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pädiatrie hautnah

, Volume 24, Issue 4, pp 254–254 | Cite as

ADHS + Epilepsie: Unterscheidet sich die komorbide Form?

  • Kirsten Stollhoff
Literatur kompakt

Rund 30 % der Kinder mit Epilepsie leiden an einer ADHS. Ärzte vom Universitätsspital Basel gingen nun der Frage nach, ob die genuine ADHS sich neuropsychologisch und funktionell unterscheidet von der ADHS, die komorbid mit Epilepsie auftritt.

Dr. med. Kirsten Stollhoff, Hamburg

Die Wissenschaftler untersuchten 17 Jungen mit Epilepsie und ADHS (sechs mit Hyperaktivität, elf ohne Hyperaktivität), 15 Jungen mit genuiner ADHS (neun mit, sechs ohne Hyperaktivität) und eine Kontrollgruppe aus weiteren 15 Jungen mittels Testaufgaben, die eine Aktivierung des Arbeitsgedächtnisse erfordern. Es wurden jeweils zwei Testdurchläufe durchgeführt: mit und ohne Methylphenidat(MPH)-Medikation. Bei allen Testungen wurde gleichzeitig eine funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) abgeleitet.

Die Autoren fanden in den Tests in beiden von ADHS betroffenen Gruppen nativ unterdurchschnittliche Leistungen im Vergleich zur Kontrollgruppe. Unter MPH-Medikation kam es jedoch zu einer Normalisierung. Im fMRT wurde eine Unterfunktion der Bereiche der Netzwerke des Arbeitsgedächtnisse beobachtet — auch hier wieder identisch in den Gruppen mit ADHS mit bzw. ohne Epilepsie. In der Kontrollgruppe war dagegen eine Normfunktion dieser Netzwerke zu sehen. Unter der MPH-Medikation zeigen die fMRT-Bilder keine Veränderung, trotz klinischer „Normalisierung“ waren die funktionellen Bilder unverändert pathologisch.

Kommentar: Die Untersuchungen der Autoren weisen darauf hin, dass identische Netzwerke sowohl bei ADHS als auch bei ADHS + Epilepsie betroffen sind. Dies spricht für eine beiden Störungen zugrunde liegende gemeinsame Pathophysiologie —jedenfalls in Teilbereichen. Es wurden keine Unterschiede — weder testpsychologisch noch funktionell — gefunden zwischen Kindern mit ADHS mit Hyperaktivität und ohne Hyperaktivität. Erstaunlich ist, dass sich unter Medikation zwar das Arbeitsgedächtnis klinisch normalisiert, nicht aber in den bildgebenden Verfahren. Für die Praxis wichtig ist, dass Kinder mit Epilepsie und ADHS ebenfalls positiv auf eine MPH-Therapie ansprechen.

Literatur

  1. Bechtel N et al. Attention-deficit/hyperactivity disorder in childhood epilepsy: A neuropsychological and functional imaging study. Epilepsia 2012; 53: 325–333PubMedCrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Urban & Vogel 2012

Authors and Affiliations

  • Kirsten Stollhoff

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