REM-Schlaf-Verhaltensstörung liefert wichtige Hinweise für frühe Diagnosestellung

Viele Strategien zur Neuroprotektion bei idiopathischem Parkinson-Syndrom sind gescheitert — wahrscheinlich, weil sie viel zu spät kommen. Um die Nervenzellen effektiv vor der Degeneration zu schützen, muss man möglicherweise schon vor dem Auftreten der typischen motorischen Symptome ansetzen.

Einige nicht motorische Symptome des Morbus Parkinson treten bereits lange Zeit vor Manifestation der motorischen Symptome auf und könnten somit einen Ansatzpunkt für eine frühzeitige Diagnose und Therapie liefern, sagte Professor Wolfgang Oertel, Klinik für Neurologie an der Universität Marburg. Dazu gehören Obstipation, Hyposmie oder Ansomie, REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) oder auch eine Akinesie. Das Problem ist, dass die meisten dieser Symptome völlig unspezifisch sind und sich daher wenig für ein Screening auf eine frühe Parkinson-Erkrankung eignen. Anders ist die Situation bei der RBD: Das motorische Ausagieren von Träumen ist ein relativ seltenes Symptom und 85 % der Betroffenen entwickeln innerhalb von 15 Jahren eine Parkinson-Erkrankung. Durch wenige einfache Fragen an den Partner des Patienten (Schnarcht ihr Partner? Spricht er im Schlaf? Hat er Sie schon mal im Schlaf geschlagen?) lässt sich schon eine Verdachtsdiagnose stellen, mit der man 30 – 50 % der Patienten mit späterer Entwicklung einer Parkinson-Erkrankung erkennt, sagte Oertel. In der Polysomnografie kann der Befund dann bestätigt werden.

figure1

© Piotr Marcinski / Fotolia

In dieser RBD-Kohorte könnten dann noch weitere zusätzliche Parameter für eine frühe Diagnose herangezogen werden. Dazu gehören zum Beispiel Hyposmie, Obstipation, gestörte Magenmotilität, spezifische Muster im 18F-Fluordesoxyglucose-PET, veränderte Pupillenreaktionen und eine genetische Charakterisierung. Mit solchen Kombinationen könnte in Zukunft eine frühzeitige Diagnose möglich sein, die eine frühe neuroprotektive Therapie rechtfertigt.

Literatur

  1. Symposium „Late-Breaking Advances in Clinical, Basic and Translational Science“, 20. International Congress of Parkinson’s Disease and Movement Disorders, 21.6.2016, Berlin

Download references

Author information

Affiliations

Authors

Corresponding author

Correspondence to Maria Weiß.

Rights and permissions

Reprints and Permissions

About this article

Verify currency and authenticity via CrossMark

Cite this article

Weiß, M. REM-Schlaf-Verhaltensstörung liefert wichtige Hinweise für frühe Diagnosestellung. InFo Neurologie 18, 54 (2016). https://doi.org/10.1007/s15005-016-1863-9

Download citation