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pädiatrie hautnah

, Volume 24, Issue 4, pp 252–252 | Cite as

Magnetisches Spielzeug kann Darm durchlöchern

  • Robert Bublak
Kurz gemeldet
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Auf eine noch zu wenig beachtete Gefahr, die von Kinderspielzeug mit magnetischen Teilen ausgeht, haben englische Chirurgen hingewiesen. Anil George und Sandeep Motiwale aus Nottingham haben zwei solcher Fälle im Fachjournal „Lancet“ geschildert. Sie ereigneten sich innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums von 18 Monaten und deuten nach Ansicht der Mediziner auf ein wachsendes Problem hin.

Im ersten Fall klagte ein Kind von eineinhalb Jahren seit fünf Tagen über Bauchschmerzen. Bei der Untersuchung ist das Abdomen weich und unempfindlich, die Darmgeräusche sind regulär. Auf dem Röntgenbild sind zehn metallische Kügelchen zu erkennen, die sich offenbar der Darmpassage entziehen. Die Ärzte entschließen sich zur Laparotomie. Sie finden die Kugeln schließlich teils im Magen, teils im distalen Jejunum. Die Magnete haften durch die dazwischen liegenden Darmwände aneinander, und zwar mit solcher Kraft, dass sich Drucknekrosen und eine gastrojejunale Fistel gebildet haben. Nach Resektion der geschädigten Darmabschnitte und nachfolgender Anastomose erholt sich das Kind und kann als gesund entlassen werden.

Der zweite Fallbericht, einen 8-Jährigen betreffend, ist besonders charakteristisch. Er zeigt, wie schwierig die Diagnose sein kann. Das Kind wies eine Abwehrspannung in der rechten Fossa iliaca und auch sonst alle Zeichen einer akuten Appendizitis auf. Doch bei der Operation finden die Chirurgen eine völlig blande Appendix. Allerdings entdecken sie multiple Fisteln zwischen terminalem Ileum und Caecum, verursacht durch zwei aneinanderhaftende, 2 cm lange Magnetstreifen. Die Ärzte nehmen eine begrenzte rechte Hemikolektomie vor, das Kind gesundet vollständig.

George und Motiwale betonen, solche Vorkommnisse seien früher selten gewesen. Doch inzwischen sei Spielzeug mit magnetischen Elementen viel verbreiteter. Ein einzelnes verschlucktes Teil findet zwar oft auf natürlichem Wege wieder nach draußen. Gelangen indes mehrere solcher Teile in den Darm, können sie sich wechselseitig anziehen und Drucknekrosen, Perforationen und Fisteln auslösen.

Literatur

  1. George AT, Motiwale S. Lancet 2012; 379: 2341–2342PubMedCrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Urban & Vogel 2012

Authors and Affiliations

  • Robert Bublak

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