Unrupturierte zerebrale arteriovenöse Malformationen

Konservative Therapie reicht meist aus

Fragestellung: Sollten Patienten mit nicht rupturierten zerebralen arteriovenösen Malformationen (AVM) interventionell oder konservativ behandelt werden?

Hintergrund: Nicht rupturierte AVM des Gehirns können potenziell zu zwei Komplikationen führen: Es kann zu einer Blutung aus der Malformation kommen oder die AVM kann zu epileptischen Anfällen führen. Angesichts der niedrigen Rate an Blutungen könnte theoretisch eine rein konservative Therapie einer interventionellen Therapie mit neuroradiologischen Verfahren, neurochirurgischen Operationen oder einer Strahlentherapie oder der Kombination dieser Verfahren überlegen sein. ARUBA war eine randomisierte Studie, die 226 Patienten zu einer rein medikamentösen Therapie oder zu einer medikamentösen plus interventioneller Therapie randomisierte. Die ersten Ergebnisse der Studie wurden 2014 veröffentlicht [1]. Jetzt wurden die 5-Jahres-Daten publiziert.

Patienten und Methodik: ARUBA, eine nicht verblindete randomisierte Studie, schloss Patienten mit einer nicht rupturierten AVM ein, die entweder eine rein konservative Therapie oder eine interventionelle Therapie mit mikrochirurgischer Operation, Embolisation oder stereotaktischer Radiotherapie als Monotherapie oder Kombinationstherapie erhielten. Der primäre Endpunkt war die Zeit bis zum Tod oder zum Auftreten eines Schlaganfalls.

Ergebnisse: Für die Studie wurden 1.740 Patienten gescreent, von denen letztendlich 226 Patienten randomisiert wurden. 110 Patienten wurden rein konservativ und 116 Patienten konservativ und interventionell behandelt. Die Patienten waren im Mittel 44 Jahre alt, 60 % waren Männer. Die klinischen Symptome waren epileptische Anfälle (42 %), Kopfschmerzen (52 %) und fokale neurologische Ausfälle (15 %). 42 % der Patienten waren asymptomatisch. Bei 15 % der Patienten lag zusätzlich ein Aneurysma vor.

Nach einer mittleren Beobachtungszeit von 50,4 Monaten betrug die Rate von Todesfällen oder symptomatischen Schlaganfällen 3,39 % (15/110) in der konservativ behandelten Gruppe, verglichen mit 12,3 % (41/116) in der interventionellen Gruppe (Hazard Ratio 0,31; 95 %-Konfidenzintervall 0,17-0,56). Während der Beobachtungszeit verstarben zwei Patienten in der konservativen und vier in der interventionellen Gruppe. Behandlungskomplikationen traten häufiger in der interventionellen Gruppe auf.

Schlussfolgerungen: Bei Patienten mit nicht rupturierten AVM reduzierte eine rein konservative Therapie verglichen mit einer interventionellen plus konservativen Therapie die Inzidenz von Todesfällen und symptomatischen Schlaganfällen.

Mohr JP, Overbey JR, Hartmann A et al. Medical management with interventional therapy versus medical management alone for unruptured brain arteriovenous malformations (ARUBA): final follow-up of a multicentre, non-blinded, randomised controlled trial. Lancet Neurol 2020; 19: 573-81

Referenz

  1. 1.

    Mohr JP et al. Lancet 2014; 383: 614-21

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Correspondence to Prof. Dr. med. Ulrich Sure.

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Sure, U. Konservative Therapie reicht meist aus. InFo Neurologie 23, 11 (2021). https://doi.org/10.1007/s15005-020-1808-1

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