Pädiatrie

, Volume 30, Issue 2, pp 14–14 | Cite as

Beunruhigendes Vermächtnis einer „ausgeheilten“ Nierenerkrankung im Kindesalter

  • Hartmut Koch
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Selbst wenn sie vollständig ausgeheilt sind, erhöhen Nierenerkrankungen im Kindesalter das Risiko, als Erwachsener eine chronisch-terminale Niereninsuffizienz zu erleiden. Dies belegt eine große Studie im New England Journal of Medicine.

Dr. med. Hartmut Koch, Vechta

Viele Nierenerkrankungen bei Kindern haben eine günstige Prognose. Dennoch gibt es Hinweise, dass eine Reihe dieser Erkrankungen, nachdem sie ausgeheilt schienen, das Risiko einer chronischen Erkrankung im Erwachsenenalter erhöhen können. Die Gruppe um Ronit Calderon-Margalit und Asaf Vivante hat nun zur Klärung dieses Risikos eine populationsbasierte, historische Studie unter 1.521.501 israelischen Jugendlichen durchgeführt, die über 30 Jahre nachbeobachtet wurden.

Die Teilnehmer waren potenzielle Armeerekruten. Da in Israel Wehrpflicht besteht, war die Kohorte dementsprechend groß. Bei den Nierenerkrankungen im Kindesalter handelte es sich um kongenitale Anomalien der Niere und des Harntraktes, Pyelonephritiden und glomeruläre Erkrankungen. Alle potenziellen Rekruten der Jahrgänge 1967–1997 hatten zum Zeitpunkt der Musterung eine normale Nierenfunktion, keine Hypertonie und einen normalen Urinbefund. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 30,4 Jahre.

Insgesamt wurden während dieser Nachbeobachtungszeit 2.490 Erwachsene aus dieser Kohorte mit terminaler Niereninsuffizienz erfasst. Dies ergab eine Inzidenz von 5,39 Fällen pro 100.000 Personen. Das wichtigste Ergebnis der Untersuchung war, dass die Vorgeschichte irgendeiner kindlichen Nierenerkrankung das Risiko für eine terminale Niereninsuffizienz um das 4,2-Fache erhöht, ungeachtet der Tatsache, dass bei der Musterung keine Folgen der kindlichen Nierenerkrankung mehr nachweisbar waren. Diese Risikoerhöhung war unabhängig von der Art der kindlichen Nierenerkrankung. Eine Nierenerkrankung im Kindesalter war zudem assoziiert mit einem früheren Beginn der chronisch-terminalen Niereninsuffizienz (d. h. unter 40 Jahre). Das Risiko, einen solchen Zustand zu entwickeln, war in diesen Fällen auf das mehr als 10-Fache erhöht.

Kommentar

Schon länger ist bekannt, dass bei Kindern, die ein scheinbar völlig ausgeheiltes hämolytisch-urämisches Syndrom oder eine Schönlein-Henoch-Krankheit durchgemacht haben, ein erhöhtes Risiko für eine chronische Nierenerkrankung im Erwachsenenalter besteht. Die vorgestellte Untersuchung zeigt, dass diese Risikoerhöhung offenbar auch auf andere kindliche Nierenerkrankungen zutrifft. In einem Kommentar zu dieser Studie von Julie Inglefinger [N Engl J Med 2018;378:470–1] wird spekuliert, dass einzelne Kinder möglicherweise mit einer geringeren Zahl von Nephronen geboren werden. Die Autoren der vorgestellten Untersuchung vertreten die Auffassung, dass Kinder mit Nierenerkrankungen auch nach scheinbarer Ausheilung viel länger nachbeobachtet werden müssen.

Literatur

  1. Calderon-Margalit R et al. History of childhood kidney disease and risk of adult end-stage renal disease. N Engl J Med 2018;378:428–38CrossRefGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Hartmut Koch
    • 1
  1. 1.

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