Multiple Sklerose

Therapie pädiatrischer Patienten weiter verbessern

Etwa 150 Kinder und Jugendliche erhalten in Deutschland pro Jahr die Diagnose Multiple Sklerose (MS), berichtete Prof. Dr. Peter Huppke vom Deutschen Zentrum für MS im Kindes- und Jugendalter der Universitätsmedizin Göttingen auf einer Veranstaltung von Teva.

Während eine primär progrediente MS in dieser Altersgruppe nicht vorkommt, entsprechen die Phasen der schubförmig remittierenden MS und das Auftreten einer sekundären progredienten MS denen bei Erwachsenen. Die entzündliche Aktivität ist im Kindes- und Jugendalter allerdings häufig höher und auch wenn die pädiatrischen Patienten eine bessere Regenerationsfähigkeit aufweisen, erreichen sie doch zehn Jahre früher einen vergleichbaren Behinderungsgrad wie erwachsene MS-Patienten. Die Symptome verändern sich mit der Pubertät: Vor der Pubertät werden häufiger sensorische Probleme und eine Optikusneuritis beobachtet, danach treten vermehrt motorische Probleme auf [Huppke P et al. Eur J Neurol. 2014;21:441-6].

Die Therapie erfolgt wie bei Erwachsenen entsprechend der Krankheitsaktivität, auch wenn viele Medikamente nicht explizit für das Kindes- und Jugendalter zugelassen sind. Bei milden und moderaten Verläufen kommen vor allem Interferone und - nach Huppkes Einschätzung häufiger - Glatirameracetat (Copaxone®) zum Einsatz, bei hochaktiven Formen Fingolimod (Zulassung ab zehn Jahre) und Natalizumab. Die Anwendung der Antikörpertherapien für junge Patienten mit hochaktiver Erkrankung hat die Schubrate und den Behinderungsgrad der pädiatrischen MS-Patienten im Jahr 2015 gegenüber der Zeit vor 2005 um fast die Hälfte senken können, erklärte Huppke auf Basis der Daten seines Zentrums [Huppke P et al. Mult Scler. 2019;25:72-80]. Für die Aktualisierung der Leitlinienempfehlungen sei es nun wichtig, alle Patienten mit hoher entzündlicher Aktivität zu identifizieren und entsprechend zu behandeln. Seines Erachtens reichen dafür Schubraten und Behinderungsgrad nach der Expanded Disability Status Scale nicht aus. Neurofilamente könnten insbesondere bei juveniler MS als Biomarker für die Aktivität dienen. Ein weiterer Biomarker ist die Adipositas: Adipöse Kinder und Jugendliche haben ein doppelt so hohes MS-Risiko und sprechen schlechter auf die MS-Therapie an. Aktuell läuft eine prospektive multizentrische Studie, die helfen soll, die Leitlinien besser an die Situation im Kindes- und Jugendalter anzupassen.

Symposium "Behandlung der MS im Lebensbogen", virtueller DGN-Kongress 2020, 6.11.2020; Veranstalter: Teva

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Correspondence to Dipl.-Biol. Friederike Klein.

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Klein, F. Therapie pädiatrischer Patienten weiter verbessern . InFo Neurologie 23, 51 (2021). https://doi.org/10.1007/s15005-020-1785-4

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