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MMW - Fortschritte der Medizin

, Volume 160, Issue 6, pp 36–36 | Cite as

Amenorrhö mit verstecktem Menstrualblut

  • H. Holzgreve
FORTBILDUNG . KRITISCH GELESEN
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Prof. Dr. med. H. Holzgreve Internist, München

Eine 19-jährige Frau hatte seit sieben Jahren periodisch Schmerzen im unteren Abdomen und im Beckenbereich, Fieber, Schüttelfrost und Dysurie. Sie hatte nie Monatsblutungen gehabt und verneinte vaginalen Geschlechtsverkehr. Das Abdomen war deutlich vorgewölbt (Abb. A), und zwischen Becken und Nabel tastete man eine feste Resistenz. Das Hymen war nicht perforiert (Abb. B). Im CT zeigte sich eine 26 × 13 × 10,4 cm große vaginale Masse, die den Uterus nach oben verlagerte (Abb. C). Somit konnte die Diagnose Hämatometrokolpos gestellt werden.

A: Aufgetriebenes Abdomen. B: Nicht perforiertes Hymen. C: Massive Dilatation von Vagina und Uterus durch Menstrualblut.

© N Engl J Med. 2018;378:e12

Bei diesem Syndrom sind Uterus und Vagina teils monströs mit Menstrualblut gefüllt und dilatiert, weil das intakte Hymen den Blutabfluss verhindert. Nach der Pubertät treten als Hauptsymptome primäre Amenorrhö, periodische Beckenschmerzen, Miktionsstörungen und tastbare Resistenzen in Becken und Unterleib auf. Auch bei angeborenen und erworbenen partiellen oder kompletten Abflussbehinderungen an Zervix und Vagina können derartige Befunde auftreten.

Nach Hymenektomie entleerten sich 3 Liter (!) braunen, übelriechenden Blutes. Vorsichtshalber wurden Antibiotika verordnet. Nach drei Tagen konnte die Patientin entlassen werden. Bei Kontrollen im folgenden Jahr war sie beschwerdefrei. Sonografisch stellten sich Uterus, Vagina und Adnexen normal dar.

Literatur

  1. Brito LGO, Suto HS: Hematometrocolpos in a Teenager. N Engl J Med. 2018;378:e12CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • H. Holzgreve
    • 1
  1. 1.

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