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Allergo Journal

, Volume 26, Issue 3, pp 14–14 | Cite as

Histaminarme Diät gegen chronische Urtikaria

  • Beate Schumacher
Literatur kompakt
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Kann man durch den Verzicht auf stark histaminhaltige Lebensmittel die Symptome einer chronisch spontanen Urtikaria bessern? In einer deutschen Studie funktionierte das Rezept.

Ein Zusammenhang zwischen chronischer Urtikaria und Histaminaufnahme wird schon länger vermutet. In Studien wurden bei betroffenen Patienten Abweichungen im Histaminstoffwechsel und eine Induzierbarkeit von Attacken durch intraduodenale Histamingabe beobachtet. Zudem berichten viele Patienten über eine Verschlechterung ihrer Beschwerden nach dem Genuss von Rotwein, Hartkäse oder anderen histaminreichen Lebensmitteln.

Ihre subjektive Einschätzung erhält nun Unterstützung durch eine aktuelle Studie mit 56 Patienten mit chronisch spontaner Urtikaria (CsU), die von gastrointestinalen Beschwerden begleitet war. Im Rahmen der Studie wurden sie gebeten, sich mindestens drei Wochen lang gemäß einer Liste mit erlaubten Lebensmitteln zu ernähren. Ihre Ernährung und die Urtikaria-Aktivität gemäß Urticaria Activity Score (UAS, 0–6 Punkte) sollten sie in einem Tagebuch dokumentieren.

Die Summe der UAS-Werte an den vier Tagen vor Beginn der Intervention (UAS4) betrug im Mittel 9,05; sie reduzierte sich auf 4,23 an den letzten vier Tagen der Diät. Allerdings profitierten nicht alle Patienten: Bei neun (16 %) wurde keine Veränderung und bei fünf (9 %) sogar eine Zunahme der Urtikariaaktivität festgestellt. Den primären Studienendpunkt, eine Verbesserung von mindestens drei Punkten im UAS4, erreichten 34 Patienten (61 %). Im Mittel war der UAS4 bei ihnen um 8,59 Punkte zurückgegangen.

Die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich statistisch signifikant um 5,46 Punkte im Urtikaria-spezifischen Fragebogen CU-Q(2)oL. Im Dermatological Life Quality Instrument Questionnaire (DLQI) wurde das Signifikanzniveau dagegen verfehlt. Der Rückgang der Urtikariasymptome spiegelte sich auch in der Einnahme von Antihistaminika wider: Sie ging durchschnittlich um fast eine Tablette (0,93) pro Tag zurück.

Fazit: Unter einer histaminarmen Ernährung gingen bei den CsU-Patienten die Symptome zurück und die Lebensqualität verbesserte sich. Zwar lässt sich aufgrund des fehlenden Vergleichs ein gewisser Placeboeffekt der Intervention nicht ausschließen, die Studienautoren gehen aber davon aus, dass der Effekt im Wesentlichen auf den Histaminverzicht zurückzuführen ist.

Literatur

  1. Wagner N. et al. A Popular myth – low-histamine diet improves chronic spontaneous urticaria – fact or fiction? J Eur Acad Dermatol Venereol 2017; doi: 10.1111/jdv.13966Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2017

Authors and Affiliations

  • Beate Schumacher
    • 1
  1. 1.

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