstörung (DCD). Das Alter der Probanden lag zwischen 5 und 16,5 Jahren.

Bei diesen Untersuchungen erhielten 3,2 % der Kinder die Diagnose ASD, 18,4 % ADHS und 25 % DCD. 31,6 % der jungen Patienten erfüllten die Kriterien mindestens einer zerebralen Entwicklungsstörung. Zudem ergab sich, dass Kinder mit einer ASD und/oder einer ADHS einen deutlich höheren Body-Mass-Index hatten als Kinder ohne eine zerebrale Entwicklungsstörung. 18,4 % der Kinder hatten mindestens ein Elternteil, das die Kriterien eines adulten ADHS erfüllten.

Die Autoren schließen aus ihren Untersuchungsergebnissen, dass mindestens ein Drittel der adipösen Kinder und Jugendlichen unter einer zerebralen Entwicklungsstörung leidet, die möglicherweise die Entwicklung der Adipositas begünstigt beziehungsweise eine effektive Therapie verhindert. Auch die ADHS der Eltern kann zu einer Erfolglosigkeit der Therapie beitragen.

Kommentar

Die Studie bestätigt, wie wichtig es für den Therapieerfolg ist, auch weniger sichtbare Störungen zu erkennen und im Therapieplan zu berücksichtigen. Die hohe Komorbidität von Adipositas bei Jugendlichen und Erwachsenen und ADHS ist bekannt, vor allem, wenn die ADHS unbehandelt oder nicht mehr behandelt wird. Wünschenswert wären prospektive Studien und Langzeitstudien, in denen Jugendliche und Erwachsene mit ADHS und Adipositas neben einem Adipositastraining auch eine medikamentöse Therapie ihrer ADHS erhalten. Möglicherweise wirkt sich ja die Impulshemmung, die mit der Stimulanzientherapie erzielt wird, günstig auf das Essverhalten aus.

Literatur

  1. Wentz E et al. Neurodevelopmental disorders are highly over-represented in children with obesity: a cross-sectional study. Obesity 2017; 25:178–84CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Kirsten Stollhoff
    • 1
  1. 1.

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