FÜR SIE GELESEN

figure1

John Vermeulen

Der Garten der Lüste

Roman über Leben und Werk des Hieronymus Bosch

Diogenes Verlag

ISBN 978-3-257-23383-4

erschienen 2001, 592 Seiten, 14,90 Euro

Das bekannte Triptychon (Altarbild mit drei Flügeln) „Garten der Lüste“ im Prado in Madrid hat den belgischen Autor John Vermeulen zu seinem gleichnamigen historischen Roman über Hieronymus Bosch inspiriert. Er schrieb dazu: „Der Garten der Lüste gehört zum Überwältigendsten, das in der bildenden Kunst geschaffen wurde. Die Symbolik der Figuren offenbart die verborgenen Triebfedern des Malers und seine Genialität. Jeder Betrachter entdeckt seine eigene Geschichte darin.“ Der vielseitige Journalist Vermeulen verstarb 2009 im Alter von 68 Jahren und verfasste nebst historischen Romanen (zuletzt von ihm erschienen: Leonardo da Vinci, der Maler des Verborgenen) auch Thriller, Kinderbücher, Science-Fiction-Romane und Kurzgeschichten für das Playboy-Magazin. Das qualifizierte ihn vielleicht auch besonders, über den Garten der Lüste zu schreiben. Mit dem Garten der Lüste gelang Vermeulen ein spannender historischer Roman mit viel künstlerischer Freiheit, also mehr „Roman“ als „historisch“. Dass über Hieronymus Bosch relativ wenig gesicherte Fakten bekannt sind, ließ dem Verfasser viel Spielraum für seine Phantasie. Wer in die Stimmung des späten Mittelalters, einer Zeit der religiösen Tyrannei, der Inquisition, der spanisch-habsburgischen Unterdrückung der Niederlande, einer Zeit des beginnenden Umbruchs, der kommenden Renaissance und des Anbruchs der Neuzeit eintauchen will, hat in diesem Buch reichlich Gelegenheit dazu. Kolumbus entdeckte Amerika, Erasmus von Rotterdam forderte selbständiges Denken des Individuums und Martin Luther entriss der katholischen Kirche mit der Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache die religiöse Deutungshoheit. In dieser turbulenten Zeit lebte Hieronymus Bosch, der zeitlebens nie aus Flandern herausgekommen war, aber trotzdem von all diesen Einflüssen betroffen war. Er war zweifellos ein Genie mit phantastischen Visionen, die nicht zwangsläufig auf Drogenkonsum zurückzuführen sein müssen, auch wenn dies von verschiedenen Forschern behauptet wird. Die Horrorszenarien der lodernden Scheiterhaufen der Inquisition haben beim jungen Hieronymus tiefe Eindrücke hinterlassen, wenn auch dem Klerus nie klar war, ob sich Bosch nun über die Pfaffen oder den Teufel lustig macht.

Wer spannende, informative, aber doch leicht lesbare Lektüre sucht, dem sei dieses Buch empfohlen.

Sie wundern sich über die Buchauswahl? Immerhin finden wir die Ohren mit dem Messer und den langen Nadeln im „Lehrbuch der Auriculotherapie“ von Paul Nogier und in etlichen weiteren Publikationen zur Aurikulomedizin!

Für Sie gelesen hat

figure2

© Galería online, Museo del Prado

Author information

Affiliations

Authors

Corresponding author

Correspondence to Prof. (VRC) Dr.med. Andreas Wirz-Ridolfi.

Rights and permissions

Reprints and Permissions

About this article

Verify currency and authenticity via CrossMark

Cite this article

Wirz-Ridolfi, A. FÜR SIE GELESEN. Akupunkt Aurikulomed 42, 38 (2016). https://doi.org/10.1007/s15009-016-5410-z

Download citation