MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Issue 7, pp 36–36 | Cite as

Stuhltransfer wirkt erstmals bei Reizdarm

  • G. Klose
  • B. Ramsauer
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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In Norwegen wurde zum ersten Mal die Wirksamkeit eines Stuhltransplantats auf die Symptome des Reizdarmsyndroms randomisiert und placebokontrolliert untersucht. Die Ergebnisse stimmen optimistisch.

Prof. Dr. med. G. Klose Facharztpraxis für Innere Medizin, Gastroenterologie, Kardiologie, Bremen

_ Für eine randomisierte klinische Studie wurden 90 norwegische Patienten mit Reizdarmsyndrom (RDS) rekrutiert. Alle litten unter einer nicht dominierenden Obstipation gemäß Rom-III-Kriterien und erreichten einen Score > 175 auf der Reizdarm-Schweregrad-Skala IBS-SSS. Sie waren zwischen 18 und 76 Jahre alt. Zwei Drittel von ihnen erhielten eine Behandlung mit 50–80 g homogenisierten Spenderstuhls in Kochsalzlösung. Ein Drittel erhielt als Placebo die gleiche Anwendung mit eigenem Stuhl.

Die Patienten erhielten eine Ernährungsberatung und dokumentierten die Einnahme von Probiotika und Antibiotika. Mögliche Einflüsse der Ernährung wurden mit einem Protokoll über fünf Tage nach Monat 3 sichtbar gemacht.

65% der Patienten in der aktiven Behandlungsgruppe erreichten den primären Endpunkt, eine Abnahme von > 75 Punkten auf der IBS-SSS nach drei Monaten. In der Placebogruppe waren es 43% (p = 0,0049). Nach 12 Monaten war das Ergebnis mit 56% vs. 36% allerdings nicht mehr signifikant (p = 0,075).

Es wurde ein schweres unerwünschtes Ereignis in Form transienten Schwindels und Übelkeit berichtet.

KOMMENTAR

Zu den bisherigen Anwendungen der Stuhltransplantation gehören rezidivierende Clostridieninfektionen und entzündliche Darmerkrankungen. Nun wurde erstmals die Wirksamkeit bei RDS in einer placebokontrollierten, randomisierten klinischen Studie geprüft. Dies ist bedeutsam — doch eine Bereicherung des therapeutischen Spektrums in unseren Praxen und Ambulanzen ist noch nicht abzusehen.

Zu den Limitationen der Studie gehören nicht geklärte Details in der Art der Transplantatverwendung und Aspekte der Wirksamkeitsbewertung. Von großem Interesse wären auch die Effekte auf das Mikrobiom gewesen, dessen Komplexität man nicht unterschätzen darf. Als Proof of principle ist die Studie aber sehr lesenswert.

Literatur

  1. Johnsen PH et al. Faecal microbiota transplantation versus placebo for moderate-to-severe irritable bowel syndrome: a double-blind, randomised, placebo-controlled, parallel-group, single-centre trial. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2018;3:17–24CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • G. Klose
    • 1
  • B. Ramsauer
    • 1
  1. 1.

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