Advertisement

pädiatrie hautnah

, Volume 25, Issue 2, pp 67–67 | Cite as

Fundstücke

  • Martin Claßen
Seite Eins
  • 153 Downloads

Dr. med. Martin Claßen, Chefredakteur

Spracherkennung schon in utero

© ingenium-design.de/Fotolia

Das intrauterine Hören des Fetus wird immer wieder kontrovers diskutiert. Dass die Wahrnehmung der Muttersprache bereits in utero erfolgt, konnten Wissenschaftler aus den USA und Schweden nun nachweisen [Moon C et al. Acta Paediatr 2013; 102: 156–60]. Sie untersuchten je 40 Neugeborene aus den USA und Schweden im Durchschnitt 33 Stunden nach der Geburt und spielten ihnen Vokale der Sprache ihrer Mütter oder der jeweils anderen Sprache vor. Die Babys konnten durch die Frequenz des Saugens an einem Sauger die Töne aktivieren. Es zeigte sich, dass die nicht bekannten Sprachlaute häufiger aktiviert wurden. Die Autoren folgern, dass bereits im Mutterleib eine differenzierte Wahrnehmung von Sprache möglich ist.

Der Einfallsreichtum der Untersucher und die Ergebnisse, aber auch die kognitiven Fähigkeiten der Feten faszinieren sehr. Gleichzeitig kommen viele Gedanken an Konsequenzen auf, angefangen von potenziellen pränatalen Förderungsprogrammen bis zu Sorgen, welche negativen Folgen unangenehme Geräuschsensationen in utero haben könnten.

Vom geringen Effekt ärztlicher Empfehlung

Auch wenn sich am Ende des Winters die Sorgen des Pädiaters noch eher auf unzureichende Vitamin-D-Spiegel durch zu geringe Sonnenexposition richten, so naht die Zeit eines adäquaten Sonnenschutzes. Ob eine entsprechende Beratung in der Kinderarztpraxis einen nachhaltigen Einfluss auf die Familien hat, wurde in einer Studie aus Chicago an 301 Kindern untersucht [Cohen L et al. J Pediatr 2013; 162: 381–6]. Das Ergebnis war so einfach wie deprimierend: Die Beratung durch die Pädiater führte zu keinem vermehrten Sonnenschutz der Kinder. Bei Kindern, die sich draußen sportlich betätigten, war das Risiko sogar doppelt so hoch, einen inadäquaten Schutz zu verwenden. Die Autoren folgern, dass unbedingt die Eltern einbezogen werden müssen und bei der Sportempfehlung gleich der Sonnenschutz mit angesprochen werden muss. Der Chronist hofft auf bessere Methoden der Vermittlung wichtiger Botschaften — dies auch für andere Gesundheitsthemen.

© Goodluz / shutterstock.com

Zur Vermeidung des Eckigen beim Runden

Seit der generellen Empfehlung, Babys zur Prävention des plötzlichen Kindstodes auf dem Rücken schlafen zu lassen, sieht man mehr Säuglinge mit Kopfdeformitäten. Wichtig wäre eine Prophylaxe, bevor man zur aufwendigen und belastenden Helmtherapie raten muss. Kollegen aus Gießen haben bei 50 Säuglingen vor dem fünften Monat (20 mit Plagiocephalie, 10 mit Brachycephalie und 20 mit einer Kombination aus beiden) prospektiv randomisiert entweder mit Physiotherapie zur Verbesserung der Beweglichkeit der Halswirbelsäule oder mit einem speziellen Lagerungskissen über sechs Wochen behandelt [Wilbrand JF. J Pediatr 2013 (Epub ahead of print)]. Beide Verfahren waren mit einem ähnlichen Rückgang der Schädeldeformitäten verbunden. In der Gruppe mit der kombinierten Deformität war das Kissen leicht im Vorteil. Es erscheint sinnvoll, bereits in den ersten Lebensmonaten beginnenden Deformitäten mit einer dieser „einfachen“ Maßnahmen zu begegnen.

© panthermedia

Welchen Einfluss hat Reality-TV?

Für Teenager gehören Fernsehformate wie Talentshows, Real-life-Serien und Styling-Shows zu den zentralen Elementen des täglichen Interesses. Die Einflüsse dieser unter dem Begriff „Reality TV“ firmierenden Sendungen auf das Verhalten von Adoleszenten wurde von einem Autorenteam aus Texas untersucht [Ferguson CJ et al. J Pediatr 2013 (Epub ahead of print)]. Hierzu wurden 1.141 Mädchen zwischen elf und 17 Jahren u. a. nach ihrem Fernsehkonsum, Selbstwertgefühl, Sucht nach Ruhm und der Bedeutung ihres Aussehens befragt. Der Konsum von Reality-TV korrelierte positiv mit vermehrtem Selbstbewusstsein und der Erwartung von respektvollem Umgang bei einem Rendezvous. Andererseits waren Teilnehmerinnen mit hohem Konsum eher bereit, auch negative Handlungen in Kauf zu nehmen, um berühmt zu werden, ihnen war das eigene Aussehens außerdem wichtiger. Dass diese Sendungen auch das Konsumverhalten (Kosmetika, Kleidung etc.) massiv bestimmen, wird der Industrie sicher bewusst sein.

© Getty Images/Goodshoot RF

Copyright information

© Urban & Vogel 2013

Authors and Affiliations

  • Martin Claßen

There are no affiliations available

Personalised recommendations