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pädiatrie: Kinder- und Jugendmedizin hautnah

, Volume 28, Issue 6, pp 16–16 | Cite as

Auch Kinder können Leben retten

  • Thomas Hoppen
Literatur kompakt
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Das European Resuscitation Council (ERC) gibt die Leitlinien zur Reanimation für Europa heraus. Darin steht geschrieben, dass der entscheidende Weg zu größerem Erfolg und besserem Überleben bei der Reanimation auch über möglichst viele Laienhelfer geht. Diese Helfer sollten auch Kinder und Jugendliche sein.

Dr. med. Thomas Hoppen, Koblenz

Die aktualisierten Leitlinien zur kardiopulmonalen Wiederbelebung (CPR) liegen nun schon ein Jahr vor. Notfallausbildung, Wiederholungstrainings und Nachbesprechungen von simulierten und echten Reanimationen führen zur Qualitätsverbesserung — das ist anerkannt und belegt. Erstmals steht aber auch in den Leitlinien, dass schon Kinder und Jugendliche als Laienhelfer gewonnen werden sollen. Die Kultusministerkonferenz und die WHO haben dem zugestimmt und unterstützen die Kampagne „Kids save lives“. Deshalb soll es ab der 7. Klasse zwei Stunden Unterricht in Wiederbelebung pro Jahr geben. Das ERC hat deshalb zehn Prinzipien formuliert (vgl. Kasten). Dazu gehört auch der Umgang mit dem automatisierten elektrischen Defibrillator (AED).

In wessen Praxis hängt denn so ein Gerät? Welcher Kliniker weiß denn, wo sich der nächste AED auf Normalstation oder in der Patientenverwaltung befindet? Mit diesem Fragen hat sich eine aktuelle Studie von White et al. von der Universität in Michigan beschäftigt. Darin wurde die Verbreitung von AED und der Kenntnisstand an US-amerikanischen Schulen untersucht. Es stellte sich heraus, dass große Einrichtungen mit mehr als 1.500 Schülern apparativ schlechter bestückt waren und über prozentual weniger Ersthelfer verfügten als kleinere Schulen.

Über die richtige Anwendung eines Defibrillators sollten auch schon Kinder und Jugendliche Bescheid wissen.

© Cristianeo Pugno / Fotolia

Kommentar

Der plötzliche Herztod ist für fast 10 % aller Todesfälle zwischen 5–19 Jahren und für 75 % aller plötzlichen Todesfälle unter jungen Athleten verantwortlich. Die Inzidenz des außerklinischen Herzstillstands im Alter zwischen 14–24 Jahren liegt bei circa 1,5 pro 100.000. Unser Auftrag ist klar: Schüler höherer Jahrgänge sollten als Multiplikatoren an Schulen ausgebildet werden, quasi als fruchtbare Hilfe zur Selbsthilfe. Mittelfristig würde hiervon zweifellos die gesamte Gesellschaft profitieren. Bleibt die leidige Frage: Wo halten sich nur die erforderlichen Instruktoren für die erwartungsvollen Jungtrainer versteckt? Ein struktureller Missstand, denn die potenzielle Nachfrage übersteigt das vorhandene Angebot um ein Vielfaches. Im internationalen Vergleich läuft Deutschland mal wieder hinterher. Wir müssen mit Unbehagen erkennen: Es besteht unmittelbarer Handlungsbedarf für die Gesundheit unserer Kinder und natürlich auch für unser eigenes Leben.

Die 10 ERC-Prinzipien — Überleben verbessern mit „Kids save lives“

  1. 1.

    Jeder kann ein Leben retten — selbst Kinder können ein Leben retten.

     
  2. 2.

    Bis zu 2 Stunden jährliches CPR-Training für Schülerinnen und Schüler ist ausreichend.

     
  3. 3.

    Das Training sollte praktisches „Hands-on“-Training beinhalten und um weitere theoretische Inhalte, zum Beispiel auch mittels virtuellen Lernens, ergänzt werden. Ein solches Training kann auch ohne den Einsatz eines professionellen Reanimationsequipments oder spezielle Wiederbelebungspuppen erfolgen.

     
  4. 4.

    Die jährliche Schülerausbildung sollte ab dem 12. Lebensjahr oder früher beginnen.

     
  5. 5.

    Ausgebildete Schüler sollten ermutigt werden, auch andere Menschen auszubilden. Die Hausaufgabe für alle Schüler nach einem solchen Training sollte lauten: Bitte trainiere innerhalb der nächsten 2 Wochen zehn weitere Personen und berichte darüber.

     
  6. 6.

    Eine große Anzahl von Menschen, darunter Anästhesisten, Kardiologen, Notärzte, Pflegekräfte, Rettungsdienstpersonal, Medizinstudierende und Studierende anderer Fachrichtungen, ausgebildete Lehrer und viele andere Freiwillige können erfolgreich Schüler in CPR trainieren — an Schulen, in Krankenhäusern und an anderen Orten.

     
  7. 7.

    Die verantwortlichen Akteure in den Bildungsministerien und/oder den Schulministerien sowie andere führende Politiker jedes Landes sollten im ganzen Land ein entsprechendes Programm zur Ausbildung von Schülern in CPR implementieren.

     
  8. 8.

    Jedes nationale Resuscitation Council (NRC) beziehungsweise jede vergleichbare Organisation sollte im eigenen Land die Implementierung einer nationalen Initiative und „Kids save lives“-Kampagne unterstützen.

     
  9. 9.

    Mit „Kids save lives“ lernen die Kinder auch soziale Verantwortung und soziale Fähigkeiten.

     
  10. 10.

    Nationale Programme zur Schülerausbildung in CPR können mehr Leben retten, die gesellschaftliche Produktivität steigern und Gesundheitsausgaben reduzieren.

     

Aus: Notfall Rettungsmed 2016;19:488–90

Literatur

  1. White MJ et al. Availability of automated external defibrillators in public high schools. J Pediatr 2016;172:142–6.e1CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2016

Authors and Affiliations

  • Thomas Hoppen
    • 1
  1. 1.

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